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11.11.2010

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Berliner Architekturdebatte 2.0

Architekten beziehen Position


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Aus der Opposition zu einer geplanten Buchpublikation des ehemaligen Berliner Senatsbaudirektors Hans Stimmann hat sich eine offene Gruppe von hier ansässigen Architekten gebildet, die sich um die Zukunft der Stadt, ihrer Architektur und ihrer sozialen Nutzung Gedanken machen. Dazu gehören BARarchitekten, brandlhuber+ , deadline > office for architectural services, ebers architekten, FAT KOEHL Architekten, Kaden Klingbeil Architekten und ludloff+ludloff Architekten. Als Berater fungiert der Künstler Nikolai von Rosen, der als Dozent für Architektur und Kunst an der ETH Zürich lehrt.

Die Architekten hatten in zwei Offenen Briefen Stellung bezogen zu einem von Stimmann geplanten Buch „Stadthäuser“, in dem er 50 Projekte als Beispiele der privat genutzten und bebauten Parzelle in der Innenstadt vorstellen will – unter anderem auch diejenigen der oben erwähnten Architekten.

In der Verlagsankündigung heißt es: „Nach dem Rückzug des Staats aus den sozialen Wohnungsbauprogrammen und einer Renaissance der Innenstädte erhalten privat finanzierte innerstädtische Wohnprojekte eine neue Aufmerksamkeit. In diesem Band der Reihe Handbuch und Planungshilfe resümiert Autor Hans Stimmann, über mehr als ein Jahrzehnt Senatsbaudirektor in Berlin und Wegbereiter des neuen Stadthausbooms, über politische Strategien, theoretische Konzepte und baugeschichtliche Wurzeln des Stadthauses in Berlin.“

Die erwähnten Architekten sehen sich aber gar nicht als Vertreter des Bautyps „Bürgerhaus auf der privaten Parzelle“. Ihre Projekte seien vielmehr aus ganz unterschiedlichen Bedingungen heraus entstanden – sie stehen teilweise auf Resten von Bauruinen oder auf als unbebaubar gehandelten Grundstücken, sie befinden sich auch nicht alle in Privateigentum, sondern werden beispielsweise in Erbbaupacht genutzt. Zudem interessieren sie sich viel mehr für einen Wohnungsbau und eine Stadtplanung, die auf Bottom-Up-Strategien basieren und damit auch finanziell schwächere Bevölkerungsgruppen integrieren, wie es durch Mischfinanzierung, Genossenschaften, Erbpacht oder Pensionsfonds möglich wäre.

Weiteren Handlungsbedarf sehen sie im Bereich der Architekturausbildung und der Schaffung eines Forums, in dem solche alternativen Modelle diskutiert werden. Zudem wünschen sie sich eine größere Reflexion über die in Berlin reichlich vorhandenen Lücken und Freiräume und deren architektonischem wie sozialem Potenzial.

In ihrem „Zweiten Offenen Brief" an den Verleger von DOM-Publishers hatten die Architekten wie folgt Stellung bezogen:

„Als Unterzeichner dieses zweiten offenen Briefs möchten wir uns einführend bei Ihnen als Verleger bedanken, dass sie uns zur Teilnahme am Buchprojekt ‚Stadthäuser‘, herausgegeben von Hans Stimmann (Erscheinungsdatum Frühjahr 2011) eingeladen haben. Wir werden dieser Einladung nicht nachkommen.

‚Unsere Projekte basieren auf Eigeninitiative und stehen in keinem inhaltlichen Zusammenhang mit der damaligen Stadtpolitik‘, hatten wir Sie in unserem ersten Offenen Brief wissen lassen und mit der Frage verbunden: ‚Warum soll nachträglich unter Vereinnahmung hierzu kritischer Architektinnen und Architekten diese Position fortgeschrieben und die gerade entstandenen vielfältigen neuen Positionen darin verallgemeinert werden?‘

BARarchitekten
: Die stadtpolitische Diskussion in Berlin in den neunziger Jahren und darüber hinaus war nicht der fruchtbare Boden für unsere Arbeit. Daher sehen wir uns auch jetzt in keinen Zusammenhang zu der damaligen Baupolitik, wie es in dem Buch dargestellt wird. Im Gegenteil: Wir haben eine offene Diskussion über Themen der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit sowie den politischen Mut, Experimente zu wagen und neuen Ansätzen und Akteuren Raum zu geben, in dieser Zeit stets vermisst. Wir teilen nicht die pauschale Kritik an den Architekten der Moderne, sondern nehmen mit unserer eigenen Arbeit Bezug auf diese und sehen sie als eine der wichtigen Inspirationsquellen unserer Arbeit.

brandluber+
: Wir verstehen Architektur als das Ordnen von sozialen Beziehungen durch Gebautes. Wer ‚Stadthäuser‘ – in der englischen Ausgabe ‚Townhouses‘ – gleich setzt mit der ‚Wiedereinführung privaten Grund- und Hauseigentums‘, versteht dies auch so, allerdings mit dem Ziel sozialer Segregation, weil all jene exkludiert werden, die sich nicht mit Eigentumsrechten munitionieren können oder wollen. Wenn für dieses Ziel von politischen und administrativen Treuhändern eigens kleinparzellierte, zentrale Lagen für privilegierte ‚neue Stadtbürger‘ zur Verfügung gestellt werden, wird hier Stadt als Gemeinwesen bewusst abgeschrieben.

deadline
: Unsere Architekturpraxis ist daraus entstanden, dass wir im Berlin um die Jahrtausendwende gezwungen waren, eigene neue Wege zu suchen, da unser Architekturansatz zu dieser Zeit in Berlin aktiv verhindert wurde. Wir glauben, dass eine Stadt von der Vielfalt seiner Akteure lebt. Wir haben interessante neue Wege gefunden, um kompromisslos unsere Vorstellung von Architektur zu realisieren. Idealerweise sollte eine Stadt die Vielfalt solcher außergewöhnlicher Leistungen unterstützen.

ebers architekten
: Stadt ist dort, wo die Dichte von Innen- und Außenräumen zusammen Orte ergibt, in denen Handlung und Bedeutung zur Form wird. Jedes Haus ist einzigartig und Kommentar seines Kontextes. Architektur muss Aneignung ermöglichen und die Räume der Gegenwart für die Zukunft abbilden.‘

FAT KOEHL
: Urbanität ist für uns die Gleichzeitigkeit von unterschiedlichen Modellen und Programmen innerhalb eines zu verhandelnden Regelraumes. Diese Form der Verhandlung fordert von allen Beteiligten neue Konzepte einer differenzierten und zieloffenen Stadtentwicklung. In unserer Architektur verhandeln wir den Regelraum durch das Bauen mit mehreren Bauherren. Damit schließen wir die Verantwortung aller Beteiligten für die Entwicklung der Architektur und die der Stadt ein.

