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Wie arbeitet man im Büro von morgen?

netWORK: Collage Office

Eine Messe kann weitaus mehr als eine Messe sein

Die Orgatec ist keine Büromöbelmesse, sondern eine innovative Plattform: So kommt es, dass in Halle 5.2, bei Work by Vitra, nicht nur Bürostühle, Tische und Regale zu sehen waren, sondern auch Wandlösungen, Akustikdecken, Böden, Bäder, eine Wasserstelle und das selbstfahrende Forschungsfahrzeug von Mercedes-Benz.

Lake, Utopia, Rocket und Fiction: Jonathan Levien und Nipa Doshi mit ihrer neuen Vorhangkollection für Kvadrat, Foto: © Kvadrat

Eine Messe ist eine Messe – oder eben auch nicht. Interessanter wird es sowohl für Besucher als auch für die Aussteller, wenn man Fragestellungen und entsprechende Lösungen ganzheitlich betrachtet. Vitra hat dies mit der Gruppenausstellung WORK auf der Orgatec 2016 versucht und gleich mit der Premiere in Halle 5.2. gezeigt: Eine Messe kann weitaus mehr als eine Messe sein. Dass sich gerade das Büro dafür als spannendes Exempel erweist, zeigen allein die Fragestellungen, vor denen die Branche steht: Wie wohnlich kann und darf das Büro sein? Welche Vorteile bietet die Einzelzelle, was bedeutet Open-Space für die Mitarbeiter? Und überhaupt: Wie arbeitet man im Büro von morgen?

Um es gleich vorwegzunehmen: Eine Antwort auf all die Fragen nach der Zukunft des Büros hat auf der Orgatec niemand gefunden – weil es sie nicht gibt. Vitra skizziert vielmehr gemeinsam mit befreundeten Design-, Architektur- und Technologieunternehmen ein komplexes Bild der heutigen Arbeitswelt. Im Mittelpunkt steht das Thema „Collage Office“, ergänzt durch Produktneuheiten und Ideen von den beteiligten Partnern – mit dabei das Zürcher Start-up Archilogic, die Firmen art aqua, Artek, Bulthaup, Dinesen, Gantner, IdeaPaint, Kvadrat, Kvadrad Soft Cells, Laufen, Mercedes-Benz, Ruckstuhl, Samsung, der Schweizer Internetanbieter Swisscom und der Leuchtenhersteller Wästberg.

Dass die Frage nach einer guten und angenehmen Raumakustik viele Büromöbelhersteller zu beantworten versuchen, zeichnete sich schon auf der Orgatec 2014 ab. Akustikpaneele allein genügen nicht, um den Nachhall harter oder glatter Oberflächen wie Glas oder Beton auszugleichen: Textilien müssen im gesamten Raum bedacht werden. Die Schweizer Teppichmanufaktur Ruckstuhl stellt seit 1881 hochwertige Teppiche aus Naturfasern her, die sich heute sowohl für Wohnräume als auch für das Büro eignen – hier müssen die Böden strapazierfähig und schalldämmend sein. Ruckstuhls Wollteppich Rollerwool 700 wurde zum Beispiel in Auditorien, Büros und Unterrichtsräumen der Ecole cantonale d’art de Lausanne verlegt. Die Eigenschaften der Wolle – feuchtigkeitsausgleichend und schalldämpfend – schaffen eine angenehme Atmosphäre; der dunkle, melierte Boden gibt den Räumen Ruhe und Tiefe. Weitere wohltuende Maßnahmen gegen Lärmverschmutzung bietet der dänische Textilhersteller Kvadrat, der auf der Orgatec zum einen seine flexiblen Wand- und Deckenpaneele Soft Cells vorstellt. Durch ihr geringes Gewicht und die vereinfachte Montage lassen sich die Paneele unkompliziert in jede Umgebung integrieren, je nach Konzept können sie angepasst werden, so dass sie den Schallschutzanforderungen nach Klasse A, B oder C entsprechen. Und durch die Kooperation zwischen Kvadrat und Phillips können Soft Cells jetzt auch leuchten.

