Sihltreppen

Ein Flusspark in Zürich

Enzo Valerio, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich
Wo ein Fluss traditionell eine Trennung des städtischen Gewebes darstellt, scheint die Sihl in der Stadt Zürich das Gegenteil zu sein. Versteckt zwischen und unter Infrastrukturbauten, ist die Sihl eine fast vergessene, überwachsene Ebene unterhalb des Strassenniveaus von Zürich.

Die Sihl, welche von Drusberg in Kanton Schwyz 70 Kilometer durch das Sihltal fliesst und mitten in Zürich in die Limmat mündet, spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte von Zürich. Die Stadt wurde auf das Sihldelta gebaut, war aber von Anfang an gegen die Limmat hin gerichtet, bis schliesslich die Stadt so gross geworden war, dass die Sihl überbrückt worden und die Stadt an ihrem Westufer weiterwachsen musste. Seitdem sind über die städtische Sihl (der Abschnitt von Brunau bis Letten) immer mehr Brücken gebaut. Heute verschwindet fast 40 Prozent des Flusses unter den 15 Brücken, wovon die Sihlhochstrasse alleine 1.5 Kilometer des Flusses überdeckt.

Mit dem Bau des Sihlsee Staudamms hat das Überflutungsrisko der Sihl bereits stark abgenommen weil aber eventuelle Überflutungen noch immer grosse Risiken mitbringen für Firmen wie die SBB, sind weitere Pläne in Arbeit , um die Wasserhöhe der Sihl noch besser kontrollieren zu können. Damit bleibt ein öffentlicher Raum der ursprünglich für den Überschwemmungsfall entworfen worden: von der Brunaubrücke bis zum Platzspitz fliesst die Sihl in einem 5 Meter hohen und 30 Meter breiten Trapezprofil mit seitlicher Steinpflasterung. Heute bilden die gänzlich überwachsenen Steinwände eine ganz spezielle Atmosphäre: Einerseits bilden sie, zusammen mit trocken gelegten Landstücken einen kontinuierlichen Raum auf Höhe des (niedrigen) Wassers, anderseits sind sie eine Barriere zwischen Stadt und Fluss.

Das Projekt versucht eine Verbindung zu schaffen zwischen Stadt- und Sihlraum. Der 5 Meter niedriger gelegene Sihlraum wird mit Hilfe einer Serie von Treppen mit der Stadtebene verbunden. Die Sihl wird so an die angrenzende öffentlichen Räume angebunden und mit der Stadtebene vernetzt.

Die öffentlichen Räume können so als einen linearen Park wahrgenommen werden, in dem man von der Allmend bis zum Hauptbahnhof auf der Höhe vom Fluss laufen kann. Noch wichtiger ist aber die laterale Vernetzung, welche der umliegenden Stadt einen direkten Zugang zum Fluss bietet und die bestehenden öffentlichen Räume durch die Anbindung ans Wasser aufwertet.

Die typische Atmosphäre des Sihlraums bleibt bestehen und wird durch den Niveauwechsel der Treppen wahrgenommen. Die Treppen, als Übergang vom Stadtraum zum Sihlraum, werden entsprechend materialisiert: Die Körnung der Materialien vergrössert sich nach unten und die Materialwahl wird robuster, so scheinen die Treppen manchmal aus dem Flussbett oder der Boeschung raus zu wachsen. Die Treppen sind so entworfen, dass sie nicht als Addition gelesen werden, sondern als Teil des Ganzen. Man hat das Gefühl, sie waren schon immer da und sind Teil des Flussprofils.

Campus Masters Wettbewerb


Juli / August 2014

Facts

Hochschule:
Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

Lehrstuhl:
Miroslav Sik

Präsentation:
2014-05-08



Abschluss:
Diplom

Rubrik:
Städtebau

Software:
Autocad, Rhino, Cinema 4d, Adobe

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