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„reflexionen | reflections“
In nur kurzer Zeit hat das junge Stuttgarter Büro um die Architekten Markus Hammes (*1964) und Nils Krause (*1964) eine Reihe sehr unterschiedlicher Projekte realisieren können. Ihre Entwürfe sind von einem intensiven, gemeinsamen, iterativen Diskurs durchdrungen. Ihre Suche nach einer angemessenen architektonischen Aussage folgt den Zielen der systemischen Kontextualität. Dieser Prozess beleuchtet Freiheiten in den funktional, technisch und ökonomisch gebunden Programmen und vernetzt sich auf den unterschiedlichen Ebenen gerade auch mit deren soziokultureller Peripherie. Heraus kommen unerwartete Beiträge zur zeitgenössischen Architektur. Nach knapp mehr als 7 Jahren gönnen sich die beiden die Zeit für einen beobachtenden Blick zurück, um ihn für die kommenden 7 Jahre zu schärfen. Ihr Buch fokussiert diesen reflektorischen Akt aus 7 verschiedenen internen wie externen Blickwinkeln. In Form von Interview und Essay wird ein Blick von außen auf die Arbeiten geworfen. Das Buch schafft einen kraftvollen und illustren Eindruck und auf sublime Art ist es eine Erläuterung der Herangehensweise von hammeskrause architekten.
„reflexionen | reflections“ hammeskrause architekten
Herausgeber:Markus Hammes und Nils Krause
erschienen im Kehrer Verlag Heidelberg
Broschur 28 x 24 cm
360 Seiten
250 Farb- und 148 s/w-Abbildungen
deutsch englisch
ISBN 978-3-86828-156-9
36,- Euro
www.hammeskrause.de
Hochschule für Musik Carl Maria von Weber, Dresden
Stadträumlich handelte es sich um eine sehr beengte und behördlich restriktiv definierte Innenstadtbrache zwischen abbruchreifen und teilweise renovierten Altbauten mit 2 bis 5 Geschossen in unmittelbarer Verbindung zur bestehenden Hochschule, die in einem 1898 im Stil der Neorenaissance von einem Semperschüler erbauten prachtvollen Gymnasium ihr Domizil gefunden hatte.
Durch die Ergänzung suchte der Bauherr ein Ensemble zu erhalten, das Alt und Neu in einen positiven Zusammenhang stellt, der Hochschule eine besondere Identität erwachsen lässt und ihr zu einem zeitgemäßen architektonischen Ausdruck für die Arbeit mit und dem Studium der Musik verhilft.
Durch zwei, drei klare Entscheidungen gelang uns eine Struktur aufzubauen, die auf verschiedensten Ebenen in der Lage war, sich systemisch und diskursiv mit dem Altbau in Beziehung zu setzten.
Sämtliche, eher kleine und Zimmer-artig zu organisierenden Räume erzeugen eine arrondierende Stadtraumkante. Sie beginnt in der unmittelbaren Verlängerung der historischen Treppenanlage des Bestandes und findet seinen Endpunkt in einem einfachen geschlossenen Kubus, dem Studio der Opernklasse. Die sehr alten Platanen im ehem. Schulhof in Szene setzend, haben wir und dafür entschieden, den Konzertsaal als den Raum der größten inhaltlichen Freiheit dem reich ornamentierten und mit dem Pathos seiner Zeit gegliederten Altbau frei und solitär und vom Boden abgelöst gegenüberzustellen.
Zu dieser räumlichen Gegenüberstellung hatten uns unterschiedliche Aspekte bewegt, die geeignet schienen, Ebenen in Schwingung zu bringen, die nicht nur in der Architektur liegen. Und dadurch unseren Entwurf auf den verschiedensten Ebenen zu integrieren.
Politisch steht die Architektur der Monarchie nun einer pluralistisch verankerten Architektur gegenüber. Formal setzt sich eine klassizistisch, hierarchisch, hermetisch gefügte Fassade mit einer frei gefügten auseinander. Auch fanden wir, dass Aspekte der exakten und streng gegliederten Fassade des Altbaus durchaus mit den Gesichtspunkten von Disziplin, die das professionelle Erlernen und Üben und Spielen von Musik eine Entsprechung gefunden hatte. Um so mehr hatten wir Spaß daran, in der Gestalt des Konzertsaales eher die Aspekte des kompositorischen und offen gefügten ins Spiel zu bringen, usw., usw.
