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Auftritt: Leporella, die Faltwerktreppe aus purem unbehandelten Stahl

1. Zurück in die Zukunft
Eine neue Treppe pimpt ein altes Haus auf und unterstreicht den Charme seiner Geschichte
Diese Treppe war nicht nur alt, sondern sehr alt. Genau wie das Haus um sie herum: Baujahr 1871. In diesem Jahr wurde einst das Deutsche Kaiserreich gegründet. Das muss man sich mal vorstellen: Ein Haus als Zeuge deutscher Geschichte. Mit satten 146 Jahren auf dem „Buckel“ hat das Gemäuer im historischen Stadtteil von Fürth demnach nicht nur Bismarck überlebt, sondern auch zwei Weltkriege. Und dabei als Wohnhaus unzähligen Menschen ein Zuhause gegeben, vielleicht sogar Zuflucht. Klar, dass die Familie Fuchs den Charme und die Geschichte Ihres Domizils erhalten wollte. Und gemeinsam mit ihrem kleinen Baby großen Mut bewies zur nachhaltigen Sanierung. Und noch mehr Vorstellungskraft. Und eine Treppe, die alle vier Ebenen verbindet.

Licht ins Dunkel
Nicht nur um die Bausubstanz zu erhalten, sondern vor allem um die dicht gebauten Räume zeitgemäß aufzulockern, musste das Haus im Zuge der rund einjährigen Sanierung zunächst großzügig entkernt werden. Dies, obwohl insbesondere die tragenden Wände und Balken noch so gut erhalten waren, dass sie lediglich optisch saniert wurden – mit einem neuen Anstrich. Auch die alten Fenster konnten wiederverwendet werden. Dank der weiß gestrichenen Wände und Decken wirken die Räume nun viel heller und größer – und bilden eine wunderbare Kulisse für das Treppenkunstwerk aus Stahl.
 
Schön schief
2 Tage hat es gedauert um unser Handwerk zu vollenden und die Faltwerktreppe Leporella ¼ gewendelt mit mitlaufendem Geländer zu montieren. Eigentlich unser tägliches Tun. Nur hier nicht, entlang der schiefen Wände und unter Berücksichtigung der schiefen Decken. Die Zeit hat sichtbare Spuren hinterlassen und uns eine rechnerische Herausforderung. Bevor wir das Aufmaß der Treppe exakt berechnen konnten, mussten wir das Konstrukt Treppe an sich neu denken. Damit aus einer schiefen Vorlage ein funktional sicheres Stufenwerk entsteht. Und ja: Gut aussehen sollte sie auch noch. Klar. Die Optik. Die Ästhetik. Die war bei einer Treppe damals nicht so bedeutend wie heute. Weil eine Treppe heute so viel mehr kann als Menschen zu begleiten, nach oben und unten.
 
Und wie sie es kann. Zweimal. Einmal im unteren Bereich mit einer Treppenlänge von 2,8 Metern, einem Auftritt von 21,5 cm und einer Laufbreite von 80 cm. Ein weiteres Mal im oberen Bereich. Hier schmiegt sie sich mit einer Breite von 106,2 cm auf einer Länge von etwas über 3 Metern hinauf in ins Dachgeschoss. Hin zu einer atemberaubenden Aussicht über die Dächer von Fürth.
 
Kontrastreich mit besten Aussichten
Nicht weniger Wow ist die Optik der Treppe heute im Gesamtbild des Interior Designs. Einem gekonnten Spiel der Kontraste. Luftig. Leicht. Mit lebendigen Zitaten an das Damals. Hierfür wurden das Mauerwerk in strahlendem Weiß akzentuiert und die Balken aus Holz dunkel lasiert. Und die Treppe? Zickzackt sich in zart lackiertem Grau leise zwischen den Balken hinauf und wieder hinunter. Man muss nicht nur zweimal hinsehen, um sie in ihrer Leichtigkeit zu erkennen. Man will.
 
2. Loveley Leporella
Das Making-of der Treppe. Eine Umbaustory der Galerie Voigt.
Ja. Es ist Kunst. Die Kunst des Handwerks. Die kommt zuerst, bevor man wieder ausgewählte Exponate und Schmuckstücke bewundern darf: nach dem Umbau der Galerie Voigt im Herzen der Nürnberger Altstadt. Und weil man das Fundament aus Stein und Statik sonst nicht sieht, wagen wir den Blick hinter die Kulissen der Baustelle, zeigen die blanke Wahrheit. Und ja: Genauso sieht’s aus, wenn aus einer Idee ein Raum für Kunst und Schönes entsteht. Denn um der Galerie für zeitgenössische Kunst und modernen Schmuckmit Kunsthandel ein völlig neues Look and Feel zu verleihen, geht es an die Substanz: der Wände, des Bodens, des Raumes. Im Zentrum der neuen Raumkonzeption: eine freischwebende Treppe. Aus Heavy Metal. Doch bis es soweit ist: geht’s ans Eingemachte. In jeder Hinsicht.
 
3 ½ Monate – bauen im Namen der Kunst
Im Januar 2017 konnte es endlich losgehen: Alles musste raus. Und noch mehr. Denn für die neue Treppe wurde ein tiefes Loch gegraben. Natürlich alles unter Berücksichtigung der Vorgaben des Denkmalschutzes. Denn die renommierte Galerie befindet sich nicht nur in Top-Lage in der Nürnberger Fußgängerzone, sondern in einem Bauwerk aus dem Jahre 1948.
Und jetzt? Darf schon bald Eröffnung gefeiert werden. Geplant ist Mitte April. Bis dahin steht sie, oder besser: schwebt sie: Die freitragende spitzbart-Treppe, Modell Faltwerktreppe Leporella. Das Material: purer unbehandelter Stahl. Das Gewicht: 1790 kg. Die Wirkung: raw and wow. Ein gezielt gesetzter Kontrapunkt zu den Exponaten. Eine Raumskulptur. Ursprünglich in Szene gesetzt. Als funktionales Kunstwerk. Mit geländerhoher Wange, natürlich aus Stahlblech. Geheimnisvoll und  ästhetisch. Ein Schmuckstück und ein Statement für das, wofür die Galerie Voigt steht: die anspruchsvolle Verbindung von Tradition und Moderne.

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