Kaden Klingbeil
: Wir erkunden das Substantielle von Materialien, konstruieren, experimentieren – in unserem speziellen Fall insbesondere mit dem nachwachsenden Material Holz – und stellen es in einen kontextuellen Bezug zu kulturellen, sozialen, technischen und ökonomischen Feldern. Wir interpretieren mit unseren Projekten soziale Räume im steinernen Blockrandberlin als gemeinschaftlich organisierten Zwischenraum.

ludloff+ludloff
: Unsere Architektur will einen Diskurs anstoßen, der Antworten zu aktuellen und zukünftigen Lebensrealitäten geben kann. Durch die bewusste Interpretation tradierter Bildwelten und aktueller Medienerfahrungen erschließen wir neue Räume und eine veränderte Sicht auf die Stadt. Dabei verstehen wir unsere Arbeiten keinesfalls als analoges Gegengift zu einer zunehmend beschleunigten Welt, vielmehr suchen wir nach sinnlichen Verbindungen, die digitale und analoge Wahrnehmung zusammenführen.“

Der erste Offene Brief sowie die Antwort des Verlegers sind dieser Meldung als PDF-Dokument „Offener Brief" angehängt.


Zum Thema:

Kontakt für Interessierte an der Arbeit der offenen Gruppe: vonrosen@arch.ethz.ch

Zur geplanten Veröffentlichung „Stadthäuser“ auf www.dom-publishers.com 

Objektberichte im Baunetz Wissen:
Wohn- und Bürohaus von ludloff+ludloff
Holzhaus von Kaden Klingbeil
Wohn- und Geschäftshaus von Ebers Architekten
Wohnhaus von Deadline


Download:

Offener Brief

Kommentare

32

Keine Gruppe-nur einer | 22.11.2010 23:00 Uhr

Ach Johann

Es zeugt nicht eben von feinem Stil, mich so falsch zu zitieren, wie Sie es tun. Ich hatte auch übrigens garnicht vor, irgend jemandem einen Dienst zu erweisen. Und die schnöselige, selbstgefällige Überheblichkeit mit der hier selbsternannte "Kritiker der Kritikler" die Deutungshoheit über die Architektur, das Baugeschehen und den "Raum der Kritik" für sich beanspruchen, ist reichlich langweilig, weil auch schon hundertmal so oder ähnlich vernommen. Dieser ganze reflexhafte antibürgerliche Habitus und Pathos mit dem höchstens gescheit verpackte Binsen gleich als radikale Freigeistigkeit verkauft werden, ist doch selbst so fürchterlich bourgeois, mainstream und berechenbar öde. Dieses Denken kostet wahrlich nichts, ist genau genommen billig. Da nenne ich mich lieber ehrlich Hure und lege mich fröhlich schwitzend ins schmutzige kapitalistische vom Lügen verbogene Bett, als dass ich mir so einen glanzlosen intellektuellen Heiligenschein aufsetze (oder Keuschheitsgürtel anlege). Lassen Sie es bitte weiterhin ruhig meine Sorge sein, wann ich mich aus einer Diskussion heraushalte und wann nicht. Diese vorgeblich so tiefschürfende, Adorno-zitierende, von Frust geprägte Metakritik ist aber im Grunde so entsetzlich ermüdend, dass sie vermutlich wirklich der Mühe nicht lohnt.

31

Julian H. Berlin | 22.11.2010 16:56 Uhr

Also Leute, wozu die Aufregung?

das Haus in der Brunnenstraße sieht auf den ersten blick ganz cool aus. sozial will das EFH mit Galerie doch gar nicht sein. Aber schaut euch das ding in der AD an. Dann entscheidet, wie sozial, oder kritisch das alles ist. außen Anbiederung ans vergangene Mitte-Flair mit Schmuddeltarnung (siehe dazu Gruppe5), innen Design- und Kunst-Ekstase, grausamer Perfektionismus. Schlau und schlimm, dass diese kleinbürgerlichen "Rebellen" wie üblich das wort an sich reißen. Noch dazu wo Inhalte fehlen. stattdessen verkomplizieren sie banalitäten so sehr, dass es irgendwie interessant wirkt. und genauso schlimm: sie bestimmen das stadtbild in Mitte. Die von ihnen verdrängten kaufmännisch untalentierten Kreativen nussten sich in Neukölln oder Wedding neu einrichten. Wenn die "Rebellen" dann irgendwann nachkommen, geht die Wanderung eben weiter, bis man vielleicht ganz aus Berlin draußen ist.

30

Johann | 22.11.2010 13:02 Uhr

aha herr o. frau Keine Gruppe

schöne beiträge: „architekten sind huren“ und „architekten müssen doch irgendwie überleben.“ so schlimm stehts also. bei so viel fatalismus würde ich mich lieber raushalten aus der kritik, so wie hier schon sinnigerweise mehrfach empfohlen, denn ihre beiträge erregen vielleicht mitleid, aber sie tragen nichts zur diskussion bei,
und ob sie mit ihrer architektencharakteristik den architekten des offenen briefes einen guten dienst erweisen, glaube ich kaum, denn jetzt ist ja klar, das sie huren sind und lügen müssen, dass sich die balken biegen, um zu überleben,

29

Keine Gruppe-nur einer | 22.11.2010 11:25 Uhr

Werter PG

Ich bin sicher, Sie leisten einen wertvollen und interessanten Beitrag zur Welt, auch wenn Sie sich nicht am Baugeschehen beteiligen. Gestatten Sie mir dennoch, hin und wieder ein wenig von der kostbaren Luft zu verdrängen, über die Sie wohl lieber die alleinige intellektuelle Hoheit beanspruchen möchten. Wie gesagt: ohne das hier näher ausführen zu wollen, halte ich Ihre Aussagen für möglicherweise klug, aber dennoch belanglos, weil Sie sich nicht die Mühe gemacht, zu verstehen, was ich gesagt habe (oder sagen wollte...vermutlich lag es aber nur an meiner sprachlichen Unzulänglichkeit.) Mit der amputierten Hirnhälfte grüße ich Sie und wünsche Ihnen weiterhin alle radikale Freiheit der Welt. Hasta la victoria siempre.

