Eremitage Zerbst

Platz 6

Eremitage St. Petersburg im Schloss Zerbst

Dominik Schendel, Manja Nöldner / Technische Universität Berlin
Vom Residenzschloss des ehemaligen Fürstentums Anhalt-Zerbst ist nach Bomben Abriss und Verfall lediglich die Ruine eines Seitenflügels erhalten. Auch die Überreste der Nebengebäude im Schlossgarten sind großteils ungenutzt.

IDEE
Die aus Zerbst stammende Zarin Katharina II. („die Große“) legte mit ihrer Kunstsammlung den Grundstock zur St. Petersburger Eremitage. Wir wollen dem Elternhaus der Eremitage-Begründerin mit der Nutzung als Museums-Dependance eine neue Bedeutung geben. Im Schloss Zerbst sollen drei sich ergänzende Ausstellungen präsentiert werden:

1. Wechselausstellungen mit Exponaten aus St. Petersburg zu deutsch-russischen Themen
2. Dauerausstellung zur Geschichte des Ortes und Katharinas als verbindendes Element
3. Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst als Brücke in die Gegenwart

KONZEPT
Im Schloss werden die Ausstellungsflächen sowie die nötigen Neben- und Verwaltungsräume untergebracht. Aber auch seine wenig bis ungenutzten Nebengebäude werden in die Gesamtkonzeption eingebunden. Die Grundmauern des zerstörten Westflügels des Schlosses werden freigelegt und um einen Cafépavillon ergänzt. Mit seiner kleinteiligen Struktur bietet der Marstall die Möglichkeit zur Einrichtung eines Gästehauses. Der barocke Saal des Reithauses wird von störenden Einbauten befreit und als flexible Festhalle für Konzerte, Konferenzen und Bälle adaptiert. Mit der Nutzung des baulichen Bestands, wird der gesamte Schlossgarten zur Eremitage Zerbst.

PARK
Die Wiederherstellung des Schlossgartens hat zum Ziel, verloren gegangen Bezüge wiederherzustellen, unterschiedliche Zeitschichten lesbar zu machen, sowie durch behutsame Eingriffe den neuen Nutzungen Rechnung zu tragen. Das Spektrum der Eingriffe reicht von der Instandsetzung und dem Rückbau störender Elemente über funktionale Ergänzungen, bis hin zum Freilegen und Nachzeichnen verborgener Spuren. Ausgangspunkt der Planung ist keine der spärlich überlieferten historischen Fassungen, sondern die vorgefundene Zustand. Der Ehrenhof erhält mit den freigelegten Grundmauern des Westflügels eine neue Fassung. Im Bereich des Hauptflügels sind kaum Außenmauern erhalten. Hier überbrückt eine Böschung mit Sitzstufen den Höhenunterschied.

EREMITEGE UND ENTDECKUNGEN
Im Schloss werden zwei unterschiedliche Typen von Ausstellungsräumen eingerichtet. Die Räume, in denen sich keine Ausstattungsreste erhalten haben, werden zu neutralen weißen Räumen mit für die Wechselausstellungen der Eremitage. Räume, die von besonderem Interesse sind, werden als “Entdeckungen” in ihrem überkommenen Zustand konserviert und somit selbst zum Exponat. Während des Museumsrundgangs kann der Besucher die barocke Treppenhalle, den Burgkeller unter dem Schlosshof, die Ruine des Corps de Logis und das fürstliche Appartement entdecken. Diese Räume nehmen Exponate zur Geschichte des Ortes auf. Auch erhaltenes Inventar wird hier präsentiert. Die Herstellung eines optimalen Museumsklimas ist nicht durchgehend notwendig. Auf einen gelenkten Rundgang wird verzichtet.

GALERIE DER GEGENWART
Das Schloss wird um ein neues Geschoss für zeitgenössische Kunst ergänzt. Die Ausstellungsfläche gliedert sich in einen flexiblen Innenraum und einen offenen Umgang. Als Höhepunkt des Rundgangs tritt der Besucher hinaus in die offene, als Loggia ausgeformte “Äußere Galerie“. Von hier öffnet sich der Blick auf die Stadt und den Schlossgarten. Der als Ruine überkommene Teil des Corps de Logis wird in seinem jetzigen Zustand als „Entdeckung“ konserviert und bleibt ebenfalls Außenraum. Die äußere Galerie bietet einen spektakulären Blick durch den Luftraum bis in das Kellergeschoss der Ruine. Als negativer Körper bildet er das Gegenstück zum geschlossenen Volumen des neuen Ausstellungsraums. Seine Fassade wird als Teil der musealen Präsentation regelmäßig von Künstlern neu gestaltet und bespielt.

KONSERVIEREN
Die Konservierung originaler Oberflächen, verbunden mit nur geringen baulichen Eingriffen ermöglicht eine direkte Gegenüberstellung unterschiedlicher Grade der Zerstörung. Nicht ein einheitlicher Anstrich, sondern die in unterschiedlichem Umfang sichtbaren Robbaumaterialien verbinden das Ensemble und machen es zu einem sprechenden Exponat. Somit wird der Spaziergang im Park zum unmittelbar erlebbaren Parcours durch die Geschichte. Bauliche Ergänzungen heben sich in Materialität, Form und Konstruktion unprätentiös vom historischen Bestand ab.

Campus Masters Wettbewerb


Januar / Februar 2015

Facts

Hochschule:
Technische Universität Berlin

Lehrstuhl:
Ute Frank

Präsentation:
29.08.2014



Abschluss:
Master

Rubrik:
Kulturbauten

Software:
Archicad, Artlantis, Photoshop, Indesign

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