Daneben stellte Kvadrat eine neue Kollektion vier individueller Vorhangstoffe, die das Designstudio Doshi Levien entworfen hat. Lake und Utopia sind dicht gewebt und verfügen über ein dezentes, diagonales Muster, während es sich bei Rocket und Fiction um zwei gestrickte Vorhänge in einem verspielten Look handelt. Jonathan Levien und Nipa Doshi ließen sich dazu anfangs von harten und strukturierten architektonischen Oberflächen wie Beton, Glas und verwittertem Metall inspirieren, weiteten aber dann ihre Studien auf das Erstellen mehrerer neuer Oberflächenstrukturen aus, die dann in Gips gegossen wurden. Das Spiel von Licht und Schatten auf dem Relief der erzeugten Kacheln führte zu dem grafischen Muster von Utopia. Die changierenden und glänzenden Eigenschaften von gebürstetem Aluminium und Glas hingegen wurden in den feinen diagonalen Twill-Linien von Lake umgesetzt. Mit ihrer Strickbindung und dem ausgewogenen Farbschema sorgen die Vorhangstoffe Rocket und Fiction für einen innovativen Ansatz bei Textilien für den Innenbereich – auch im Büro.

Neben Textilien spielt nach wie vor auch die Begrünung der Büroarchitektur eine wichtige Rolle. Das deutsche Unternehmen art aqua hat sich dabei nicht nur auf die Installationen von grünen Wänden spezialisiert, sondern erzeugt auch mit seinen Wasserwänden Frische und eine angenehme Luftfeuchtigkeit im Büro. Das Thema Wasser greift auch der Küchenhersteller Bulthaup mit seiner minimalistischen Wasserstelle für den bulthaup campus auf, wobei diese nicht nur Durst stillt, sondern Kommunikation und Austausch im Büro fördern will: Man könnte also von einem Dorfplatz mit Brunnen fürs Büro sprechen.

Den Austausch von Ideen und die Zusammenarbeit im Team unterstützen weitere Tools: Mit IdeaPaint lassen sich glatte Wände und Oberflächen ohne großen Aufwand in ein Whiteboard verwandeln. Für Meetings oder Trainings bietet auch Samsung Electronics neue Lösungen: Mit dem Interactive Whiteboard lassen sich Meetings beispielsweise sehr viel kreativer, interaktiver und effizienter gestalten. Der Einsatz virtueller Desktops über Samsung Cloud Displays ermöglicht sehr viel freiere Arbeitsplatzkonzepte, die fest zugeteilte Schreibtische im Prinzip überflüssig machen. Jeder kann über die Cloud auf die für ihn wichtigen Programme und Dokumente zugreifen und ist nicht auf einen bestimmten Arbeitsplatz oder ein Gerät angewiesen. Oder man arbeitet gleich im „Auto der Zukunft“: Das selbstfahrende Forschungsfahrzeug F015 von Mercedes-Benz skizziert eine erste Ahnung, wie das Leben ohne Büro sein könnte – natürlich ohne dabei den nötigen Komfort aus den Augen zu verlieren.

Nach so viel Technologie will man im „Smart Workplace“ von morgen die Bodenhaftung nicht verlieren. Das dänische Familienunternehmen Dinesen präsentiert auf der Orgatec in Köln auf poetische und skulpturale Weise, dass die Herstellung seiner Dielen aus Eiche und Douglasie im Wald anfängt. Eine elf Meter lange, hundertjährige Douglasie bildet das Zentrum der Installation „Vom Wald zur Diele“, die in Zusammenarbeit mit den dänischen Designern AART entwickelt wurde. Der massive Baumstamm soll veranschaulichen, wie Dinesen jeden einzelnen Baum so effizient wie möglich nutzt: von breiten Dielen bis hin zu eleganten Einrichtungslösungen. Jedes einzelne Stück des Baumes ist wertvoll und wird respektvoll verarbeitet. „Holz ist die ideale Wahl für Arbeitsbereiche, da es unglaublich vielseitig und widerstandsfähig ist“, erklärt Thomas Dinesen. „Zudem verfügt Holz über eine unvergleichliche Haptik, die Menschen auf emotionaler Ebene anspricht und dadurch ein Gefühl von Ruhe und Gelassenheit in der Bürolandschaft verbreitet.“ Ruhe und Gelassenheit: Das sind doch zwei gute Themen für die Arbeitswelt der Zukunft.


Vom 25. bis 29. Oktober 2016 präsentiert Vitra mit Work die Zukunft der Arbeit in Halle 5.2 der Büromesse Orgatec in Köln. Work geht der Frage nach, wie dynamische Räume aussehen, die dem heutigen Verständnis von Arbeit und ihrer Bedeutung in unserem Leben und unserer Kultur gerecht werden. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Design-, Architektur- und Technologieunternehmen zeigt Work vielfältige Aspekte, die Arbeitsumgebungen von heute und morgen beeinflussen und die Produktivität verbessern.