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Zentrum für Kunsthandwerk und Bildende Künste in Sofia

Elena Petkova / Technische Universität Berlin
In den ersten Jahren nach dem Fall des Eisernen Vorhangs stürzte Bulgarien in eine schwere Wirtschaftskrise, unter der auch die Kunstszene litt. Erst in den letzten Jahren, nach einem langen und noch immer nicht ganz abgeschlossenen Übergangsprozess in die Demokratie, trat ein neues Bulgarien zum Vorschein, zusammen mit dem Aufschwung einer jungen, energiegeladenen Kunst- und Kulturszene. Es fehlt auch hier an finanziellen Mitteln, doch viel schwerer wiegt das noch immer wenig entwickelte allgemeine Kunstbewusstsein in der Bevölkerung.
 
Das Projekt hat das Ziel ein Anziehungspunkt für eine Vielfalt von Kunstinteressierten zu werden. Ein Ort, wo Kinder und Erwachsene, professionelle Handwerker und Freiwillige – alle vereint durch ihre Leidenschaft für Kunst – sich treffen und austauschen können. Um den Spagat zwischen den vielfältigen Akteuren zu meistern, müssen die Räumlichkeiten eine Begegnung ermöglichen, aber nicht erzwingen. Zugleich werden Menschen einander näher gebracht, die sich sonst niemals am gleichen Ort befinden würden. Dadurch werden neue Beziehungen und Interaktionen zwi­schen Leuten verschiedener Ansichten, Erfahrungen und Fähigkeiten gefördert.
 
Das Grundstück ist eine Industrieruine – das 421.000 qm große Areal des ehemaligen Bahnwerks Sofia. Umschlossen von der Bahntrasse auf der einen Seite und von einer großen Straße auf der anderen, gleicht das ganze Areal einer unerreichbaren Insel. Trotz der unmittelbaren Nähe zum Hauptbahnhof, wo viele Verkehrsmittel ihre Haltestellen haben, besteht keine direkte Verbindung zwischen den beiden Seiten der Bahntrassen. Somit entsteht das Thema der Verbindung als zentrale Problematik.
 
In einer Stadt wie Sofia, wo auf historische Gebäude wenig Wert gelegt wird und sie mit leichter Hand abgerissen werden, ist es – besonders bei einem solchen Kulturprojekt – umso wichtiger, den Bestand zu erhalten und ihn bei der Ent­wicklung des Konzepts zu berücksichtigen.
Von der Morphologie des Bestandes abgeleitet wurde das Gebäudeensemble durch Addition von neuen Volumen erweitert und in der Art optimiert, dass eine logische und funktionierende städtebauliche Figur entstand.
Um das Areal von der Stadtseite aus zugänglich zu machen, braucht man an erster Stelle ein Verbin­dungselement zur Überbrückung der Gleistrasse – eine Fußgängerbrücke. Türme, die auch als Treppenhäuser dienen und über die umliegenden Gebäude hinausragen, definieren die Eingänge und machen das Kunstzentrum auch von Weitem sichtbar. Die Brücke wird weiter ins Gebäudeinnere fortgesetzt und verwandelt sich in ein zentrales Erschließungselement für das ganze Gelände. Dabei werden spannende Einblicke in die Arbeit der Künstler ermöglicht, ohne dass sie gestört werden. An jeder Ecke entstehen spannende Blick­beziehungen zwischen Oben und Unten, Innen und Außen, Alt und Neu. Es entstehen neue räumliche Qualitäten. Die Brücke verwandelt sich in ein gestalte­risches Element, das nicht nur verbindet, sondern auch trennt und Räume definiert.

Campus Masters Wettbewerb


März / April 2017

Facts

Hochschule:
Technische Universität Berlin

Lehrstuhl:
LIA Labor für Integrative Architektur / Fachgebiet Prof. Finn Geipel

Präsentation:
06.04.2016

Abschluss:
Master

Rubrik:
Kulturbauten

Software:
AutoCAD, SketchUp, Rhinoceros, Illustrator, Photoshop

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