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13.02.2017

Kälteschrein in Berlin

Biobank von Heide & von Beckerath


Biobank? Ist das ein Finanzinstitut mit ökologischer Ausrichtung? Der Laie staunt, was hinter dem Begriff steckt: Ein Kühllager für riesige Mengen biologischer Proben, die für die zukünftige medizinische Forschung gesammelt werden. Und der Architekt staunt umso mehr, wenn er sich die kürzlich fertig gestellte Biobank von Heide & von Beckerath aus Berlin ansieht. Im Auftrag des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gesellschaft realisierten die Architekten einen kleinen und mehr als feinen Neubau im Campus Berlin-Buch.

Biobanken sind Einrichtungen innerhalb großer Institutionen, in denen menschliche Gewebe- und Flüssigkeitsproben systematisch und zentral erfasst werden. Sie sind also eine Art Archiv, auf dessen Bestände man in der Zukunft für unterschiedliche Fragestellungen zurückgreifen kann. Aus architektonischer Perspektive bedeutet dies, dass eine Biobank – entsprechend ihrer Relevanz und Eigenständigkeit – vorzugsweise als individueller Baukörper mit klarem architektonischen Ausdruck entworfen werden sollte. Heide von Beckerath hatten das Glück, in einem Rahmen arbeiten zu können, der genau dies erlaubte. Ihre Biobank ist kein auswechselbarer Funktionsbau, sondern das Ergebnis einer anspruchsvollen Entwurfshaltung, die ein hochspezifisches Programm in eine ausdrucksstarke, autonome Architektur zu übersetzen vermochte.

Anders als man es sich bei einer solchen High-Tech-Anlage vielleicht vorstellt, ist das Raumprogramm ziemlich überschaubar, was zu einem relativ kleinen Haus über quadratischem Grundriss führte. Herzstück der Biobank ist eine Kühlzelle mit einer inneren Temperatur von -20 Grad, in der maximal fünf mit Stickstoff befüllte Tanks für je circa 1,3 Millionen Proben aufgestellt werden können. Im Vorraum der Tanks werden die Proben erfasst und zwischengelagert, darüber hinaus gibt es fünf administrative Arbeitsplätze und einen außen liegenden Stickstofftank, den die Architekten in die Kubatur des Hauses integrierten. Die notwendige Technik liegt im Dachbereich, versteckt hinter den geschlossenen Wandflächen der Außenhülle. Im Inneren ist das Haus weitgehend eingeschossig organisiert, durch die Höhe der Kühltanks ergab sich jedoch eine Gesamtform, die eher zweigeschossig wirkt.

Hochspezifische Anlagen wie eine Biobank fordern den Architekten natürlich vor allem bei der Außenhülle. Eine weitgehend geschlossene Form lag nahe, die Architekten interpretierten die Funktion des medizinischen Kühllagers jedoch auf eigenwillige und überzeugende Weise. Sie entwarfen einen in sich geschlossenen Baukörper mit streng durchgezeichneter und modular geordneter Fassade. Im unteren Bereich kamen Holzpaneele zum Einsatz, darüber Platten aus Weißaluminium – eine fast schon modische Materialwahl, die in den Bereich des Design verweist. Und in der Tat hat das Haus viel von einem Objekt, was vor allem an der umlaufenden Sitzbank und dem korrespondierenden Vordach liegt, die das Haus aus den üblichen architektonischen Wahrnehmungskonventionen entheben und eher an die unterkühlten Objekte der Minimal Art denken lassen. Es steht autonom, fast scheint es zu schweben, ruht in sich und zelebriert seine hermetische Schutzfunktion.

Über die ungewöhnliche Sitzbank schreiben die Architekten zwar, dass sie „zum Verweilen und zum Gespräch einlädt“ – doch selten hat man eine Bank gesehen, die so formal gedacht ist und die Ästhetik eines Hauses so stark prägt wie hier. Nicht zuletzt die auffälligen, schrägen Einschnitte an den Türen und Toren machen dies klar – gerade weil sie natürlich funktional argumentierbar sind und genau dies zur Schau stellen. Ob die Sitzbank überhaupt als eine solche erkannt wird, sei dahin gestellt, spielt aber letztendlich auch keine entscheidende Rolle. Passanten kommen hier eh nicht vorbei und die Forscher werden es sich sowieso bequem machen und mehr als dankbar sein für einen sonnigen Platz und die Wärme des Holzes. (gh)

Fotos: Andrew Alberts


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