28

Falken | 21.11.2010 18:16 Uhr

Psychologie

Psychologisch ist alles klar. Die „Rebellen“ haben ein Persönlichkeitsproblem. Sie wollen Leute, die so sind, wie sie selbst, nicht um sich haben. (siehe AD September 2010, Dank an Frank), also nicht zu viele gleichgesinnte Design- und Schöner-Wohnen-Fans im Wohngebiet. Wie Frank es hier schon erwähnt hat, sie brauchen ein paar arme Teufel, damit das Wohngebiet noch hip genug ist. Aber Vorsicht Leute: Sie sind als Konkurrenzwesen geschult, finden die richtigen Worte, springen auf aktuelle Trends, verhalten sich hervorragend, sind sehr diszipliniert, passen besser ins Umfeld als Ihr. Sie haben ihr Schäfchen im Trockenen, bekommen staatliche Gehälter, wohnen im Eigentum.
Die kommerzielle Zukunft gehört ihnen.
Sie sind ungefähr so rebellisch, wie die jugendlichen Gerhard Schröder und Joschka Fischer, als sie am Regierungszaun rüttelten.

27

P G | 21.11.2010 17:29 Uhr

Lieber „Keine Gruppe – nur einer“

Ich habe vorsorglich zwischen Bauen und Theorie unterschieden.
Pragmatismus im Handeln ja, im Denken hat er nichts verloren.
Was nützt Ihr Satz: „... muss man sich diese Freiheit im Denken erstmal finanziell LEISTEN können.“?
Denken kostet doch nichts.
Solche Gedanken offenbaren eine Sozialisierung, in der man verinnerlicht, das alles etwas kosten muss, das alles zu unterlassen ist, was keinen Gewinn einträgt oder Unkosten bereitet.
Eine treue und konformistische Lebensweise ist garantiert.
Allen Ursprung des Übels an Personen fest zu machen, hier Stimmann, ist ebenfalls Teil dieser Sozialisierung. Also Leute austauschen. Der oder die wird es dann schon besser machen. Das ist das verinnerlichte Denken in einer Gesellschaft, die das Individualisierungsideal feiert, zum Zwecke eines Konkurrenzsystems, indem sich alle mächtig ins Zeug legen müssen, um auf die richtige Seite, die Erfolgsseite, zu gelangen.
Wie sagte hier jemand? „Alle sind gleich, irgendwie individuell.“
Eine solche psychologisierende Sicht ist gewollt und betoniert die bestehenden Strukturen, denn sie versperrt den Blick darauf.
Darum ist diese Debatte so ärgerlich.

Na gut Architekten sind Ihrer Feststellung nach „Huren“. Wenn das so ist, dann unbedingt raus halten aus dem Raum der Kritik. Huren kann man hier nicht über den Weg trauen und sie verdrängen die Luft, die nur für Kritik zur Verfügung stehen sollte.

Weiter schreiben Sie: „Ich wüsste allerdings auch nicht, dass selbst das radikalste Nachdenken über Architektur und Stadtplanung in unserer Gesellschaft wirklich gefährlich oder mit persönlichen Nachteilen verbunden wäre.“
Ist es auch nicht. Aber es war ja die Rede, dass Kritik dort beginnt, wo das Denken über die Grenzen der Architektur hinaus geht, um sich bis zu den Ursachen vor arbeiten zu können.

Ihr Schlusswort relativiert dann das mit den "persönlichen Nachteilen" und er offenbart das ganze Dilemma: „ich rede davon, dass man auch als bauender Architekt leben und arbeiten möchte.“,´ soll heißen: Kritik nur soweit, dass sie den beruflichen Erfolg nicht schmälert, also das persönliche Nachteile" nicht entstehen können.
Da ist ein Widerspruch.
In dieser Selbstamputation kann Kritik nicht stattfinden.

26

Thomas B. | 21.11.2010 14:40 Uhr

Rebellen???

Unbedingt lesen: den Beitrag in der AD (September 2010), in der die Brunnenstraßen-Wohnung publiziert ist.
Scheint jedenfalls alles super zu laufen.
Üppiger Wohnraum für 2, beste Lage, viele Objekte ausschließlich von berühmten Designern und Künstlern, gründlichst überlegt, mühevoll gesucht und dezent verteilt. Die Wahl der Bad-Armaturen? Ebenfalls gut überlegt, denn das Baujahr des Hauses soll auf gar keinen Fall anhand der Armaturen entzifferbar sein.
Viel Gedanken um Nichts. Ein Leben wie im Zirkelkasten. Alles sehr rebellisch.
Wer in einer solchen Welt leben will, versteht wohl nicht, was Kritik wirklich ist.
Das ist wie mit der sozialen Intelligenz. Man kann sie nicht erlernen, sondern man muss sie erfahren haben, von klein an. Ein neu errichteter Studiengang in Havard soll den Teilnehmern "Soziale Intelligenz" vermitteln, natürlich mit dem Ziel, sich geschickter und erfolgreicher im bürgerlichen Leistungsystem zu benehmen.

Fragt sich nur, was das in der archplus zu suchen hatte. In der AD ist es viel besser aufgehoben.
Vielleicht doch ein Anzeichen für Kritik? Adorno hat gesagt, dass eine Diktatur erst dann wirklich kritisiert ist, wenn die Kritik von den Nutznießern selbst kommt.
Glaub aber nicht.
Nach allem was zu sehen war, ist Kritik hier eher als Marketing gedacht.

