Lapidarium Am Grünen Gitter

Potsdam

Philipp Heidan, Technische Universität Dresden
Die Stadt ist geprägt von seiner Rolle als ehemalige Residenzstadt preußischer Könige mit seinen Schloss- und Parkanlagen. In der Hauptverantwortung dieser Entwicklung lag Kurfürst Friedrich Wilhelm, der die Basis schaffte, auf der Friedrich Wilhelm I. und ins besondere Friedrich der Große das Potsdam errichten ließen, welches wir heute vorfinden. Mit dem Bau des kleinen Sommerschlosses Sanssouci begann 1745 der umfangreiche Ausbau der wohl bekanntesten Parkanlage Potsdams. Dem Park Sanssouci. Friedrich II. ließ einen Weinberg kultivieren, auf welchem sein Schloss nach eigenen Skizzen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff errichtet wurde. In dessen Folge wurde der Park unter anderem von Peter Joseph Lenné und Hermann Sello gestaltet und durch Gebäude von von Karl Friedrich Schinkel, Ludwig Persius u.a. bereichert. Es entstanden die Neuen Kammern, die Bildergalerie, die Orangerie, das Neue Palais, Bedienstetenhäuser und zahlreiche andere Bauten und Pavillons, die ein Ensemble höchster gestalterischer Vielfalt und Baustile bilden. 1873 wurde das Schloss von Wilhelm I. musealen Zwecken zur Verfügung gestellt. Seit dem hat der Park keine bedeutsamen Erweiterungen erfahren und wird stetig in den Ursprungszustand nach Friedrich dem Großen zurückgeführt.

Das große Grundstück der ehemaligen Melonerie befindet sich südlich der Gartendirektion in der dienenden Schicht zwischen der Brandenburger Vorstadt und der Parkanlage Sanssouci. Es steht gewissermaßen aus allen Blickwinkeln betrachtet in zweiter Reihe. Im Osten trennt es eine alte Backsteinmauer zum Grünen Gitter hin ab, nach Norden die bewohnten Gärtnerhäuser und nach Westen eine Kleingartensiedlung.

Inmitten dieses historisch aufgeladenen Kontextes gilt es ein Lapidarium zu entwerfen, welches den Erhalt und die Pflege der mehr als 4000 sich im Park befindenden Statuen und anderer architektonischer Artefakte gewährleistet. Ebenso soll der Öffentlichkeit ein besonderer Einblick auf das Erbe preußischer Schlösser und Parkanlagen gewährt werden.
Entscheidend für den Entwurf eines Lapidariums ist seine Definition. Da es keine Typologie gibt, welche für seine Gestalt formal und funktional verbindlich ist, ist das Verständnis dessen, was in dieser Einrichtung geschieht und wo es sich verortet von enormer Wichtigkeit. Seine Architektursprache ist demnach die Summe einzelner, aufeinander aufbauender Entscheidungen, Einflüsse und der Haltung zum seinem Kontext.

Ein Lapidarium ist eine wetterfeste Überdachung für Steine, Skulpturen und architektonische Artefakte, welche das Überdauern der Zeit ohne Schaden zu nehmen ermöglicht. Ergo ein Dach, unter dem Geschichte gelagert wird. Dabei blitzt das Bild temporärer Stahlgerüste auf, welche für begrenzte Zeit die zu bearbeitenden Werkstücke schützen. Der „Urtyp“ des Lapidariums.
Dem Grundbedürfnis nach Schutz geht dieses Projekt in erster Linie nach und versteht sich konzeptionell als raumhaltiges Dach, unter welchem die dauerhafte Lagerung genannter Objekte vorgesehen ist. Mit der enormen Anzahl an Skulpturen, die den Park schmücken, hat das Lapidarium mit der Restauration von Skulpturen und dem Herstellen von Kopien eine der wichtigsten Aufgaben für den Erhalt des Parks. Das Projekt generiert einen Ort, der sich weder als Parkerweiterung versteht, noch als potentieller Südeingang des Parks, sondern sich abgesetzt vom diesem und der Stadt in zweiter Reihe positioniert und Einblicke hinter die Kulissen der Parkmaschinerie bietet.

Die inhaltliche Zugehörigkeit zum Park Sanssouci verlangt definitiv nach einer Adresse Am Grünen Gitter für die Öffentlichkeit, welche sich etwas nach Norden von der Achse absetzt. Weiter bedarf es einen Anschluss an die Stadt für Mitarbeiter und Anlieferungen und eine versorgende Verbindung zum Park.
Der Entwurf generiert eine stützenfreie überdachte Fläche, unter der die zu lagernden Objekte vor der Witterung geschützt sind und für den Besucher - auf zwei Ebenen - auf Augenhöhe erfahrbar sind. Das Dach ist als stählernes Raumtragwerk konzipiert, um eine zweite Ebene über dieser Lagerfläche zu schaffen, welche sowohl als Ausstellungsfläche für besondere Stücke, als auch - und insbesondere - als Belvedere fungiert und neue Blickbeziehungen zum Park und in sich generiert. Mit dieser Erscheinung lehnt es sich an den erwähnten Urtyp des Lapidariums an und denkt ihn als dauerhafte architektonische Lösung weiter.

Die Dachstruktur lagert auf drei massiven Elementen, die alle wichtigen Funktionen beherbergen. Thematisch sind sie untergliedert in Werkstätten, Verwaltung und Forschung und Öffentlichkeit. Alle drei Elemente haben auf beiden Ebenen die Möglichkeit, sich flächig auszubreiten und ihre Umgebung für die jeweils eigene Funktion einzunehmen. Die Elemente sind in ihrer Grundform klar geometrisch proportioniert und symmetrisch und bilden damit eine Synergie mit den markanten Prachtbauten im Park. In ihrer äußeren Erscheinung verstellen sich die massiven Betonelemente nicht und vermitteln den nötigen Werk-Charackter dieser Institution, welcher im Inneren mittels hochwertige Böden, weißer Wände und materialechter Möbel kontrastiert wird und somit erneut den Bezug zu den Bauten im Park sucht. Umgeben wird der Entwurf, welcher auf einer Lichtung steht, von einer Obstwiese, die auf die frühere Nutzung des Areals verweist und eine gewisse Mischnutzung erzeugt.

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Facts

Hochschule:
Technische Universität Dresden

Lehrstuhl:
Öffentliche Bauten / Prof. Ivan Reimann

Präsentation:
09.08.2016

Abschluss:
Diplom

Rubrik:
Kulturbauten

Software:
ArchiCAD 19, Adobe CS (PS, ID und AI)

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