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Damian Platten / Karlsruhe Institut für Technologie
Das Verhältnis von Arbeit und Freizeit wird durch die Digitalisierung neu definiert. Daraus ergeben sich Auswirkungen auf die Zusammensetzung und Funktion der Gesellschaft, die sich auch direkt architektonisch fassen lassen.
Über die letzten zwei Jahrhunderte hat sich die Arbeitswelt von einfachen Zellenbüros, über großräumliche Bürolandschaften und flexibel nutzbaren Kombibüros zu einem hochkomplexen räumlichen Gefüge entwickelt. Unterschiedliche Konzepte werden für unterschiedlichste Anforderungen der Büroarbeit herangezogen, die Bandbreite an Problemstellungen und Lösungen wächst von Tag zu Tag. Daher stellt sich die Frage: gibt es „das Büro“ überhaupt noch?

Der Entwurf ist als Experimentalraum gedacht, indem unterschiedliche Gradienten von Aufenthalts-, Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten erprobt werden können. Die oben angedeuteten Konzepte können dort durchgespielt werden, ebenso wie künftige Arbeitswelten. Dabei wird auf die klassischen Bürotypologien zurückgegriffen, um den baulichen Rahmen für den Versuch zu finden.
Das Experiment findet in Basel statt, direkt am Hauptbahnhof. Dort steht das Postbetriebsgebäude Basel 2, in dem bis dato ein Logistikzentrum der Schweizerischen Post untergebracht ist. Das Gebäude spannt zu gut zwei Dritteln über die Gleisbetten und enthält unter anderem Fahrrampen für LKW bis in die oberen Geschosse sowie einen Postbahnhof im UG.

Die Dachlandschaft des Postgebäudes wird nivelliert, um eine ebene Platte zu erhalten; ferner wird das Gebäude nach Süden so verlängert, dass es komplett über die Gleise spannt. Auf diese Platte werden die bereits angesprochenen Typologien gestapelt: Teppich, Block, Zeile und Punkt. Sie alle bauen auf dem konstruktiven Grundgerüst des Bestandsgebäudes von 13x13m auf. Ihre Stellung zueinander unterliegt Gesichtspunkten der Versorgung mit Tageslicht und dem Verhindern gegenseitiger Verschattung.

Damit die Räume im Inneren möglichst flexibel bleiben, werden alle dauerhaften und festen Elemente nach außen verlegt. Das statische Gerüst liegt außen, ebenso erfolgen Zugang, Versorgung mit Haustechnik, Wasser und Strom von außen. Hierzu erheben sich an den Nordseiten der Gebäude Versorgungstürme, in denen Auzüge, Treppen, Schächte und Leitungen untergebracht sind.
Alle Grundrissmöblierungen sind im Sinne des Experiments jedoch nur ein Vorschlag. Das Experiment ist nicht so gedacht, dass wöchentliche Umbauten im Gebäude stattfinden. Vielmehr sollen Grundrissdispositionen und Arbeitskonzepte mittelfristiger erprobt werden, mit Laufzeiten von einem bis fünf Jahre.

Das Gebäude, welches entsteht, ist nicht als ein Bürogebäude für ein einzelnes Unternehmen gedacht. Vielmehr sollen hier Menschen aus unterschiedlichsten Sparten Möglichkeiten zum Arbeiten finden – über unterschiedlich lange Aufenthaltsdauern. Um dies zu bewerkstelligen, werden die einzelnen Typologien mit spezifischen Nutzungen ausgestattet: der Teppich ist recht öffentlich, man arbeitet hier ähnlich wie in einer öffentlichen Bibliothek, die Aufenthaltsdauert beträgt einige Stunden bis zu einem Tag. Hier befinden sich auch ein Konferenzsaal und eine Kantine. Die Blöcke enthalten hostelähnliche Nutzungen, die Aufenthaltsdauert beträgt nun mehrere Tage. Hier können informellere, moderne Konzepte erprobt werden, die sich meist bei Selbstständigen und Start-Ups Beliebtheit erfreuen: Boarding-WGs, Coworking und Coliving, Podsharing, Workhostels usw. In den Zeilen finden sich hotelähnliche Nutzungen, vom klassischen Businesshotel bis zu Kreuzungen zwischen Hotel und Businessclub. Äußerst exklusive Arbeits- und Wohnräume bieten schließlich die Punkthäuser mit Businessapartments oder individuell einrichtbaren Arbeitsflächen für Tagungen o.ä. Von unten nach oben nimmt also die Verweildauer, Privatsphäre, Service und Komfort zu.

Campus Masters Wettbewerb


Juli / August 2017

Facts

Hochschule:
Karlsruhe Institut für Technologie

Lehrstuhl:
Prof. Marc Frohn

Präsentation:
13.04.2017

Abschluss:
Master

Rubrik:
Gewerbebauten

Software:
Archicad, Photoshop, Indesign, Rhino

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