25

Keine Gruppe - nur einer | 20.11.2010 12:09 Uhr

@PG

Sie klingen wie ein frustrierter Architekt - wie einer, der vielleicht gerne gebaut hätte, aber feststellen musste, dass dies nicht geht, ohne dass man dabei manchmal bestimmte Überzeugungen hinten anstellen muss. Ihren Vorwurf, Libeskind, Eisenmann, Ortner+Ortner und vermutlich viele andere hätten ihre theoretische Arbeit nur aus PR-Gründen entwickelt, finde ich schon etwas unanständig und ehrabschneiderisch. Solch ein sturer Fundamentalismus scheint mir ganz und gar unangemessen. "Ein Missverständnis"?..."Kritik ist von Architekten nicht zu erwarten"?....Sie wollen "bauende Forschung" als Kinderkram disqualifizieren und nichts anerkennen, was Ihrer Meinung nach nicht "radikal" frei (von kapitalistischen Zwängen) ist. Das ist vielleicht Architekturtheorie und hat mit Architektur aber weniger zu tun. Man sollte das nicht verwechseln. Gäbe es niemanden, der sich in den "Niederungen" des Bauens bewegte, hätten Sie nichts, worüber Sie vermutlich auf einer halbwegs gut dotierten Uni-Stelle oder auf einem Redaktionssessel sitzend philosophieren und schreiben könnten.
P.S. Ich bin sicher, auch Sie gehen hin und wieder mal in ein städtisches Einkaufszentrum, essen dort ein Eis oder kaufen ein. Oder sind froh, wenn Sie an einer Autobahn an einem gut gestalteten Gewerbebau vorbeifahren, der nicht von der Stange kommt. Dann wird es Ihnen vermutlich egal sein, ob der Entwerfer vorher "radikal frei" war oder nicht. Den meisten Laien ist das - mit Verlaub - sowie wurscht und ein Gebäude hat keine moralische Integrität. Also kein Grund, auf diese Leistung herabzusehen und intellektuell die Nase zu rümpfen.
In dieser Diskussion schießen Sie hinsichtlich einer fairen Betrachtung so weit über´s Ziel hinaus, wie der Beitrag 15 darunter bleibt. Nur die Enden eines großen großen Spektrums. Für mich sind Ihre Ausführungen damit auch intellektuell enttäuschend, weil hier Chancen unserer Zunft in akademischen Grabenkämpfen unnötig kontraproduktiv aufgerieben und gerade im marxistischen Sinne eben nicht genutzt werden. Denken Sie an das Zitat im Treppenaufgang der HU.

24

?? aus Bayern | 19.11.2010 13:14 Uhr

an "P G"

Tut mir Leid, ich bin aus Bayern, kann ihre Schreibe nicht verstehen, ist Philosophie für mich...

Man kann die Welt auch zur Komplikation erklären, weil man selber nicht mehr klar denken kann.

23

P G | 19.11.2010 12:48 Uhr

Nachtrag

Das gab es schn öfter: Architekten motzen gegen das Establishment und schießen sich das Feld mit einer vorgeschobenen Theorie frei, um anschließend ihre Bauwerke besser ins Spiel bringen zu können.
Denken wir an Haus-Rucker- Co.
Denken wir an Libeskind: "Kein Ort an seine Stelle" oder an Eisenman : "Aura und Exzeß“.
Letztere waren banal fürchterliche Werke, allerdings mit dem Kunstgriff, dass ihr Inhalt zu rein gar nichts führen wollte.
Diese Unauflösbarkeit, gerne auch als Postmodern gekennzeichnet, hat dann Journalisten und Kritiker so beschäftigt, dass die Medien voll davon waren.
Kuratoren überschlugen sich.
Jetzt war es ein Kennzeichen von Kunst- und Architekturverstand diese Theorien in Architektur umzuwandeln.
Was dann daraus wird, weiß man heute. Vergehen ein paar Jahre, bauen diese Architekten so viel (oft auch Einkaufszentren (1)), dass keine Zeit mehr ist für Theorie-PR.
Das ganze ist also ein Missverständnis.
Kritik ist von Architekten nicht zu erwarten. Sie kümmern sich um Bauaufträge. Das ist das, was sie da tun. Und deren Auftraggeber sind mal mehr mal weniger die Ursachenvertreter des zu kritisierenden Zustandes.

((1) Ortner und Ortner haben Haus Rucker-Co. mit gegründet und viele Jahre späterAlexia in Berlin entworfen)

22

Frank | 19.11.2010 12:25 Uhr

Warum darf Architektur nicht schön sein darf, sondern nur sozial

Der offene Brief beweist - Archikturvermittlung ist eben schwierig, vorallem in einem Land, wo es keine Sprachkultur gibt, die Architektur adäquat beschreiben kann. Wir leben nun mal in einem Land, wo das Thema Ästhetik und Erscheinung nicht angesprochen werden darf, sondern verklausuliert sich hinter vordergründigen Argumenten wie "sozial" und "nachhaltig" und versteckt. Das Projekt von Brandlhuber sieht ganz schön aus, sozialer als eine Steinfassade ist es aber nicht. Hier wohnen zwei Personen recht luxuriös in einem Gebäude, das eine Galerie und ein Architekturbüro beherbergt, deren Leistungen sich kaum jemand leisten kann. Was soll daran sozial sein? Publiziert wurde die gemeinsame Wohnung schon in der AD, die sich ja bekanntlich an die Gesellschaftsschicht wendet, gegen die hier vermeindlich aufbegehrt wird. Ebenso kann man viele andere Projekte kritisch hinterfragen. Das Townhouse an sich ist eben schon ein Akt der Gentrifizierung. Aber eigentlich ist das doch nicht schlimm - eine unabhängige Kunst- und Klubszene hat sich immer die notwendigen Freiräume gesucht, warum muss es denn immer Mitte sein? Und dass Townhäuser Spass machen, wenn man selbst darin wohnt, das können die meisten Achitekten des offenen Briefs bestätigen.
Nur doof, dass so viele besser situierte Leute um einen herum leben und das ganze Flair damit verloren geht. Das ist wie, wenn man in den Urlaub fährt und sich über die Touristen beschwert. Der soziale Anspruch ist vielleicht eher in einer Sehnsucht begründet, dass man die sozial Schwachen benötigt, damit das Umfeld noch den richtigen hippness kick behält und nicht alle so sind, wie man selbst.

