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12.09.2011

Maniera moderna

Ausstellung in München zu Carlo Mollino


Fragt man einen Architekten nach Carlo Mollino, runzelt dieser die Stirn. Fragt man einen Designer oder Künstler, fangen dessen Augen an zu leuchten. Der Turiner Architekt (1905-73) gilt als Außenseiter seiner Generation und als Midas des ästhetischen Lebens: Er brillierte in allen Disziplinen.

Seine Karriere als Architekt beginnt er mit einem Wettbewerbsgewinn für die Federazione Agricoltori Cuneo, für seine Möbel (deren Originale heute Millionenbeträge erzielen) entwickelt er eine patentierte Technik zur kalten Verformung von Sperrholz; er ist leidenschaftlicher Fotograf und ein ebenso begnadeter Skifahrer wie Rennfahrer und Pilot. Selbst das quick-and-dirty-Medium Polaroid, das er für seine Aktfotos einsetzt, wird unter seinen Händen zum Kunstwerk.

Das Haus der Kunst in München widmet Mollino nun unter dem Titel „Maniera moderna“ ab kommendem Donnerstag eine umfassende Ausstellung, die das Werk des Architekten jenseits seines Images – wahlweise als gran irregolare, holy madman oder Dandy – inhaltlich neu verortet.
 
Bevor sich Mollino der Architektur zuwendet und in das Büro seines Vaters eintritt, studiert er Maschinenbau und Kunstgeschichte. Die Bandbreite seiner Architektur reicht vom strengen Nutzbau (Federazione Agricoltori Cuneo, 1933-35) über üppig-surrealistische Interieurs und barock inspirierte Gebäude (die inzwischen abgerissene Società Ippica Torinese oder das postum eingeweihte Nuovo Teatro Regio) bis zur Skihütte, die an traditionelle alpine Holzbauweisen anknüpft (Bergstation am Lago Nero, 1947).

Für seine Gebäude, aber auch für Freunde wie Lisa und Gio Ponti entwirft er individuelle, organisch geformte Möbel, die in Kleinserien gefertigt werden und für die er heute weltweit bekannt ist. Er nimmt erfolgreich am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil, übt sich im Kunstfliegen und perfektioniert den alpinen Abfahrtslauf. Dabei unterzieht er sein Tun einer ständigen Reflektion, die sich in seinen Essays zur Architektur ebenso wie in den Zeichnungen seiner Flugfiguren und der fotografischen Notation seiner Spuren im Schnee niederschlägt.
 
Das Kuratorenteam von „Maniera moderna“, bestehend aus dem Kurator Chris Dercon (HdK München / Tate Modern, London), dem Architekten Wilfried Kuehn (kuehnmalvezzi, Berlin) und dem Künstler Armin Linke (Berlin), greift die Interdisziplinarität Mollinos bereits in seiner Zusammensetzung auf. Die Kuratoren verstehen die Ausstellung dabei nicht als Retrospektive auf ein abgeschlossenes Œuvre, sondern als „künstlerischen Blick auf ein Werk, das mehr Fragen stellt, als Antworten gibt“.

Denn während Mollino vielen seiner Architektenkollegen fremd bleibt, ist er für Fotografen und Künstler längst eine feste Referenz.  Neben Fotografien von Armin Linke, der alle noch erhaltenen Bauten und Räume Mollinos besucht hat, gibt es einige bisher nie gezeigte Möbel zu sehen, das Rennauto „Bisiluro“, seine Fotomontagen und Polaroids, Zeichnungen und Pläne. Zwei auf Mollino bezogene Kunstwerke – ein Film von Simon Starling und eine Installation von Nairy Baghramian – vermitteln als Bezugspunkte seiner Relevanz für die Gegenwart. (cv)

Vernissage:
15. September 2011, 19 Uhr
Ausstellung: 16. September 2011 - 8. Januar 2012, geöffnet Mo–So 10–20 Uhr, Do 10–22 Uhr
Ort: Haus der Kunst, Prinzregentenstraße 1, 80538 München


Zum Thema:

www.hausderkunst.de
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Teatro Regio, 1965-73

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Carlo Mollino im Bisiluro, 1955

Carlo Mollino im Bisiluro, 1955

Casa Mollino, 1960-68

Casa Mollino, 1960-68

Casa del Sole, Cervinia, 1947-55

Casa del Sole, Cervinia, 1947-55

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