Hafenbad Hamburg

Ein Bad am Alten Elbtunnel

Marius Hertel / HafenCity Universität Hamburg
Die Besonderheit des Ortes besteht in der Qualität des Gegenübers. Der Hafen ist der Stadt ein omnipräsenter subtiler Begleiter. Die Anwesenheit eines Ortes, welcher in seinem Charakter der Stadt so fremd und andersartig und zudem so schwer greif- und begehbar ist, erweckt Sehnsüchte nach dem Entfliehen in jene Andersartigkeit mit all ihren Charakteristika - wie unter Anderem der besonderen Weite, der Härte, der subtilen Einsamkeit.

An diesem Ort findet ein Perspektivwechsel statt - eine Kehrtwende.
Im Alltag wird der Hafen als Gegenüber der Stadt wahrgenommen, das permanent präsent scheint, jedoch nie wirklich greifbar wird. Geräusche, Lichter, Kräne - sie sind Begleiter des all- täglichen und allnächtlichen Lebens.

Ein besonderes Gefühl stellt sich ein, sobald man durch den Alten Elbtunnel auf die andere Seite gelangt und im Hafengebiet auftaucht. Es ergibt sich nun die Stadt als Gegenüber. Sie wird aus der Distanz betrachtet. Diese räumliche Distanzierung führt gleichsam zu einer Distanzierung zum Alltag, zum Stress, zu Verpflichtungen. Es kehrt schlicht Ruhe kehrt ein.  Auch der Weg durch den Tunnel stellt eine Besonderheit dar und ist seiner Atmosphäre einen wesentlicher Bestandteil des Entwurfes.

Das Wechselspiel zwischen verstecken/verschwinden und exponiert sein, die Inszenierung einer grandiosen Aussicht, das Rückblicken, aber auch das vollständige Zurückziehen, das in sich Kehren stellen wichtige Bestandteile des Ortes als auch des Entwurfes dar.
Der Badegast betritt das Gebäude mittig und gelangt in einen Foyerbereich, in dem sich der Treppenaufgang zum öffentlichen Café und Massagebereich im OG sowie die Kasse befindet. Damen und Herren teilen sich auf.
Nach dem Durchlaufen der Umkleide wird der Gast in einen Wandelgang, der den Hauptbadekörper umkreist, entlassen. Dieser Gang verbindet in der Horizontalen die drei verschiedenen Hauptthemenbereiche, in die das Bad gegliedert ist:
  • Westseite: Gastronomie & Geselligkeit
  • Nordseite: Baden & Entspannen
  • Ostseite: Therapie & Gesundheit.

Das Erdgeschoss wird durch ein räumliches Tragwerk strukturiert. Differenziert eingesetzte Stützabstände und -tiefen lenken die Blicke gezielt und regulieren den Lichteinfall. Wie auch der Weg hin zum Bad werden die Wege innerhalb des Bades als Bestandteil inszeniert.

Drei Zentren werden betont: das Badbistro, die Fußbäder und im Außenbereich gelegene private Wannenbäder. Übrige Flächen dienen als Ruhelogen von unterschiedlichen Privatheitsgraden, Ausblicken und Raumqualitäten.
In die Masse des Sockels sind drei Öffnungen eingeschnitten, die den direkten Blick auf die Elbe und den Außenraum zulassen.

Von allen vier Seiten kann die zentrale Badehalle auf unterschiedliche Weise betreten werden. (hinauszögernd, abrupt, erklimmend) Wege, die um die Badehalle herum führen, münden ebenfalls in Platzsituationen, von denen aus sich die separaten Bäder erschließen. Es entsteht das Gefühl stets von Zentrum zu Zentrum zu schweifen.

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Facts

Hochschule:
HafenCity Universität Hamburg

Lehrstuhl:
Prof. Weinmiller

Präsentation:
29.09.2016

Abschluss:
Master

Rubrik:
Freizeit- und Sportbauten

Software:
ArchiCAD, Photoshop, Artlantis

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