Die Hülle des Konzertsaales löst sich deshalb aus den baukonstruktiven Bedingungen und entwickelt sich antithetisch zum historischen Bestand. Es ist eine leichte Struktur, ein formal eigenständiges, in sich konsistentes, Außen- und Innenraumkonzept. Innen verdichten sich - die Musik und die Musiker im Mittelpunkt - um das Auditorium herum präzise, dynamische und kraftvolle Flächen zu einem zentralen Raum für Musik. Weinbergartige Ränge um Parkett und Podium herum schaffen hervorragende Sichtbezüge und ein unmittelbares Musikerlebnis von großer akustischer Klarheit.
Die weißen Metalltafeln der Konzertsaalfassade provozieren, mit unterschiedlichem Glanzgrad lackiert, bewusst Reflexionen. Die nach oben zunehmenden Spiegelungen lösen die Flächen zum Himmel hin scheinbar auf. Die Farbgebung bzw. die Materialität im Neubau ist bewusst zurückhaltend. Ausschließlich an bestimmten Orten wurden Schwerpunkte durch eine kraftvolle, tiefrote Farbe gesetzt. So geben zuallererst die wunderschönen Materialen der hochwertigen Instrumente und die Musiker den Ton an.
’Emma-Schwab-Haus’ - Tageseinrichtung für Kinder in Stuttgart-Freiberg
In seiner unmittelbaren Nachbarschaft bestimmen 30m und 90m hohe Wohnhochhauszeilen den Raum.
Seine Gestalt nährt sich aus dem Bild eines Hutes, einer etwas zu großen Kappe - „oversized“ und lässig in den Nacken geschoben. Unter dieser „coolen“, farbigen Kappe, im Norden bis auf den Boden gezogen, liegen geschützt und aus Holz fein konstruiert, zum Garten und nach Süden weit geöffnet, die Räume der Kinder. So ist diese „Kappe“ Regenschutz, Sonnenschutz und „fünfte“ Fassade, in allen Wetterlagen schafft sie zusätzliche geschützte Spielfläche zwischen Innen und Außen.
Acht Gruppen mit bis zu 200 Kindern, zwischen 3 Monate und 14 Jahre alt, kommen hier zusammen. Die Pädagogik folgt dem Prinzip „Einstein in der KITA“, die Aufteilung der Räume tut es auch.
In den zwei Geschossen kommen längs des breiten Spielflures zwei unterschiedliche Raumgruppen zu liegen. Nach Süden öffnen sich die hohen Aufenthaltsräume sowie der Mehrzweckraum in den Garten. Gegenüber nach Norden ordnen sich die Schlaf-, Werk, Personal-, Küchen- und Nebenräume, belichtet durch Dachfenster, unter die Kappe. Durch Rücksprünge, Nischen und vielfältige Sitzmöglichkeiten gegliedert, bietet der Flur Raum für vielerlei Aktivitäten.
Die Kleinkinder und die jüngeren Kindergartenkinder bewegen sich in den ebenerdigen Räumen mit unmittelbaren Zugängen über Terrassen zu den Spielzonen im Garten. Die älteren Kinder und die Schulkinder, die den Hort besuchen, haben ihre Räume im Obergeschoss. Jeder Raum hat eine Tür auf den breiten und weit überdachten Balkon, über eine Brücke und eine Treppe mit dem Garten verbunden.
Eine haushohe Dachgaube überdeckt den Haupteingang. Große Glasflächen verbinden offen den Wohnweg des Quartiers mit dem Garten. Der ’Marktplatz’ liegt hier. Er dient als zentraler Treffpunkt der Eltern, der Kinder und den pädagogischen Fachkräften.
Die Holzkonstruktion und -wände und die Akus¬tikdecken sorgen für eine ruhige und freundliche Atmosphäre.
