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Wer gibt im neuen Büro den Ton an?

Wir wollen mitgestalten

Ein Gespräch mit Josef Kaiser über Werte, Chancen und die Zukunft des Büros

Vitra ist kein Büromöbelhersteller wie jeder andere, das macht auch das Konzept Work deutlich, das auf der diesjährigen Orgatec für Aufsehen sorgen wird: eine ganze Halle, ein Dutzend Partner aus verschiedenen Branchen und wie immer einige Produktneuheiten, die Maßstäbe setzen werden. Mit verantwortlich für die Ausstellungsvision ist Josef Kaiser, Chief Sales Officer von Vitra. Mit ihm sprachen wir über aktuelle Entwicklungen in der Arbeitswelt, Richtungswechsel in der Büromöbelbranche und das Hinterfragen des „Messe“-Konzepts.

Josef Kaiser, Chief Sales Officer von Vitra, Foto: Tom Ziora

Herr Kaiser, wie würden Sie die Arbeitswelt von heute beschreiben?

Sie befindet sich in einem großen Umbruch! Die Digitalisierung verändert unsere Arbeitsformen, Jobs und Rollenprofile auf radikale Art und Weise, was unsere Zeit aber auch so spannend macht. Denn es ist noch nicht klar, welche Veränderungen sich durchsetzen werden und welche auf der Strecke bleiben. Und es können jederzeit weitere Neuerungen hinzustoßen.

Wovon wird das Gesicht unserer Büros am meisten beeinflusst?

Das ist schon die Digitalisierung: Sie beschleunigt den Veränderungsdruck unserer Kunden enorm und verkürzt die Planungshorizonte von Büroumgebungen. Wenn wir früher noch für den Zeitraum von einer Dekade geplant haben, bekommen wir heute von einigen Auftraggebern einen maximalen Zeithorizont von drei Jahren und müssen zweimal pro Jahr Anpassungen vornehmen. Das führt automatisch dazu, dass Kunden einen viel größeren Fokus auf Flexibilität und die Umbaumöglichkeiten ihrer Büros richten. Ein zweiter, wichtiger Aspekt, der sich aus der Digitalisierung ableitet, ist, dass immer häufiger Arbeiten nicht von den eigenen Mitarbeitern, sondern von Freelancern durchgeführt werden. Das führt dazu, dass Arbeit nicht mehr zwingend ortsgebunden ist und die Unternehmen entsprechend flexible Raumstrukturen anbieten müssen.

Verändern diese neuen Arbeitsmodelle die Büroarchitektur?
Ja, es geht nicht mehr nur darum, einfach nur einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Viel wichtiger ist die Frage, wie ich meine Werte vermitteln kann! Und wie kann ich die unterschiedlichen Ausrichtungen meines Unternehmens darstellen. Die Firmen müssen heutzutage Erlebnisse und Anreize kreieren, damit ihre Mitarbeiter wirklich gerne ins Büro kommen. Weil technisch, theoretisch und auch praktisch kann die Arbeit in vielen Fällen auch von Zuhause aus erledigt werden.

Sieht Vitra diese Entwicklungen rein positiv?
Vielleicht hätten wir die Möglichkeit, diesen Wandel für einige Zeit auszusitzen. Das würde uns aber in naher Zukunft in eine nicht so positive Ausgangslage versetzen, denn diese Veränderungen werden ganz klar auf unsere Industrie zukommen! Wir haben uns dazu entschieden, die Umbrüche aktiv anzugehen, denn wir wollen mitgestalten.

Mit Work präsentiert Vitra auf der Orgatec eine gänzlich neue Ausstellungsform: Können Sie in wenigen Sätzen beschreiben, was die Besucher erwarten wird?
Vitra wird in diesem Jahr mit einer eigenen Messehalle auf der Orgatec vertreten sein. In der Halle 5.2 präsentieren wir mit Work innovative Konzepte rund um das Thema Arbeit. Dafür haben wir befreundete Design-, Architektur- und Technologieunternehmen eingeladen, die Messehalle mit zu gestalten. Gemeinsam mit 15 Partnern skizzieren wir mit Produkten, Raumelementen und Einrichtungskonzepten ein vielschichtiges Bild der heutigen Arbeitswelt. Im Unterschied zu konventionellen Messeformaten mit geschlossenen Ständen und eigenen Präsentationen von jedem Unternehmen, gibt Work den Besuchern die Möglichkeit einer ganzheitlichen Perspektive.

