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Fassadenbekleidung von Rheinzink für ein historisches Turiner Geschäftshaus

Freie Hand hatte der Verarbeiter bei der Fassadengestaltung des Casa Hollywood. Einzige Vorgabe des Architekten: Die Fassadenbekleidung des in Turin stehenden Gebäudes sollte durch unregelmäßige Formen und Abmessungen eine ungleichmäßige Struktur aufweisen.
 
Am Rande der historischen Altstadt von Turin – mit traumhaftem Blick auf die Giardini Reali, die Königlichen Gärten, und den Palazzo Reale, den Königlichen Palast – steht das Casa Hollywood. Es ist ein ungewöhnliches Gebäude mit einer ungewöhnlichen Geschichte und einer ungewöhnlichen Architektur. Im 19. Jahrhundert an einer der geschäftigsten Straßen Turins errichtet, beherbergte es erst viele Jahrzehnte lang ein kleines, sehr angesehenes Theater mit dem großen Namen Hollywood und später ein Kino. Nach dessen Schließung hauchte ein Projektentwickler zusammen mit dem Turiner Architekturbüro Luciano Pia dem Gebäude mit einem ambitionierten Konzept neues, zukunftweisendes Leben ein. Heute sind dort, wo sich früher Bühne, Saal und Probenräume befanden, Geschäfte und Appartements. Eine Reminiszenz an das einstige Theater findet sich im Erdgeschoss. Hier haben die Planer einen offenen Innenhof angelegt, der mit seiner Gliederung und Gestaltung an die Geschichte des Hauses erinnert.
 
Offen im Süden, geheimnisvoll im Norden
Städtebaulicher Blickfang des Casa Hollywood ist der siebengeschossige Neubau, der direkt an den Altbau anschließt. Er öffnet sich im Süden zur Turiner Altstadt mit einer gläsernen Doppelfassade. Sie fängt das Sonnenlicht ein und sorgt gleichzeitig durch entsprechende Belüftung und Beschattungselemente dafür, dass der Straßenlärm und im Sommer die Wärme nicht in die Innenräume gelangen. Auf der Nordseite zeigt sich der Neubau eher verschlossen. Hier ging es darum, das Gebäude vor Wärmeverlusten zu schützen und ihm gleichzeitig ein unverwechselbares Erscheinungsbild zu verleihen. Für die Gestaltung der Fassade hatte der Architekt die Vision eines Spinnennetzes, das sich über das Gebäude legt. Deshalb formten sie die Fassade so, dass ein unregelmäßiger Mix aus geschlossenen und offenen Elementen entstehen konnte. Es gibt nichts Regelmäßiges, nichts Gleichmäßiges. Die Fensterlaibungen sind rechteckig, gleichmäßig, unregelmäßig, abgerundet, groß, schmal, schräg – wie aus einem Spinnennetz herausgeschnitten. Auch bei noch so intensivem Betrachten findet das Auge nichts Regelmäßiges – sieht man von dem Konzept der „Unregelmäßigkeit“ ab. Hinzu kommt: Die oberen Geschosse sind leicht abgerundet und ziehen sich wie eine Kuppel zurück. Von unten nahezu unsichtbar ist der obere Abschluss – ein mehrgeschossiges Penthouse mit einer beeindruckend großen Dachterrasse und ausladenden Balkonen, auf denen alte Obstbaumsorten wachsen und im Rahmen des Turiner Projekts „Urbees“ Bienenstöcke aufgestellt wurden.
 
Für die Bekleidung von Nordfassade und Penthouse kam für die Architekten nur Titanzink von der RHEINZINK GmbH & Co. KG, Datteln, in Frage. Entscheidende Kriterien waren neben der Flexibilität bei der Formgebung insbesondere die positiven Eigenschaften des Titanzinks. Dazu zählten die Umweltfreundlichkeit, die Langlebigkeit und natürlich die Wartungsfreiheit. Produktdeklarationen und Zertifikate von unabhängigen Instituten belegen die Nachhaltigkeit des Materials. So wurden RHEINZINK Tafeln und Bänder von der British Building Research Establishment Ltd. (BRE Global) als umweltverträgliches Bauprodukt zertifiziert. Außerdem erfüllen alle Dach- und Fassadenprodukte von RHEINZINK die Kriterien des „Cradle to Cradle“-Konzepts. Cradle-to-Cradle (C2C) bedeutet sinngemäß „von der Wiege zur Wiege“. Ziel ist, dass bei der Herstellung von Produkten kein Abfall entsteht bzw. dieser recycelt wird, keine negativen Einflüsse auf die Umwelt wirken und die eingesetzten Materialien wieder verwendet werden können. Downcycling, also die niedrigere Verwertung von recyceltem Material, und Müll gibt es Sinne von C2C nicht.
 
