1. Platz: Georg´s CUBE

Platz 1

Kinematisches Modell für eine flexible Architektur und ein modernes Raumverständnis

DI Georg J. Hrabanek, Technische Universität Wien
Architekturziel ist stets der für die jeweilige Anforderung optimale Grundriss. Aber was ist schon optimal? Das Optimum ist auch in der Architektur immer eine „Tochter der Zeit“ – also stets nur aus dem jeweiligen gesellschaftlichen Kontext heraus zu beurteilen; der ideale Grundriss würde daher Adaptionsfähigkeit und einen möglichst hohen Flexibilitätsgrad erfordern. Kaum anders als in den vergangenen Jahrhunderten, sind jedoch Architekturkonzepte, die Veränderung bzw. Wandelbarkeit ermöglichen, auch heute weitgehend die Ausnahme.

Nähert man sich diesem Thema objektiv und vorurteilsfrei, so ergeben sich u.a. Fragen wie: Warum muss ein Grundriss starr und unveränderbar sein? Wäre es nicht faszinierend, Räume der jeweiligen Situation entsprechend anzupassen? Den Innenraum zum Außenraum werden zu lassen? Flächen, die gerade nicht benötigt werden, schlicht und ergreifend auszulagern? Bei einem erhöhten Flächenbedarf, die Grundfläche einfach erweitern zu können?

Zwangsläufig entsteht dadurch jedoch ein Widerspruch zum häufig anzutreffenden hehren Anspruch, dass Architektur für die „Ewigkeit“ gedacht und realisiert wird. Aus diesem Ewigkeitsanspruch einerseits und dem Flexibilitätsbedarf andererseits zeigt sich eine Diskrepanz, welche sich letztlich auch in der Nichtexistenz von Gebäuden manifestiert, die den jeweiligen Nutzern die Realisierung wechselnder Bedürfnisse sowie eine weitgehende Flexibilität ermöglichen würden.

Die vorliegende, mit Auszeichnung beurteilte Masterarbeit geht davon aus, dass eine moderne, zeitgemäße Architektur im 3. Jahrtausend stets ein „Bauen auf Zeit“ sein sollte. Daraus ergab sich als Forschungsziel:

Die Entwicklung von räumlichen Strukturen, die, ohne nachträgliche Baumaßnahmen, spontan und verzögerungsfrei durch und für die Nutzer an wechselnde Verhältnisse und Anforderungen angepasst werden können.

Abgeleitet von diesem Forschungsziel ergab sich als leitende Forschungsfrage:

Kann ein flexibler, adaptiver Grundriss geschaffen und mittels Modell nachgewiesen werden, dass ein Gebäudesystem möglich ist, das über eine hohe, inhärente Anpassungsfähigkeit verfügt und konzeptionell darauf ausgelegt ist, sich
verzögerungsfrei und ohne Montageaufwand an wechselnde Verhältnisse und Anforderungen anzupassen.

Der Modellentwurf von George’s Cube erreicht das definierte Forschungsziel basierend auf der Zieldefinition:

Mittels Drehmechanismen eine kompakte, geschlossenen einreihige Form auflösen und dadurch die Öffnung der Grundform/Flächen, die Erweiterung der Flächen und die Bildung von zusätzlichen Ebenen ermöglichen.

George’s Cube Modellbeschreibung:

Geometrischer und konstruktiver Ausgangspunkt ist der fixe Objektkern; dieser innere Kern ist das zentrale Element. Dieses Zentrum ist stationär und dient der Aufnahme sämtlicher Versorgungsleitungen über einen Installationsschacht; es ist die Basis für die gesamte Infrastruktur und darüber erfolgt auch die Erschließung des gesamten Objekts.

Um diesen Objektkern gruppiert sich ein Flächensystem mit vier seitlichen und vier mittleren Flächenelementen sowie vier Drehmechanismen mit jeweils einem Dreharm zur Aufnahme des Drehmechanismus für die seitlichen Ausschubflächen und der Verbindung zum Drehmechanismus.

Der Drehmechanismus ermöglicht durch die vertikale Rotation der Dreharme um 360 Grad zwei zusätzliche Ebenen sowie durch horizontale Rotation um den inneren Kern herum die Verschiebung der einzelnen Flächen. Gehalten wird der Drehmechanismus durch ein Lager, das direkt am inneren Kern montiert ist. Der Drehmechanismus für die seitlichen Ausschubflächen hält die Baugruppe „seitlicher Ausschub“; diese besteht aus einer unteren und oberen quadratischen Fläche verbunden durch das zugehörige Auszugssystem. Das Lager für den Drehmechanismus hält die Baugruppe „mittlerer Ausschub“; diese besteht aus einer unteren und oberen quadratischen Fläche sowie einem Auszugssystem.

Die seitlichen und mittleren Ausschubflächen sind deckungsgleich und ermöglichen durch den Ausschub die Verdoppelung ihres Flächenangebots und die Wandlung der quadratischen zu einer rechteckigen Grundform. Die beiden Flächensysteme unterscheiden sich dadurch, dass die Position der mittleren Ausschubflächen bis auf die Ausschubmöglichkeit fix sind, die seitlichen Ausschubflächen ihre Position jedoch sowohl horizontal als auch vertikal ändern können.

Den so ermöglichten Flächenkombinationen und Raumstrukturen sind beliebige Funktionen zuordenbar; sie können dynamisch einer Nutzungsebene zugewiesen werden und ergeben auf dieser die benötigten Raumobjekte. Bei einem erhöhten Flächenbedarf können mehrere Flächenelemente ausgefahren werden und dadurch das Flächenangebot um maximal 100% expandiert werden.

Campus Masters Wettbewerb


Juli / August 2014

Facts

Hochschule:
Technische Universität Wien

Lehrstuhl:
Institut für Architektur und Entwerfen; Prof. DI Dr. Manfred Berthold

Präsentation:
23.04.2014



Abschluss:
Master

Rubrik:
Experimentelle Entwürfe

Software:
Autodesk Inventor, ArchiCad

Weitersagen


Ergebnis erfahren

Wir informieren dich über den Ausgang des Wettbewerbs per Email oder Facebook