Was sind das für Partner? Und wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Vitra beobachtet ständig neue Trends, die den Markt bewegen. Und die für uns relevanten Strömungen wollen wir in Work einfließen lassen. So werden wir in die Ausstellung zum Beispiel Themen wie Mobilität, Kommunikation und Technologie integrieren und zeigen, welchen Einfluss sie auf die zukünftige Arbeitswelt haben und welche Chancen sie bieten.
Die Partnerunternehmen setzen sich wie Vitra mit dem konstanten Wandel der Arbeitswelt auseinander und thematisieren die Auswirkungen dieser Veränderungen auf unseren Arbeitsalltag. Wir konnten folgende Unternehmen für Work gewinnen: Archilogic, art aqua, Artek, bulthaup, Dinesen, Gantner, Idea Paint, Kvadrat, Kvadrat Soft Cells, Laufen, Mercedes-Benz, Ruckstuhl, Samsung, Swisscom und Wästberg.

Stellt jeder der Partner für sich aus? Oder gibt es Schnittmengen?
Wir verstehen die Halle in ihrer Struktur als „Stadt“. Sie fungiert als offener Marktplatz für alle beteiligten Unternehmen. Im Zentrum der Halle wird Vitra verschiedene Bürokonzepte des täglichen Arbeitsalltags erproben. Jeder Partner bekommt innerhalb von Work eine eigene Präsentationsfläche: Das wird sicherlich ein interessantes, facettenreiches Bild abgeben. (lacht)

Der Stand wird eine gesamte Halle einnehmen: Ist das Teil eines Plans gewesen?

Wir fragen uns immer, wie wir in unseren Auftritt, in die Marke und in unsere Botschaft investieren sollen. Wir haben mit den Verantwortlichen der Messe Orgatec sehr offene und konstruktiv-kritische Gespräche geführt und haben unsere Bedürfnisse und unsere Idee eines ganzheitlichen und inhaltsgetriebenen Auftritts dargestellt. Und zum Glück stießen wir mit unserem Anliegen auf offene Ohren und konnten die Vision genauso umsetzen, wie wir sie uns vorgestellt haben. Das ist schon toll!

Die Standkonzepte von Vitra besitzen immer einen leicht revolutionären Geist – auf gar keinen Fall entsprechen sie der Norm. Ist das Teil einer Philosophie?
Das ist schön, dass Sie das so sehen! Und ja, das ist Teil unserer Philosophie. Wenn wir eine reine Produktschau machen würden, ohne den Kontext oder die Möglichkeiten aufzuzeigen, die hinter allem stecken, würden wir viel von unserer Gesamtidee und unseren Grundsätzen verlieren. Für uns ist es wichtig, dass Vitra nicht nur mit den Produkten, sondern auch mit den Chancen, die sie bergen, assoziiert wird.

Was erhofft sich Vitra von der Ausstellung?
Wir wollen der Diskussion in der Büromöbelbranche neue Impulse geben, wobei uns eine ganzheitliche Betrachtung besonders wichtig ist. Fragen, die uns beschäftigen, sind: Was sind die Bedürfnisse der Menschen? Was ist der Zweck von Arbeit? Was sind neue Arbeitsformen und wie kann man das Thema noch ganzheitlicher betrachten? Wie kann man Aspekte wie Mobilität und Wissenschaft noch besser in die Bürowelt integrieren? Wenn wir es schaffen, dass die Leute in diese Diskussion mit uns einsteigen und unserer Botschaft folgen können, haben wir schon viel gewonnen.


Vom 25. bis 29. Oktober 2016 präsentiert Vitra mit 
Work die Zukunft der Arbeit in Halle 5.2 der Büromesse Orgatec in Köln. Work geht der Frage nach, wie dynamische Räume aussehen, die dem heutigen Verständnis von Arbeit und ihrer Bedeutung in unserem Leben und unserer Kultur gerecht werden. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Design-, Architektur- und Technologieunternehmen zeigt Work vielfältige Aspekte, die Arbeitsumgebungen von heute und morgen beeinflussen und die Produktivität verbessern. Besuchen Sie Work by Vitra auf der Orgatec, um mehr zu erfahren.