21

Keine Gruppe - nur einer | 19.11.2010 11:21 Uhr

Lieber PG

wie gesagt: solch hehrer Idealismus in allen Ehren,
aber als in Berlin tätiger Architekt - ob als Freiberufler oder Angestellter - muss man sich diese Freiheit im Denken erstmal finanziell LEISTEN können. Und dass wir als Architekten - das liegt in der Natur unserer Tätigkeit - in gewisser Weise Huren sind und insofern bei aller intellektuellen Radikalität im Alltag ganz pragmatisch Zugeständnisse machen müssen, um Bauen zu können, sollte eigentlich jedem klar sein. Ich kenne zum Beispiel die Kollegen von AnArchitektur, die im Gegensatz zu mir Architektur eher theoretisch untersuchen (und damit übrigens auch Geld verdienen) und die sich kaum damit rumschlagen wollen und müssen, wie man einen Gewerbebau, ein Büro- oder Wohnhaus gestalterisch ansprechend zur Ausführung bringt. Wenn es nun andere gibt, die sich in beiden Sphären bewegen wollen, die also Bauen möchten und trotzdem ihre gesellschaftspolitischen Überzeugungen und intellektuellen Fähigkeiten nicht an der Garderobe abgeben und die von Ihnen angesprochenen Themen im Rahmen ihrer tatsächlichen Möglichkeiten kritisch bearbeiten möchten, dann finde ich es letztlich reichlich unfair, wenn man nun diesen vorwirft, im Denken und Handeln zu kurz zu greifen. Sich in der Grauzone zwischen kapitalistischem Zwang/Notwenigkeiten und dem Wunsch nach dessen gelegentlicher Überwindung zu bewegen, ist schon schwer genug, als dass man sich dann auch noch von denen kleinreden lassen muss, die sich den Luxus der von den Niederungen des Alltags entrückten Theorie leisten (können).
Sie behaupten "Sich an Stimmann zu reiben ist in diesem Zusammenhang viel zu klein gedacht und lenkt nur ab." Nun, aus dem akademischen Elfenbeinturm betrachtet vielleicht. Aber wenn Sie jemals erlebt hätten, mit welcher Macht und Machtfülle Stimmann in ganz konkrete Projekte von Kollegen (und sogar in das Vertrauensverhältnis zwischen Architekt und Bauherr) eingegriffen hat, dann würden Sie vielleicht verstehen, wie wichtig dieses architektonische "Street-working", diese auch in den Medien geführte Debatte für die Gestalt unserer Umwelt ist, um gerade außerhalb der Fachwelt ein Bewusstsein für diese Vorgänge zu schaffen. Dass dabei auch Widersprüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit zutage kommen und man - wenn man so will - moralische und/oder intellektuelle Unzulänglichkeiten aufdeckt, schmälert jedoch insgesamt nicht die Bedeutung dieses Vorgangs. Ästhetische Diskussionen sind für mich z.B. keinesfalls Nebensache. Ebenso wenig sind es für mich die Fragen nach der Tragweite meines beruflichen Handelns, die ich bei jedem Projekt durchaus selbstkritisch und hin und wieder schmerzhaft hinterfrage. Nur bin ich überzeugt davon, dass sich die gebaute Welt schneller verändert, als die Strukturen, die ihr zugrunde liegen. Insofern bemühe ich mich wenigstens, meine Ausbildung und mein Talent in diesem Bau-Prozess einzusetzen, selbst wenn ich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gelegentlich gerne ändern würde. Sich als Kritiker über die "Kritiklerei" anderer aufzuschwingen, die angeblich "selbst auf niedrigstem Niveau ungefährlich ist und ohne Folgen bleiben muss", ist reichlich unredlich, wenn man an die Situation der jungen Büros in den Neunzigern denkt, die zum Teil ganz erhebliche Einbußen durch die Stimmannsche Missachtung oder direkte Behinderung hinnehmen mussten. Ich wüsste allerdings auch nicht, dass selbst das radikalste Nachdenken über Architektur und Stadtplanung in unserer Gesellschaft wirklich gefährlich oder mit persönlichen Nachteilen verbunden wäre. So ehrlich sollte man schon sein und sich hier nicht gegenüber anderen als wagemutiger und freigeistiger gerieren . Sie mögen von Theorie reden (die im Zweifel doch genauso folgenlos und ungefährlich ist) - ich rede davon, dass man auch als bauender Architekt leben und arbeiten möchte.

20

P G | 18.11.2010 18:09 Uhr

Selektives Denken

Es geht nicht um eine Kritik "ALS ARCHITEKT", sondern um eine universelle Kritik außerhalb der Eingegrenztheit eines Faches wie Architektur.
Wenn z.B. Brandlhuber und Ebers bestimmte Entwicklung in Berlin zurecht kritisieren (Ausgrenzung, Homogenisierung, Segregation, u.a.), aber gleichzeitig genau dies mit ihren Projekten schon befördert haben, ist das erst einmal ärgerlich.
Es wird aber vor allem deutlich, dass es sich hier nicht um eine universelle Kritik handelt, sondern lediglich um eine Kritiklerei in einem Maße, die selbst auf niedrigstem Niveau ungefährlich ist und ohne Folgen bleiben muss.
Wir reden hier nicht vom Bauen, wo sicherlich ein Pragmatismus von Nöten ist. Da muss man unterscheiden.
Wir reden hier von Theorie, die frei und radikal sein muss. „Denken muss gefährlich sein, sonst ist es gar kein Denken. Denken muss an Handlung, an Veränderung geknüpft sein.“

Die kritisierten städtebaulichen Entwicklungen haben vor allem nicht mit Architektur zu tun, sondern mit der gesellschaftlichen Ordnung, in der sie stattfindet.
Das selektive Denken innerhalb einzelner Fächer, hier die Architektur, geht nicht über ihre Grenzen hinaus.
Diese Art speziellen Denkens "ALS ARCHITEKT", schafft es nicht, kritisch zu sein, da bis zu den Ursachen nicht vorgedrungen wird.
Sich an Stimmann zu reiben ist in diesem Zusammenhang viel zu klein gedacht und lenkt nur ab.
Es geht darum, universell und jenseits von fachbezogenen Einschränkungen den Blick auf die Ursachen zu richten, denn alle möglichen Fächer werden von ihnen beeinflusst.
Wer profitiert von Zuständen, die von einer Mehrzahl als Missstände wahrgenommen werden? Wer profitiert von Privatisierungen? Warum existiert neben der Realwirtschaft eine Finanzwirtschaft, die zur Wertschöpfung der Gesellschaft nur Negatives beitragen kann?
Wer hat was davon, dass sich die bürgerliche Kritik in ihre Fächer selektiert hat und zur Systemkritik nicht fähig ist?
Alles Fragen, die die Architekur tangieren.
Der Einwand, da könne man „ALS ARCHITEKT" gar nichts tun, ist ein Totschlagargument, mit dem sich ziemlich alles vom Tisch fegen lässt, da man als ein Fachgebundener grundsätzlich in anderen Fächern nichts verloren hat.

