Ich bin eine Kirche!
Autobahnkapelle im Siegerland von Schneider und Schumacher fertig
In diesem Umfeld muss sich das Bauwerk behaupten: Spielhalle, Tankstelle, Hotel und Burger King sind die profanen Nachbarn der neuen Autobahnkirche Siegerland am Autohof Wilnsdorf an der A45, der „Sauerlandlinie“. Der Entwurf für das expressive Kirchengebäude stammt von den Frankfurter Architekten schneider+schumacher. Die Kirche wird am übernächsten Sonntag eingeweiht. Die Initiative zu dem Bau der ökumenischen Autobahnkirche war von einem privaten Ehepaar ausgegangen, die Finanzierung erfolgte über Spenden.
Die Architekten sind 2009 siegreich aus einem eingeladenen Wettbwerb hervorgegangen. Ihr Entwurf ist „als Synthese aus einer abstrakten Emblematik außen, die es mit der ästhetisch rüden Umgebung des Autohofs aufnehmen kann, und einer kontemplativen Innerlichkeit“ konzipiert.
Die Kirche ist als Holzständerbau auf einem Betonfundament ausgeführt. Die Architekten erläutern die Gestaltung: „Die Kirche stellt sich als direktes Abbild des Autobahnkirchen-Schildes dar. Die äußere Form ist abstrakt, signalisiert aber distanzlos direkt: ‚Ich bin eine Kirche!‘
Die dreidimensionale Umsetzung des Kirchen-Piktogramms präsentiert sich sowohl zur Autobahn als auch zum Autohof als stilisierte weiße Silhouette einer traditionellen Dorfkirche. Man betritt die Kirche, die bei näherer Betrachtung aus dem Berg heraus zu wachsen scheint, über einen Steg, der sich zu einem überdachten Eingang schließt.
Im Inneren eröffnet sich ein Raum, dessen Gestaltung in Bezug auf die durch das Äußere hervorgerufene Erwartungshaltung überrascht. Die Innenkuppel öffnet sich zum Altarbereich, in den nur von oben durch die beiden Turmspitzen natürliches Licht einfällt. Das filigrane Holz-Gewölbe zeigt sich ähnlich einer feingliedrigen Kreuzrippen-Struktur.“
Mehr zum Thema Autobahnkirchen in der Baunetzwoche#258 „Von der Autobahnkirche zum Raum der Stille“
Natürlich sind weder Bauherr noch Architekt noch Nutzer blind. Doch wer allerdings nur die allseits beliebten Blöcke der modernen Architektur (egal ob Wohnhaus, Verwaltung) im Kopf hat, dessen Phantasie stößt hier schnell an Grenzen. Von wo soll man eine AUTOBAHN-Kirche denn sehen? Von der Spitze des Hinweistafelturms, so wie auf den Photos? Wohl kaum. Von der AUTOBAHN. Und von da, liebe Leut, sieht die Kirche 1:1 so aus, wie sie auf jedem Autobahnkirchen-Hinweisschild als Zeichen gemalt ist.
Auch Ronchamp wurde zunächst von vielen abgelehnt. Das Holzkirchlein hat auf den ersten Blick hohe formale Qualität, ich find den Bruch zwischen Aussen und Innen aber erst mal etwas befremdlich. Halte deshalb aber sicher auf der nächsten Fahrt auf der Sauerlandline da mal an. Ich hoffe der Baumarkt- bzw. OSB-Geruch ist dann weitgehend weg. Wie dauerghaft die Konstruktion ist werden die nächsten Jahre zeigen. Gut, dass Kirche auch mal wieder Mut beweisst.
Der Mut der Bauherren wurde durch die Architekten ganz klar belohnt! Da bekomme ich ja gleich Lust in die Kirche zu gehen!! Hört auf mit euren Saudummen vergleichen, Teufelskopf?! Jeder sieht schlussendlich was er sehen will, also würde ich mich an eurer Stelle ernsthaft fragen was ihr selbst für ein Problem habt! Du siehst was du selbst siehst!!!
oder vertreter der kirche? da gabs doch sicher renderings..... lustig