Titanzink von RHEINZINK ist über seine gesamte Lebensdauer wartungsfrei, weil es natürlich bewittert und dabei eine schützende Patina entwickelt. Diese Schutzschicht bildet sich durch Regenwasser und das Kohlendioxid in der Luft von selbst und entsteht auch nach Beschädigungen immer wieder neu. Weil dieser Prozess von Regenhäufigkeit, Himmelrichtung und Dachneigung beeinflusst wird, kann er ungleichmäßig verlaufen. In dieser Phase können Lichtreflexe ein unruhiges Aussehen hervorrufen, was manche Bauherren und Architekten als störend empfinden. Aus diesem Grund hat RHEINZINK ein spezielles Beizverfahren entwickelt, durch das das Titanzink den Farbton erhält, den es durch die natürliche Bewitterung ohnehin erhalten würde. Die Fähigkeit, die schützende Patina zu bilden, bleibt dabei vollständig erhalten. Drei Oberflächenqualitäten liefert der Hersteller: prePATINA walzblank, prePATINA blaugrau und prePATINA schiefergrau. Weiterhin bietet das Unternehmen farbige Beschichtungen auf PVDF-Basis an sowie die zusätzliche Ausstattung mit einer transparenten Schutzschicht, die auch widrigsten Umwelteinflüssen widersteht.
 
Anpassung in mobiler Werkstatt
Um ihre Idee mit dem Spinnennetz und den vielförmigen und unregelmäßigen Formen und Fensterlaibungen in natura zu testen, baten die Architekten um ein rund 4 m großes Fassadenmuster. Basierend auf den damit gemachten, positiven Erfahrungen entschieden sie sich für die Umsetzung mit dem Großrautensystem, das durch den variablen Falzversatz nahezu unbegrenzte Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet. Bei den Oberflächenqualitäten entschieden sich Bauherr und Planer für den Farbton prePATINA blaugrau. Das Titanzink wurde in Coils geliefert und in der Werkstatt des Verarbeiters vorbereitet. Die exakte Anpassung der Großrauten erfolgte jedoch am Gebäude direkt sowie in einer kleinen, vor Ort errichteten Werkstatt, die von Stockwerk zu Stockwerk mitwanderte. Die Formen wählten die Anwender vor Ort aus, denn es gab keinerlei Vorgaben von den Architekten. Befestigt wurden die Großrauten mit Rautenhaften auf vorgehängten Unterkonstruktionen mit geometrieformenden Holz- bzw. OSB-Platten.
 
Rund 1200 m² Fassaden wurden auf diese Weise bekleidet bzw. 8 t umweltfreundliches Titanzink verarbeitet. Das Gebäude selbst zeichnet sich durch Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit aus: Zusammen mit der hochwärmegedämmten Nordfassade, der kontrollierten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, der Solarthermieanlage für die Warmwassererzeugung sowie der Regenwassernutzung für die begrünten Terrassen hat das Casa Hollywood einen durchschnittlichen Energiebedarf von weniger als 30 kWh/m²a. Von den Einsatzmöglichkeiten des Großrautensystems, den handwerklichen Fähigkeiten sowie dem traumhaften Ausblick auf Turin kann man sich jederzeit vor Ort selbst überzeugen: In den oberen Geschossen des Casa Hollywood befinden sich Suiten des Turiner Boston Art Hotels.
 
Daten
Bauherr:
De-Ga S.p.A., Turin (Italien)
Architekt:
Arch. Luciano Pia, Turin (Italien)
Ausführung der Rheinzink-Arbeiten:
Gigante Giovanni, Turin (Italien)

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