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Hat das Büro der Zukunft immer Vorfahrt?

netWORK#02: Das fahrende Büro von Mercedes-Benz

„Die Zukunft der Arbeitswelt ist offen“, meint das Mercedes-Benz Design Team – eine Haltung, die auch erklärt, warum die Zukunftsforscher bei Daimler seit einem Jahr kein eigenes Büro mehr haben. Als Beitrag für die Orgatec 2016 präsentiert das Mercedes-Design in der Ausstellung WORK by Vitra das selbstfahrende Forschungsfahrzeug F015 – Zeit und Raum werden zum Luxus der Zukunft. Sieben Antworten auf Fragen nach dem Büro von morgen

Mercedes-Benz F015 Luxury in Motion:Vera Schmidt, Senior Manager, Advanced User Experience Design, © Daimler AG


Corporate-Office, Home-Office, Mobile-Office? Wie sehen mögliche Szenarien für das Büro der Zukunft aus?
Die Möglichkeiten für das Büro der Zukunft sind vielfältig und fast grenzenlos. Mit den Technologien für das autonome Fahren ergeben sich auch für Mercedes-Benz neue Gestaltungsspielräume. Im Auto der Zukunft ist Arbeiten ebenso möglich wie Entspannen oder gute Gespräche mit anderen Passagieren.

Auf der Orgatec präsentiert das Mercedes-Benz Design Team in der Ausstellung WORK das Forschungsfahrzeug F015. Wird das Auto zum Büro?
Mit maximalem Platzangebot und Lounge-Charakter im Interieur hebt der Mercedes-Benz F 015 „Luxury in Motion“ das Thema Komfort und Luxus auf ein neues Niveau. Der innovative Viersitzer ist Vorbote einer Mobilitätsrevolution und zeigt dies unmittelbar durch seinen futuristischen Auftritt. Dreh- und Angelpunkt des innovativen Interieur-Konzepts ist das variable Sitz-System mit vier drehbaren Lounge-Chairs, das eine Vis-à-Vis-Konstellation der Sitze ermöglicht. Damit wird eine Atmosphäre geschaffen, die auch effizientes Arbeiten während der Fahrt ermöglicht.

2030 sollen keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden. Wann geben wir das Lenkrad ab?
Schon heute können die Fahrzeuge von Mercedes-Benz viele gefährliche Situationen im Straßenverkehr erkennen und situationsgerecht darauf reagieren – etwa durch autonomes Bremsen. Und bereits heute fahren Mercedes-Benz Modelle von der C- bis zur S-Klasse teilautonom im öffentlichen Straßenverkehr: etwa mithilfe der DISTRONIC PLUS mit Lenk-Assistent und Stop&Go Pilot, der teilautonomes Staufolgefahren beherrscht. Der Aktive Park-Assistent mit PARKTRONIC ermöglicht automatisches Einparken mit aktiven Lenk- und Bremseingriffen in Längs- und Querparklücken. Dass autonomes Fahren schon heute selbst im komplexen Stadt- und Überlandverkehr möglich ist, hat Mercedes-Benz bereits im August 2013 eindrucksvoll bewiesen. Der seriennahe Mercedes-Benz S 500 INTELLIGENT DRIVE bewältigte die rund 100 Kilometer lange Route von Mannheim nach Pforzheim, die Bertha Benz 1888 als erste automobile Fernfahrt der Geschichte zurückgelegt hatte, komplett autonom.

Welche Chancen und welche Risiken liegen im autonomen Fahren?
Die Chancen sind vielfältig: Neue Technologien und Formen der Kommunikation bieten zahlreiche neue Möglichkeiten zur Interaktion zwischen Fahrzeug und Passagieren sowie zwischen dem Fahrzeug und anderen Verkehrsteilnehmern. Als Grundlage für den F 015 „Luxury in Motion“ haben die Experten von Mercedes-Benz interdisziplinär das Zukunftsszenario „Stadt der Zukunft 2030+“ entwickelt, das viele Aspekte des mobilen Lebens berücksichtigt. Die Urbanisierung ist weiter vorangeschritten, der Wunsch der Menschen nach Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten wächst. Autonomes Fahren wird selbstverständlich sein. Da es den Fahrer in Situationen entlastet, in denen Fahren wenig Spaß macht, bekommt die gewonnene Zeit im Auto eine völlig neue Qualität. Zeit und Raum werden zum Luxus der Zukunft.