Durch die ungewohnten Geometrien von Dach, Fassade, Fenster, Treppe, Balkon, Brücke, Nischen, den unterschiedlichen Materialien, den Oberflächen und durch die Farben entstehen überraschende Eindrücke, die geeignet sind, beiläufig, unmittelbar aus der Architektur, die Neugier und den Forscherdrang der Kinder zu befeuern.
Projektdaten
Bauaufgabe:
Städtische Tageseinrichtung für Kinder
Planungs- und Bauzeit:
Mai 2007- März 2010
Hauptnutzfläche:
796 qm
Brottogrundfläche:
2.402 qm
Bruttorauminhalt:
8.907 cbm
BioMedizinZentrum, Bochum
Bei dem Wettbewerb für das BioMedizinZentrum Ruhr auf dem Campus der Ruhr-Universität Bochum sahen wir uns mit einer im Laborbau eher seltenen Aufgabe konfrontiert, ein Laborgebäude ohne feststehende Nutzer und deren Bedürfnisse zu planen. Das Zentrum wurde von der Entwicklungsgesellschaft der Stadt Bochum als Mietobjekt konzipiert, es stellt jungen, hochinnovativen High-Tech-Unternehmen aus der Medizintechnik, der Biomedizin und der Gesundheitswirtschaft über 5.000 Quadratmeter modernste Labor-, Werkstatt- und Büroräume zu besonderen Konditionen zur Verfügung.
Wir haben eine Gebäudestruktur entwickelt, die das geforderte hohe Maß an Flexibilität in der Vermietung und Ausnutzung der Flächen ermöglicht. Es werden räumlich identische und damit gleichwertige Situationen für alle Mieter geschaffen, die individuell nach den jeweiligen Bedürfnissen gestaltet werden können. Die einheitlichen Raumtiefen ermöglichen gleichwohl funktionale Büro- und Labornutzung. Der fünfgeschossige Baukörper schichtet - auf zwei Tiefgaragengeschossen aufsitzend - im Wechsel Büro- und Laborgeschosse übereinander. Ein spannungsvolles Zusammenspiel von Innenhöfen, Treppen und Lufträumen bildet dabei über alle Geschosse hinweg das räumliche und kommunikative Zentrum des Neubaus für alle Mieter und deren Adressbildung im Gebäude.
Das Gebäude ist innerhalb des städtebaulichen Kontextes der Ruhr-Universität von seiner Randlage an einer definierten Kante des Campus der 70er Jahre zu einem eher landschaftlich geprägten Raum mit einem bewaldeten Hang geprägt. Städtebaulich fügt sich der kompakte Baukörper in die homogene orthogonale Struktur der Umgebung ein, steht aber durch die intensive Farbigkeit der Außenhaut im bewussten Kontrast zu den massiven Sichtbetonflächen der umliegenden Universitätsbauten.
Die Gliederung der Fassade folgt dem Konzept der Gleichwertigkeit aller Mieteinheiten. Die homogene, zelluläre Struktur der Fassade umhüllt das Volumen mit einer, die unterschiedlichen Ebenen überspielenden Haut. Fenster, die ähnlich wie Lüftungsklappen nach außen öffenbar sind, geben der Fassade ein differenziertes und individuelles Erscheinungsbild. Die innere und äußere Gestaltung thematisiert das spannungsreiche Spiel zwischen einem zusammenhängenden Mieter-Zentrum einerseits und seinen individuellen Nutzern andererseits.
Partikel-Therapie-Zentrum, Marburg
Hier werden die Tumoren von an Krebs erkrankten Patienten ambulant mit Protonen (H) und Schwerionen (CO) bestrahlt. Die Besonderheit ist die physikalische und medizintechnisch therapeutische Koordination und Kontrolle eines Linearbeschleunigers, eines Synchrotrons und einer Strahlführung bis hin zu den Bestrahlungsräumen, in denen über Roboter die Positionierung der Patienten zum Strahl erfolgt. In seiner Technologie handelt es sich um eine weltweit führende Anlage.
