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Raumdramaturgie mit Sevil Peach: Ein Besuch im Studio Office von Vitra in Birsfelden

Wer einmal in der Basler Zentrale von Vitra zu Gast war, will das Firmengebäude am liebsten nicht mehr verlassen: Die gute Architektur Frank Gehrys gepaart mit einer familiären Arbeitsatmosphäre verleihen dem Sitz des Schweizer Möbelherstellers eine komfortable und liebenswerte Aura. Doch auf diesem Ist-Zustand ruht sich Vitra nicht aus – auch das hat Tradition und ist tief in der Philosophie des Unternehmens verwurzelt. Mit dem Studio Office von Sevil Peach wird nun ein Office-Konzept erprobt, das die Open-Space-Bewegung auf eine neue Stufe hebt.

Studio Office, Vitra Hauptsitz Birsfelden, Foto: Ariel Huber © Vitra

„Wir wollten eine neutrale Intervention kreieren, die von den Vitra-Mitarbeitern gefüllt und belebt werden kann“, erinnert sich Sevil Peach an ihre Intention bei der Gestaltung des Arbeitsplatzexperiments. Die Zusammenarbeit zwischen Vitra und Sevil Peach, der Gründerin des gleichnamigen Londoner Architektur- und Designstudios, fand vor weit mehr als 15 Jahren ihren Ursprung. Im neuen Studio Office im 1994 von Frank Gehry erbauten Vitra-Center lassen die beiden Partner nun Design- und Alltagsansprüche aufeinander treffen. „Inhaltlich spiegelt das Studio Office den kreativen Geist von Vitra wider – architektonisch funktioniert es als eine Art Scharnier innerhalb des Centers.“

Bei der Konzeption spielte neben den Ansprüchen von Vitra an das neue Arbeitsumfeld auch der Kontext eine entscheidende Rolle. „Normalerweise benötigt Open Space festes Inventar, um einen Halt zu erzeugen. In diesem Fall konnten wir darauf verzichten, da die Hülle von Frank Gehrys Architektur diese Funktion übernimmt. In diese konnten wir unsere flexiblen Elemente perfekt einfügen, ohne dass sie verloren in der Gegend herumstehen.“ Das Projekt besteht aus fünf nebeneinander liegenden Bereichen im Erdgeschoss des Firmensitzes in Basel-Birsfelden, die zusammen ein Großraumbüro für 120 Personen bilden. Die Platzvergabe erfolgt spontan und sorgt so für flexibles, non-territoriales und abwechslungsreiches Arbeitsumfeld, das jeden Tag neue oder alte Bekanntschaften hervorbringen kann.

Je nach Standpunkt verändert sich die Perspektive auf die neuen Arbeitsplätze, die mal als zusammenhängende Einheit und mal als separate Büros wahrgenommen werden können. Unterstützt wird dieser wechselnde Eindruck durch das verwendete Kado-Regalsystem aus dem Retail Bereich von Vitra. Das modulare System übernimmt im Studio Office eine ganze Reihe elementarer Funktionen: Es dient als Stauraum, Ablagefläche, Garderobe, Dekorationsfläche, Schallschutz und integrierte Arbeitsfläche. Und Peach weiß mit den Möglichkeiten umzugehen. „Für uns ist Kado viel mehr als nur ein Produkt. Dieses System sagt: ‚Ich bin eine Wand. Ich halte den Raum zusammen. Und: Ich bin auch noch transparent!’“ Tatsächlich teilt die filigrane Struktur den Bereich in eine Form loser Nachbarschaften, die Sichtkontakte und Kommunikation zwischen den einzelnen Raumabschnitten ermöglichen. Gleichzeitig kreiert sie eine Vielzahl verschiedener Orte, die nicht nur Kollaborationen sondern auch Rückzug ermöglichen.

Die Abfolge der Raumabschnitte richtet sich nach der Architektur: Die Raumdramaturgie entwickelte Sevil Peach von der Mitte des Flügels aus, die an das Atrium und den Eingangsbereich des Gebäudes angeschlossen und dadurch mit einer hohen Besucherfrequenz und dem daraus resultierenden Lärmpegel konfrontiert ist. Daher positionierte sie im Zentrum des Studio Office eine Gemeinschaftsfläche mit Bibliothek, kleiner Küche und einem großen, amorphen Arbeits- und Meeting-Tisch. Dieser wurde von der Londoner Architektin selbst gestaltet und ist ihr Lieblingsort im Studio Office. Rund um den Tisch sind eine Reihe lärmabsorbierender Boxen angeordnet, die als Rückzugsort und Besprechungsräume funktionieren. Rechts und links des gemeinschaftlichen Bereichs schließen sich die Team- und Einzelarbeitsbereiche an, in denen sich eine spannende Collage aus den Möbelkollektionen von Vitra und Artek befindet: von Konstantin Grcics Bürostuhl Allstar sowie seinem Tischsystem Hack über Antonio Citterios Suita Sofa und den Alcove Plume Sofas der Brüder Bouroullec bis hin zu den Klassikern von Alvar Aalto. Mit dem Studio Office zeigt Vitra am eigenen Leib und in der für das Unternehmen so typischen Collage-Technik, wie eine dynamische Bürowelt von heute aussehen kann, damit sie einem zeitgemäßen Verständnis unserer Arbeitswelt gerecht wird.


Vom 25. bis 29. Oktober 2016 präsentiert Vitra mit Work die Zukunft der Arbeit in Halle 5.2 der Büromesse Orgatec in Köln. Work geht der Frage nach, wie dynamische Räume aussehen, die dem heutigen Verständnis von Arbeit und ihrer Bedeutung in unserem Leben und unserer Kultur gerecht werden. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Design-, Architektur- und Technologieunternehmen zeigt Work vielfältige Aspekte, die Arbeitsumgebungen von heute und morgen beeinflussen und die Produktivität verbessern. Besuchen Sie Work by Vitra auf der Orgatec, um mehr zu erfahren.