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01.09.2017

Perrault spiegeln

Archiverweiterung in Bussy-Saint-Georges


Das Centre Technique du Livre de l'Enseignement Supérieur, eine technische Institution zur Aufbewahrung und Pflege von Büchern in der Pariser Peripherie, war überlastet und benötigte dringend eine Erweiterung der Bücherarchive. So weit keine allzu herausfordernde Bauaufgabe. Doch das CTLES wurde 1993-95 nach Plänen von Dominique Perrault gebaut, und damit wird es doch ein wenig kniffliger.

Der Stararchitekt ließ zwar – getreu seiner Linie, Entwürfe nur in ihrem städtebaulichen Kontext zu denken – in drei Himmelsrichtungen Luft für zukünftige Erweiterungen. Dennoch erweist sich die Architektur des CTLES noch heute in gewisser Weise als Platzhirsch, zu der es sich zu positionieren gilt: Seine mit Aluminiumpaneelen horizontal verkleidete Boxenarchitektur zeichnet sich durch einen Formalismus aus, der bis heute das CTLES-Gelände im ruralen Bussy-Saint-Georges berherrscht. Auch die Entscheidung, das Grundstück über eine innere Straße, entlang derer sich Werkstätten und Archive angliedern, zu erschließen, hat in ihrer strengen Logik noch immer eine stark imperative Wirkung.

Der nun fertigestellte Anbau von Antonini + Darmon Architectes (Paris) und Rmdm Architects (Saint-Ouen) geht mit der prominenten Nachbarbebauung auf elegante Weise um: Die beiden neu hinzugefügten Volumen entsprechen in ihren Dimensionen, der klaren Formensprache und der präzisen Setzung exakt dem Perraultbau. Etwas abgerückt, doch durch eine verglaste Brücke verbunden, entsteht so ein ganzheitlich wirkendes Ensemble. Die Neubauten bieten auf je vier Geschossen 10.000 Quadratmeter Fläche für neue Regale in 100 Kilometer Länge.

Auch die äußere Verschlossenheit des Bestands greifen die Silos auf, wenngleich die Wahl des Fassadenmaterials nicht auf das matte Aluminium fiel, sondern auf vermutlich pflegeintensiveres Stahl: Durch vertikal gefaltete, fast vollflächig angebrachte, hochreflektierende Bleche scheint das Gebäude mal stolz in der Sonne zu erstrahlen, mal ganz bescheiden seine Umgebung widerzuspiegeln und nahezu in ihr zu verschwinden. So oszilliert die Erweiterung zwischen Demut vor der Erstbebauung und ihrer etwas augenzwinkernden Aktualisierung. (kms)

Fotos: Pierre L'Excellent, Julien Lanoo


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