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11.04.2017

Stahl-Oase in der Atacama-Wüste

Ausstellungsraum in Chile von Emilio Marin + Juan Carlos Lopez


Zwei junge Architekten haben in der chilenischen Atacama-Wüste „ihren Stahl abgestellt“ – mit diesem Ausdruck kritisiert der Kabarettist Rainald Grebe die Kontextlosigkeit vieler Exponate der Kunst am Bau – wie beispielsweise Henry Moores Skulptur vor dem Bundeskanzleramt in Bonn. In der trockensten Wüste der Welt gibt es zwar nicht viel Kontext, in den man Kunst oder Architektur einpassen kann. Dennoch haben es Emilio Marín & Juan Carlos Lopez (Santiago de Chile) geschafft, verschiedene Möglichkeiten des Landschaftsbezugs in ihrem Entwurf für einen Ausstellungsraum zu vereinen, auch wenn das Ergebnis auf den ersten Blick an ein schlecht verortetes Cortenstahl-Objekt denken lässt.

In der chilenische Wüste wurde vor Kurzem der erste Windpark des Landes errichtet. Ob nun der Standort für Besucher attraktiv gestaltet werden sollte oder welche Beweggründe sonst dahinter steckten, ist nicht bekannt. Die Architekten wurden jedenfalls beauftragt, inmitten der Windkraftanlagen ein Gebäude zu errichten, ohne dass ein Raumprogramm vorgegeben worden wäre. „Kultur war irgendwie nicht nötig, wir hatten sie ja im Portemonnaie“, so dichtet Rainald Grebe weiter über die alte Bundesrepublik. Hatten die Auftraggeber vielleicht einfach etwas Geld übrig?

Die Atacama-Wüste eignet sich jedenfalls für kaum eine Art der „Kultivierung“. Der Windpark dürfte mit der erste Nutzen sein, den die Menschen aus dieser Landschaft ziehen können. Mit dem Ensemble aus stahlverkleideten Volumen, das Marín und Lopez hier errichteten, entsteht gleich in mehrerlei Hinsicht ein „kulturelles Zentrum“ an diesem entlegenen Ort. Im Innenhof wächst, anstatt der in den Zeichnungen der Architekten angelegten Bäume, immerhin etwas Gestrüpp – und davon mehr als sonst irgendwo in der Umgebung.

Die fünf Innenräume verschließen sich der Umwelt oder bieten verschiedene Ausblicke bis hin zum Gebirge am Horizont. Wo sich keine Toilette oder Garderobe befindet, bleibt Raum für Ausstellungen – sofern die Exponate das extreme Klima vertragen. Eine starke Isolationswirkung ist von der einfachen Betonkonstruktion kaum zu erwarten. So ist der Besucher gezwungen, sich auf einen Dialog mit dem Ort einzulassen. Wenn der Begriff Kultur also nicht nur die Abgrenzung von der Natur, sondern auch den bewussten Umgang mit dem Kontext bezeichnet, dann ist dieser Ort nun kultiviert. (dd)

Fotos: Felipe Fontecilla


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