Was bedeutet das für die Zukunft der Stadt?
Autonom fahrende Fahrzeuge eröffnen auch neue Möglichkeiten für die Gestaltung der urbanen Infrastruktur. So können nach dem Vorbild heutiger Umweltzonen in den Stadtzentren spezielle „Sicherheitszonen“ entstehen, in denen sich nur autonome Fahrzeuge bewegen dürfen. Stadtraum könnte durch selbstständiges Parken autonomer Fahrzeuge an der Peripherie zurückgewonnen werden. Im Shared Space der Zukunft teilen sich Mensch und Maschine die Straßen. Die „autogerechte Stadt“ wandelt sich mehr und mehr in die „menschengerechte Stadt“, ohne dass die individuelle Freiheit und die Möglichkeit das Auto zu nutzen, verloren gehen. Die Trennung von Wohn-, Erholungs- und Verkehrsflächen löst sich auf. So entsteht mehr Lebensqualität für alle Stadtbewohner.

Wo befinden sich die Schnittstellen ihrer Forschungsarbeit zur modernen Arbeitswelt?
Eine der Aufgaben im Unternehmen ist für Daimler, die Zukunft der Arbeit zu gestalten. In der Forschung ergeben sich hervorragende Möglichkeiten: nicht nur die Beobachtung neuer Arbeitsformen, sondern auch die aktive Gestaltung, und die Umsetzung von Experimenten. Beispielsweise errichtet Daimler gemeinsam mit Partnern wissenschaftlich-industriell geprägte neue Innovationsstätten wie das Startup Autobahn Projekt.

Nicht nur in der Forschung wird experimentiert, auch operative Bereiche werden untersucht. Beispielsweise arbeitet Daimler im Berliner Beta Haus in Coworking Spaces an diversen Innovationen. Dort wird der offene Austausch mit Vorreitern neuer Arbeits- und Lebensformen in Fab Labs, mit Künstlern und in diversen Netz-Konferenzen hergestellt. Für den Kontakt zur experimentellen Kunstwelt hat sich der Austausch mit Ars Electronica in Linz als besonders produktiv erwiesen. Zum offenen und vertiefenden Austausch mit Avantgarden wird eigens einen Raum in Berlin eröffnet. Zum Beispiel haben die Daimler-Zukunftsforscher seit einem Jahr kein eigenes Büro mehr.

Welche Faktoren werden die Zukunft der Arbeit Ihrer Ansicht nach entscheidend prägen?
Die Zukunft der Arbeitswelt ist offen. Es gibt keine ‚Best Practice‘, die zur Perfektionierung einlädt. Aus der Sicht von Daimler steht eine Neuerfindung der Industrie an, in der die Talente der Tech-Industrie und die der Autoindustrie zu einer neuen, dritten Form, einer ‚Auto-Tech-Industrie‘ hin entwickelt werden. Technische Hilfsmittel zur Entwicklung neuer Arbeitswelten sind Robotik, Vernetzung, Virtual und Augmented Reality sowie maschinelles Lernen. Online Learning bietet die Möglichkeit sich schnell und angenehm in ein neues Gebiet einzuarbeiten. Mobiles Arbeiten vereinfacht das Leben, Familie und Beruf müssen nicht in Konkurrenz stehen. In der aktuellen Transformation steht das Lernen aus Experimenten, Aufgaben und Menschen kreativ und flexibel neu zusammenzuführen sowie neue Technologien zu nutzen und selbst zu erfinden im Vordergrund. Talente sind sehr individuell – man muss darauf eingehen, sie entwickeln und in Netzwerken zusammenführen.


Vom 25. bis 29. Oktober 2016 präsentiert Vitra mit 
Work die Zukunft der Arbeit in Halle 5.2 der Büromesse Orgatec in Köln. Work geht der Frage nach, wie dynamische Räume aussehen, die dem heutigen Verständnis von Arbeit und ihrer Bedeutung in unserem Leben und unserer Kultur gerecht werden. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Design-, Architektur- und Technologieunternehmen zeigt Work vielfältige Aspekte, die Arbeitsumgebungen von heute und morgen beeinflussen und die Produktivität verbessern. Besuchen Sie Work by Vitra auf der Orgatec, um mehr zu erfahren.