Am Saumarkt
Altstadthaus in Ulm von Bottega Ehrhardt
Keith Sonnier statt Schreckschussknarre: Zuvor war hier „ein gesichtsloser Nachkriegsbau mit eingeschossigem Flachdachvorbau“ (Architekten) mit einem Waffengeschäft im Erdgeschoss, nun steht an der Fischergasse 34 in Ulm ein properes Altstadthaus mit Kunstgalerie.
Das Gebäude im Fischerviertel entstand in Arbeitsgemeinschaft der Büros Bottega Ehrhardt (Stuttgart) und Hartl.Planungsgesellschaft (Ulm). Es orientiert sich mit seiner Kubatur an dem ehemals prächtigen Fachwerkhaus an der Ecke Schweinemarkt (im Volksmund: Saumarkt) und Fischergasse.
Das dreigeschossige Haus mit seinem Doppelgiebel und seiner trapezoiden Grundrissfigur erzeugt eine räumliche Platzkante zum Saumarkt hin. Die Sockelzone aus lasiertem Beton beherbergt Galerieräume, die durch großformatige, flächenbündige Fenster in Szene gesetzt werden, sowie eine Tiefparkgarage mit fünf Stellplätzen. Darüber liegen Geschosswohnungen mit raumhohen Fenstern und tief eingeschnittenen Loggien. Im Dachgeschoss befindet sich eine Maisonettewohnung, die über eine zwischen die Giebel gespannte Dachterrasse verfügt.
Die Dachdeckung aus anthrazitfarbenen, scharf geschnittenen Biberschwanzziegeln sowie eine Putzfassade mit horizontalem Besenstrich auf einem Einsteinmauerwerk verpflichten sich den Gestaltungsregeln der Altstadt und sollen gleichwohl Zeichen einer zeitgenössischen Architektursprache sein.
Fotos: David Franck, Ostfildern
Was ich anspreche - und da stimme ich uebrigens mit dem eingaenglichen Kommentar vollkommen ueberein - ist, dass sich das Haus eben doch nach den Grundzuegen von "Kubatur, Gliederung und Oberflaechen" sehr wohl am Bestand orientiert. Wenn jemand jetzt noch das (legitime) Beduerfniss hat sein Unbehagen auszudruecken, dann bekomme ich ein Problem wenn die Kritk Forderungen nach noch mehr Bestandsorientierung stellt. Wenn ich von Scheuklappen spreche bezieht sich das darauf, dass mir der Bezug auf die gesamte Bandbreite der Architektur fehlt: Es ist hier kein Blobb, kein Flachdach, kein Glasbau, etc, sondern eben ein Giebeldach mit mineralischer Fassade gebaut worden. Aber die Debatte scheint mir mehr und mehr dahin zu gehen gar nicht mehr auf das Ganze der Architektur zu schauen, sondern mit der Frage "Wie devot haetten sie es denn gern?" zu beginnen. Wie man das Gebaeude besser eingliedern koennte? Abgesehen davon, dass ich das Beduerfniss nicht habe masse ich mir nicht an in einem OnlineForum eine bessere Option als die Architekten praesentieren zu koennen.
Selbstgerechtes Kritteln von anonymen "Kollegen" gibt´s bekanntlich im Dutzend billiger. "Schickes Haus" ist zur Kategorisierung in solchem Fall kollegial, höflich und fair angesichts einer durchaus anerkennenswerten Leistung....und daher völlig ausreichend.
Wenn wir ueber solche Haeuser bereits schreiben, dass sie schlecht eingepasst sind, dann sind unsere Scheuklappen zur Blindheit zusammengezogen. Ich bekomme das Gefuehl es ist fuer manche Leute voellig irrelevant wie sehr man sich einpasst in Bestand und Umgebung, alles ausser der direkten Kopie erscheint ihnen fremd.