Also wenigstens im Denken raus aus der Umklammerung.
Pragmatismus ist eine Sache des Handelns, nicht des Denkens.
Ästhetische Diskussionen werden da sehr nebensächlich.

19

Karl | 18.11.2010 16:23 Uhr

Kein Gruppe - nur einer|

Dein Kommentar trifft ins Schwarze. Mehr braucht man dazu nicht sagen!
Danke

18

Florian Heilmeyer | 18.11.2010 10:48 Uhr

Ergänzung

Als inhaltliche Ergänzung noch ein Interview mit Arno Brandlhuber und Jörg Ebers in der WELT:

www.welt.de/print/die_welt/kultur/article10980665/Jenseits-der-steinernen-Fassade.html

17

Kein Gruppe - nur einer | 17.11.2010 17:24 Uhr

Was Architekten alles können sollen (müssen)

"Eigentumsfrage an Grund und Boden, soziale Wohnungsbauprogramme, Flächennutzungspläne zugunsten von Wohnnutzungen, soziale Durchmischung, Obdachlosigkeit, Armut, Segregation und und und. Ansätze und Missstände gibt es in Hülle und Fülle."
Und wenn ich zwischendurch mal wirklich nichts Kritisches mehr tun mag, wenn ich die Welt neu geordnet und alle Ungerechtigkeiten beseitigt, alle meine Kinder Porsche fahren, ich sämtliche Architekturpreise bekommen, mir die Investoren ein Denkmal gesetzt und mich die Menschen, die meine Häuser bewohnen heilig gesprochen haben, dann bringe ich mir vielleicht auch noch bei, über´s Wasser zu laufen.

Leute, kommt mal auf den Teppich! In der Regel sind wir Architekten doch die letzten, die gefragt werden. Wenn etwas verlogen ist, dann diese Weltverbessererattitüde. Zu glauben, unser Berufsstand hätte die finanziellen Ressourcen und die Muße im großen Stil gegen die gesellschaftlichen Realitäten der Baubranche, Boden- und Sozialpolitik aufzubegehren oder diese gar zu ändern, der lebt im Wolkenkuckucksheim. Wer an das Tun der anderen so hehre politische Ansprüche stellt, der will diese womöglich nur scheitern sehen, um sich dann selbst angesichts des eigenen süßen Nichtstuns schadenfroh seiner vermeintlichen moralischen Überlegenheit zu versichern. Architektur und Bauen findet sicher nicht im luft- und politikleeren Raum statt. Aber in seiner Arbeit ständig "inhärent politisch" zu sein, "seine bildungsbürgerlichen von Konkurrenz- und Leistungsprinzip geprägten Gewohnheiten" abzulegen, muss man sich auch erstmal buchstäblich leisten können. (Warum ich das allerdings überhaupt tun sollte, verstehe ich tatsächlich nicht - bin ich doch stolz auf meine Bildung und habe Spaß daran, mich mit anderen zu messen...ich böser Mensch.)

Die betreffenden Kollegen müssen nicht beweisen, dass sie größere moralische Integrität, soziale oder fachliche Kompetenz haben. Es ist jedoch Ihr gutes Recht, sich nicht von einer Person vereinnahmen zu lassen, die ihnen vor Jahren noch Steine in den Weg gelegt hat.

16

Johnny | 15.11.2010 14:37 Uhr

stimmann und die parzelle

... ist natürlich blödsinn, dass stimmann die parzelle gerettet hat. was aber ja schon stimmt, ist, dass die spd-baumafia der 60er und 70er unter dem label sozialer wohnungsbau mal schön kreuzberg abgerissen hätte. und dass manch ein gegner dieser abrisse (neben hausbesetzern und bewohnern) eher teil der konservativen seite des architektenstreits war. (stimmann natürlich als senats-angestellter in 70ern wohl eher nicht). und dieser streit schon auch noch vor dem hintegrund dieser erfahrungen statt fand.

tja, und ansonsten gilt wohl, dass man sich nicht einfach distanzieren kann, wenn man als akteure schon ziemlich genau stimmanns thesen (abzüglich der architektur natürlich) entspricht, mischfinanzierung hin, restgrundstück her.

zum inhärent unpolitischen der ganzen geschichte ist auch noch der kommentar von gruppe 5 zu empfehlen.

johnny

15

Ein Laie | 15.11.2010 13:51 Uhr

Im Zweifel für Stimmann

Wenn ich mir die Bilder der Häuser - und auch das Original - der so provozierenden, mutigen und ganz-anders-sein-wollenden Architekten so ansehe, (warum fällt mir sofort rainald grebe ein, "die sehen alle gleich aus, irgendwie individuell") dann finde ich Stimmanns Raster-Häuser irgendwie freundlicher, ästhetischer, nicht so abweisend.

