Artifizielle Verwerfungen
Affenhaus in Stuttgart von Hascher Jehle eingeweiht
Geschrei und Gebrüll in Stuttgart: Der zoologische Garten Wilhelma eröffnet heute das neue Gehege für afrikanische Menschenaffen – entworfen und realisiert wurde der Neubau von Hascher Jehle. Die Architekten hatten im September 2006 den Wettbewerb für das ungewöhnliche Projekt gewonnen. Die ausführenden Landschaftsplaner waren Möhrle und Partner (Stuttgart). Ab morgen wird das neue Affenhaus für Besucher zugänglich sein.
Mit dem natürlichen Lebensraum lässt sich ein Zoogehege kaum vergleichen – dennoch haben heutige Anlagen andere Standardanforderungen als die engen Käfige der historischen Tiergärten. Die neue Anlage ist mit rund 10.000 Quadratmetern etwa 14 mal so groß wie bisher; das Affenhaus wurde nach den Richtlinien des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms entwickelt. Bereits 2010 hatte der Stuttgarter Zoo außerdem die Haltung von Schimpansen zugunsten einer artgemäßen Haltung der Gorillas und Bonobos aufgegeben.
Das neue Affenhaus fügt sich mit seinen begrünten Dachflächen, die fließend in den Landschaftspark der Wilhelma und des benachbarten Rosensteinparks übergehen, stimmig in die Umgebung des Tiergartens ein. Der langgestreckte, S-förmige Neubau beherbergt zwei voneinander getrennte Gehege. Diese schieben sich scheinbar mit ihrem Rücken unter das Erdreich – mit Hilfe dieser „artifiziellen, topografischen Verwerfungen“ haben die Architekten die Außengehege zoniert. Die Gorilla- und Bonobogehege liegen sich gegenüber und sind entlang des S-förmigen Besucherweges, der die topografische Bruchkante markiert, gegeneinander verschoben.
Kante statt Zaun: Durch die Verschiebung der Baukörper können sich die Gehege über raumhohe Verglasungen zur angrenzenden Landschaft öffnen, und die Tiere sowie die Besucher haben einen direkten Bezug zum Außenraum, so die Architekten. Die Durchdringung und Überlagerung von Landschaft und Baukörper lässt eine gebaute Landschaft entstehen.
Während die hellen Innengehege mit ihren terrassierten Landschaften für die Besuchern optimale Bedingungen zur Beobachtung der Tiere liefern, bieten die Außengehege den Affen Rückzugs- und Ruhezonen. Der wertvolle Baumbestand im Gorillagehege wurde so weit wie möglich erhalten, so dass das natürliche Blätterdach den Affen Schutz vor der Sonne bietet und den Eindruck einer naturnahen Gehegegestaltung unterstützt. Die leichte Stahlnetzkonstruktion des Bonobo-Außengeheges ist mit schräggestellten Stützen, künstlichen Lianen und Schlafnestern ausgestattet – hier können die Bonobos klettern, schaukeln, sich lausen und ausruhen.
Der Bau der Anlage für Menschenaffen hat 22 Millionen Euro gekostet; Bauherr ist das Land Baden-Württemberg, die Projektleitung hatte der Landesbetrieb Vermögen und Bau, Amt Stuttgart.
Fotos: Brigida González
Wenn (wie ich schon in einem Kommentar in der STZ im Januar vermutet habe) nun die Architekten schreiben, dass Tiere und Besucher dadurch einen direkten Bezug zum Außenraum haben - muss ich als Besucher und Fotograf sagen, dass ich darauf gern verzichten würde. Mir als Besucher ist es wichtiger, Tiere gut beobachten zu können, als andere Besucher oder Pflanzen in den Scheiben reflektiert zu sehen. Im Theater wird ja auch nur die Bühne beleuchtet und nicht der Zuschauerraum.
Nur zur Information: Es gibt bestimmte Anforderungen, die gerade bei Affen sehr hoch sind. Das wird einem sehr, sehr schnell klar, wenn man sich einmal mit der Planung eines solchen Gebäudetypes auseinandersetz. Es sei an dieser Stelle nur einmal auf den Reinigungsaufwand hingewiesen. Da kann ich nur einen Tag als Angestellter (vielleicht ein Tagespraktikum), empfehlen. Ich denke dann hat sich das Thema von selbst erledigt. P.S.: Super Haus, lustige Tiere.
All die Ätz-Kommentare verlieren eins total aus den Augen: Das ist ein tolles Haus! Von der Raumwirkung bis ins Detail. Und Affen gibts auch noch zu sehen... Was wollt ihr noch?
und dazu gibt es nur zu sagen.. könnte genauso ein museum für moderne kunst sein, wie auch eine ubahn station.. beliebig.. mag ja sein, dass die affen jetzt artgerechter leben und der neu geschaffene lebensraum auch genau analysiert wurde.. davon ist auch auszugehen; dennoch ist hier von lebensraum die rede und nicht von einem arbeitsplatz für schauzwecke.. es bleibt dabei: ein "stammheim" für affen! das hat sicher nichts mit sichtbeton als material zu tun; aber wenn solches gebäude, nur weil die wegeführung schlüssig aussieht schon als gut und dem zweck angemessen gilt.. wo bleibt da die sachgerechte kritik..? @Andrea Palladio: Artgerecht mit kindgerecht in einen Topf zu werfen ist hier verfehlt...