Wohnen ohne Landschaft
Platz 1

Amel Messadi, Fachhochschule Düsseldorf
Die Aufgabe

Entwicklung einer Baustruktur des Wohnens, die ohne Außenbezug auskommen und an wenig attraktiven Orten eingesetzt werden können.
Unter Betrachtung folgender Aspekte:

1. Hohe Dichte.
2. Jeder Wohnung ein vom Nachbarn nicht einsehbaren zum Himmel offenen
Außenraum.


Der Begriff

Das Wohnen ist der Locus, der Ort. Dieser hat mehrere etymologische Bedeutungen:

1. Der Uterus, die Matrix, der Ort an dem alles anfängt.
2. Das Bett, das Nest, die Höhle, ein Zuflucht-/Rückzugsort, an dem Kraft geschöpft wird.
3. Die Grabstätte, Ort der Ruhe.

Das Wohnen beinhaltet die notwendigen introvertierten Orte in intimen Momenten.


Über die Sprache zum Konzept

Ausgehend vom oben definierten Begriff des Wohnens, einen umhüllten Ort, wird
dieser im Extrem als fensterloser Raum auftreten, dieser wird im Französischen als „architecture aveugle“ bezeichnet, buchstäblich „blinde Architektur“
Die Braille Schrift soll diese Architektur lesbar und sichtbar machen.

Die Blindenschrift ist Ausgangspunkt meines Entwurfes.

Aus den Schriftzeichen des 6-Punkte Systems sind Wohnmodule entstanden, mit unterschiedliche Wohntypologien: Reihenhaus, Maisonette, Mehrzimmerwohnungen verschiedener Größen, zwischen 33m² und 212m², für verschiedene soziale Gruppen, so dass eine gemischte Wohnstruktur entstehen kann.

Jedem Typus ist mindestens ein zum Himmel offenen Hof zugeordnet. Eine gute Luftzirkulation so wie eine gute Belichtung hatte die Terrassierung zur Folge.

Die Module lassen verschiedene Konstellationen zu, dadurch sind sie ortsunabhängig, und können sich diesen, durch ihre Kombination, anpassen.
Durch das Zusammenstellen der einzelnen Typen zu einer Zeile, Braille Schrift Zeile, wird sowohl die höchste Dichte erreicht, als auch die bestmögliche Belichtung.

Blindheit ist nicht gleich vollkommene Dunkelheit, sondern kann Verschleierung sein.
Der Schleier kommt in der arabischen Architektur vor, die „Mushrabiya“, ein sich im Obergeschoß befindlichen Erker aus geschnitzten Holz.
Solch ein Schleier soll die Höfe umschließen, diese sollen trotz ihrer Geschlossenheit eine Leichtigkeit ausstrahlen, die nicht sichtbar für den Außenstehenden ist.
Der Hof als Innen-, Außen- und Freiraum. Ein Energiepunkt, in dem Licht ein- und ausstrahlt. Über die dienende Funktion als Lichthof, ist die Idee diese an der Hülle weiterzuführen, durch ihre Materialisierung. Die Wände aus farbigen Solarzellen, die sich zum Himmel hin auflösen.


Die Implantation

Verschiedene städtebauliche Situationen sind vorstellbar:

1. Den Zwischenraum ausfüllen.
2. Den Straßenraum überbrücken.
3. Entstehung einer geschlossenen Landschaft durch Verdoppelung.
3. Reihung der Zeile.
4. Spaltung… .


Den Zwischenraum ausfüllen

Das ausgewählte Grundstück ist die Düsseldorfer Glashütte, zwischen den Brach
stehenden Industriebauten. Die Gesamte Wohnzeile ist aufgestützt, aufgrund
möglicher Altlasten. Dort finden sich Parkmöglichkeiten (112 Parkplätze).

An der Nordseite findet die Erschließung über Laubengänge statt:

Diagonal – Treppen
Vertikal – Aufzüge
Horizontal – Plätze – öffentlich
Horizontal – interne Strasse – halb Privat
Horizontal – Stege – private Durchgang, wie ein Abstandsstreifen, um die Intimität zu waren/sichern.

Der Erschließungstrakt ist als Gerüst zu sehen, mit einer temporären Möglichkeit der räumlichen Erweiterung:
1. Vergrößerung der internen Strasse als Gemeinschaftsfläche.
2. in Form von mietbare Lagerflächen, in Form von Boxen.
3. Ausstellungsfläche.

Dienstleistungen, wie Lebensmittel, Mode Atelier, Apotheke, Tanzschule, Bibliothek, Galerie, Pianobar, werden an drei Punkten der Zeile angeboten, um Autarkie zu gewährleisten.
Für Besucher auch nutzbar, wie leicht auffindbar, sie befinden sich an den Aufzugsbereichen, durch öffentliche, schwebende Plätze hervorgehoben.

Durch die klare funktionale Trennung wird die Intimität des Wohnraums der 54 Wohneinheiten geschützt.

Campus Masters Wettbewerb


1, 2009

Facts

Hochschule:
Fachhochschule Düsseldorf

Lehrstuhl:
Professor Peter Degen

Präsentation:
9.07.2008

Rubrik:
Städtebau

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