14

enterbter | 14.11.2010 00:45 Uhr

@stimmannserbe und andere erben

die projekte der sich wehrenden architekten leben in der mehrheit keineswegs von der "stimmannschen kleinparzellierung", diese parzellierung gab es schon lange vor stimmann.
diese grundstücke sind im gegensatz zu filetgrundstücken am friedrichswerder fast ausschließlich restgrundstücke, die keiner haben wollte.
in der von stimmann und seinen handverlesenen architekten ausgebeuteten stadt war es kaum möglich für junge architekten, an öffentliche aufträge zu kommen und das zu tun, was man als architekt tun will: bauen. architekten wie wolfram popp in der choriner straße haben vorgemacht, wie es doch gehen kann: sich private bauherren suchen, sie von den eigenen architekturvorstellungen überzeugen, mit ihnen ein grundstück kaufen und bauen.
in zeiten immer weiter eingeschränkter wettbewerbsverfahren ist das tatsächlich eine der wenigen möglichkeiten für jüngere architekten, überhaupt bauerfahrung zu sammeln. man kann das bauen schließlich - im gegensatz zu küchenmonumenten - nicht wie kunstprojekte aus fördertöpfen oder vom eigenen taschengeld finanzieren.
dass man solche bauprojekte macht, heißt nicht, dass man sich nicht für andere wohnformen interessiert - und vielleicht tatsächlich lieber sozialen wohnungsbau machen möchte statt baugruppen. aber ersterer ist ausgestorben. den heiligen architekten der moderne hat niemand ihren sozialen und politischen anspruch abgesprochen, obwohl sie selbst nicht in der gropiusstadt gewohnt haben.
last but not least @Paul Schmidt: >"vielleicht müsstet ihr die entsprechenden investoren von euren architektonischen fähigkeiten überzeugen..." die entsprechenden investoren sind ganz dicke mit den patzschke-brüdern, weil es in unserer gesellschaft keine akzeptanz für moderne architektur und keine entsprechende bildung gibt. patzschkes sind die erfolgreichsten architekten im eigentumswohnungsbau, ohne jemals eine relevante - nämlich von einer fachjury verliehene - architekturauszeichnung errungen zu haben - im gegensatz zu den unterzeichnern der "offenen briefe", die zahlreiche preise gewonnen haben. architektonische fähigkeiten sind absolut unerheblich, um investoren zu gewinnen; dafür muss man heute den massengeschmack treffen und "sicherheit" - sprich althergebrachtes - vermitteln. oder man kennt brad pitt.

13

Stadtretter | 13.11.2010 22:49 Uhr

Werdet Ihr alle von Stimman bezahlt?

Soviele Quatsch-Kommentare fast gleichen Inhalts habe ich hier noch selten lesen müssen.

Seid froh, dass sich ein paar Architekten mal trauen, das Maul aufzumachen!!

Von der anderen Sorte gibts nämlich wahrlich mehr als genug. Und zwar von denen, die sich NIE im Leben trauen würden einen (Ex-)Politiker oder Bauverwaltungsmenschen - auch noch öffentlich - zu kritisieren.

Hut ab Kollegen!

PS Ausserdem wünsche mich mir ein bisschen mehr Sachkenntnis und Fachkenntnis, bevor man hier im Forum in die Tasten haut.

Unendlicher Quatsch, wenn man Herrn Stimmann zuschreibt, dass er für die Paerzelierung verantworltlich wäre, auf denen die meisten der Beispielprojekte entstanden sind.
Warum muss man sich solche Falschbehauptungen hier durchlesen?

Ein Glück, dass Stimmann kaum noch was zu sagen hat.

12

Gruppe 5 | 13.11.2010 17:15 Uhr

Was ist an den gezeigten Gebäuden eigentlich kritisch?

Was ist an den gezeigten Gebäuden eigentlich kritisch?
Kritik erschöpft sich hier schon gleich an dem Anspruch, anders als die stimmannsche Ästhetik zu sein.
Natürlich ist die stimmannsche Rigorosität falsch, aber genauso falsch sind so peinliche Brandings wie hier z.B. die von Deadline.
Und was soll das Gerede, die Projekte sind sozial schwächeren Gruppen zugänglich. Das Projekt von Deadline, das Ebers Haus in der Auguststraße, oder die Galerie in der Brunnenstraße von Brandlhuber können hier ja nicht gemeint sein.
Welchen sozialen Anspruch hat ein Hotel in Berlin Mitte, ein Privathaus in der begehrten Auguststraße oder eine coole und sich mit Schmuddelästhetik tarnende Galerie am Rosenthaler Platz? Zu Letzterem: Armut als Marke; Kritik als Marke. Das ist verlogen und dümmlich, soll doch hier nur ein alternatives Branding Schule machen.
Und hören wir bitte auf, sich selbst findende schrecklich homogene Baugruppen als erstrebenswerte Entwicklung für Berlin zu sehen. Diese Baugruppen sind ja tatsächlich so homogen, dass die Architekten gleich mit von der Party sind. Diese Bauvorhaben vertreiben sozial schwächere Mieter ebenso, wie es Investorenprojekte tun.
Die Architektenkinder versuchen sich von ihren erfolgreichen Architekteneltern zu emanzipieren, aber nicht, um die Welt besser zu machen, sondern nur zugunsten ihres eigenen Erfolgs.
Es ist eben sehr schwierig und in der Architektur noch viel schwieriger, seine bildungsbürgerlichen von Konkurrenz- und Leistungsprinzip geprägten Gewohnheiten abzustreifen.
Was wären denn kritische Ansätze in der Architektur? Hier einige Stichworte: Eigentumsfrage an Grund und Boden, soziale Wohnungsbauprogramme, Flächennutzungspläne zugunsten von Wohnnutzungen, soziale Durchmischung, Obdachlosigkeit, Armut, Segregation und und und. Ansätze und Missstände gibt es in Hülle und Fülle. Sie lassen sich nur nicht so gut in Brandings umwandeln.
Bis bald
Gruppe 6a

11

Paul Schmidt | 12.11.2010 17:45 Uhr

Betreff

In Berlin wird ja gebaut. Vielleicht müsst ihr die entsprechenden Investoren von euren architektonischen Fähigkeiten überzeugen und euch nicht in Pseudo-Debatten verheddern.
Was wollt ihr eigentlich? Aufmerksamkeit? Oder ist das hier ne billige Marketingkampagne, dessen Sinn man nicht versteht.

10

david c. | 12.11.2010 17:30 Uhr

feiner stein

Über Geschmack lässt sich streiten, aber wenn man sich das Haus von den deadline-Architekten anschaut, fragt man sich schon, ob nicht weniger modische Spielereien und mehr kühle "Stimmann"-Steinarchitektur einem Straßenzug gut täten...

9

Baumeister | 12.11.2010 17:18 Uhr

Arme Architekten

"Architektur muss Aneignung ermöglichen ..." Zitat ebers architekten

Inwieweit ermöglicht das Gebäude in der Auguststraße mehr Aneignung als ein Townhouse auf dem Friedrichswerder? Oder wird unter Aneignung "konsumieren" im Erdgeschoßladen verstanden.
(Im Zeitraum der Eröffnung des Galeriehauses von brandlhuber kam es zur Räumung eines der letzten Freiräume in Mitte - der Brunnenstraße 183. Hierzu wäre eine Stellungnahme der kritischen Architekten mit "sozialen" Ansprüchen wünschenswert.)

"Integration von finanziell schwächeren Bevölkerungsgruppen" - Beispiele wären schön...

Die wirklichen Probleme der Stadtpolitik liegen doch woanders:
Die Liegenschaftspolitik des Senats, die Leerverkäufe von Grund + Boden und aller kommunaler Ressourcen.
Und das ist kein Berliner Problem des bösen Stimmanns, sondern ein Problem neoliberaler Kommunalpolitik.
Mit diesem Brief diskreditieren sich die Architekten in ihrer Kleinkariertheit doch nur selbst. Arme Architekten...

8

fernblau | 12.11.2010 16:53 Uhr

ach gottchen

ich finde es eher drollig, wie sich immer wieder architekten moralisch und intellektuell über herrn stimmann erheben und ihn auf selbstgerechte und unangemessen ideologische art und weise kritisieren.

sie sind es doch, die von den stimmannschen thesen (zum teil auch dogmen), vom "planwerk innenstadt" und der "kritischen rekonstruktion" profitieren und ihre mehr oder weniger gelungenen "stadthäuser" (auf ihren websites und in verkaufsbroschüren gerne auch als town houses bezeichnet) zumeist in baulücken innerstädtischer trendbezirke platzieren, die zum inbegriff der neuen berliner bürgerlichkeit und der "europäischen stadt" geworden sind.
und wer wohnt in diesen häusern? sie selbst?
ganz schön verlogen...

ihr propagierter "sozialer" und "ökologischer" wohnungsbau sieht anders aus.

7

Dr. Sander | 12.11.2010 15:55 Uhr

Leider habe ich ...

in der Tagespresse nichts von dem offenen Brief gelesen.

Es ist sooooooooooooooooooooo selten, dass sich Architekten namentlich kritisch politisch äußern. Gerade deswegen wäre es wichtig, wenn dieser Standpunkt über den "Experten"-Tellerand hinaus publik würde.

Wüsste ich nicht aus eigener Praxis wie klein der Gestaltungsraum der Architekten ist, würde ich im Übrigen der Kritik von "stimmanserbe" teilweise folgen. Ja, es ist natürlich einfach, die gezeigten Projekte an der durch den offenen Brief gesteckten Messlatte kritisch zu hinterfragen. Ansätze sind in den meisten erkennbar, die muss (leider) oft genügen. Alles andere wäre Selbstüberschätzung der Einflussmöglichkeiten des eigenen Berufsstandes.

6

Akki | 12.11.2010 14:49 Uhr

Buchprojekt

hach wie "kritisch" wir doch heute wieder sind....da lachen ja die Hühner !

So ein Blödsinn....sollen sie doch rausbleiben auf der Buchveröffentlichung.
Die Pseudorevoluzzer vergessen, dass sie von der kleinparzellierten Struktur leben ! !

Zum Glück hat der ehem. Senatsbaudirektor mehr für Berlin geleistet, als diese "Schachtelhuber" in ihrem ganzen engstirnigen klein-egozentrischen Lebenswerk zerstören können.

Schon die hier wieder mal vereinnahmte Moderne hat den Fehler gemacht, ästhetische Entscheidungen mit sozialen/politischen Gründen zu rechtfertigen, nur hatten ihre Protagonisten ästhetisch einfach wesentlich mehr Genie und Chuzpe als diese Abklatscher mit ihren hässlichen "Nachgeburten"

5

langweilig | 12.11.2010 10:50 Uhr

stimmannbashing 2.0

Die selbsternannten "kritischen" architekten wünschen sich doch nur die 90er Jahre zurück, da sie jetzt alt genug wären, selbst die innenstadt zuzubauen.

4

Jörg Pampe | 12.11.2010 10:38 Uhr

Vereinnahmung

endlich, endlich! Wehren gegen Vereinnahmung!
Das ist doch Hokuspokus was ich von DOM dazu lese. Lange genug hat dieses Schwert über unseren Zeichentischen geschwebt, so dass es jetzt noch im DOM fortgesetzt oder vereinnahmt werden sollte. Wehren wir uns.

3

stimmannserbe | 12.11.2010 10:13 Uhr

frage

Den anklagenden Architekten würde ich unterstellen, dass sie bisher im Prenzlauer Berg oder in Mitte in der Auguststraße auch keine Gebäude gebaut haben für Geringverdiener (sondern für ‚neue Stadtbürger‘).
O.K. bei manchen ist noch eine Galerie/Shop ins Erdgeschoß gezogen, aber das läuft bei mir nicht unter sozialer Mischung und einem sozialen Anspruch.
Meiner Meinung geht gerade die Parzellenstruktur, von der alle Bauten der o.g. Architeken leben, schon auf Stimmanns Stadtdebatte zurück. Und über die bin ich gesamtstädtisch eigentlich sehr froh, da sie größtenteils schlimmeres verhindert hat...
Ich unterstelle, daß der Konflikt hier eher im Ästhetischen liegt - Stein gegen Glas gegen Holz (brandlhubers Glashaus in der Brunnenstraße wurde ja als Sieg über Stimmann gefeiert). Und daß ist, Traufhöhe hin oder her, ein Streit für den sich außerhalb vom "baunetz" keiner interessiert.
(dass Haus von l+l könnte doch genauso am friedrichswerder stehen, oder?)

Mich als kritischer Architekt würde interessieren, wo jetzt die "kritische Position" der Berliner Architekturdebatte 2.0 ist? Was sind die Forderungen an eine neue Stadtpolitik? Was ist die Aussage?

2

Thomas M. Krüger | 12.11.2010 10:09 Uhr

Berliner Architekturdebatte

Die Akteure des offenen Briefes haben zur Vielfalt in der Berliner Baugeschehen beigetragen. In der wichtigen Zeit der Stadtentwicklung nach der Wende wurde die immer sehr lebendige lokale junge Architektur von der offiziellen Baupolitik eher ignoriert statt unterstützt, zu Wettbewerben nicht eingeladen und vom Baugeschehen geradezu ausgeschlossen. Verständlich dass diese Akteure mit ihren mühsam selbst geschaffenen kreativen Bauprojekten jetzt nicht vereinahmen lassen wollen.

1

Peter Eingartner | 12.11.2010 08:54 Uhr

So ein...

...dummes Zeug, diese offenen Briefe!

 
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