Mitten in einem Laubwald in den Lahnbergen auf dem Campus der Universität Marburg lag der Bauplatz. Eine neue Infrastruktur hatte die Verbindung zur nahen Universitätsklinik herzustellen.
Der Aufgabe nähern wir uns, in dem wir erst ein Mal versuchen, die Perspektive des Patienten einzunehmen. Es wäre wünschenswert, in dessen Erleben die technischen Elemente soweit als nur möglich aus dem Blickfeld zu bringen. Der Wald mit seiner frischen Luft, dem Wind in den Blättern, und den durch die Jahreszeiten wechselnden Farben, schafft eine entspannende Atmosphäre.
Mit einer fast übergroßen Geste der Offenheit wird der Patient in Empfang genommen. Die Seite des Gebäudes, an der der Haupteingang liegt, ist eine einzige Öffnung, großzügig, weit und verglast. Zum einen wirkt sie so direkt und ist unmittelbar präsent, dass sie in der Lage ist, die sich dahinter türmenden, zwingend der Technik folgenden Geometrien des Baukörpers zu überblenden. Zum anderen erzeugt sie innerhalb der beeindruckenden Landschaft eine unverwechselbare Landmarke. Nicht zu letzt hofft man, durch die größtmögliche Offenheit hier, die spätere Bedrängnis des Patienten, die ihm während der Bestrahlung widerfährt, als da wären der massive und hermetische Strahlenbunker, oder intensiver noch, die Fixierung des Kopfes durch eine Maske, zu lindern.
Je mehr die räumliche Enge aus therapeutischen Gründen zunehmen muss, umso stärker wird mit architektonischen Mitteln, wie Tageslicht aus Oberlichtern, mit Farbe, mit offener Möblierung, bis hin zu Kunstlicht, der enger werdende Raum aufgelöst, seine Grenzen genommen.
Sowohl die Grundrissstruktur und der Baukörpers entsprechen dabei eben gleichermaßen zwingend den technischen Notwendigkeiten der Strahlerzeugung und -führung. Das neben administrativen und diagnostischen Büros im Kern mit vier Bestrahlungsräumen und 10 Immobilisierungsräumen ausgestattete Zentrum, bietet die Möglichkeit einer Bestrahlung von bis zu 2000 Patienten jährlich. Ein keiner Forschungsbereich ergänzt das Nutzungsangebot. Dem zu Grunde liegt ein baulich hoch effizient geordneter, auch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten organisierter "Workflow".
Ein integrales Ressourcen sparendes Energiekonzept nutzt die erhebliche Prozesswärme und -kälte, sowie die der Abluft hochwirksam entzogene Wärme für Heizung und Warmwasser der Klinik und zur Kühlung der Untersuchungsräume und der Büros in Verbindung mit einer Nachtauskühlung über Mücken sichere, opake Öffnungsflügel.
Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik, Potsdam Golm
Das neue dreistöckige Institutsgebäude für die Fraunhofer Gesellschaft steht in engem räumlichen Bezug zum bestehenden Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung und bildet dank seiner äußeren Präsenz einen neuen baulichen Identifikationspunkt innerhalb des jungen Wissenschaftsparks Potsdam-Golm.
Die Zusammengehörigkeit der beiden Institute wird durch die gemeinsame Gestaltung der Außenanlagen als gärtnerische Mitte des Campus gestärkt. Ein Weg über die Brücke des bestehenden Löschwasserteichs verbindet die Haupteingänge beider Institute. Ein neu angelegter Kiefernhain, die Ergänzung der Streuobstwiesen und die Pflanzung heimischer Gehölze unterstützten die Zielrichtung eines Landschaftsparks in den Havelauen.
Der Baukörper ist geprägt von einer geometrisch reduzierten, zurückhaltenden Form mit einer klaren und übersichtlichen Gliederung des Grundrisses. Funktionalität und Wirtschaftlichkeit sind in hohem Maße gegeben; die Büros reihen sich an der Nordseite, die Laborarbeitsplätze an der Südseite auf.
Rhythmisiert wird der klar strukturierte Grundriss durch zentrale innere Orte: Ein dreigeschossiges Atrium mit Galerien und Haupttreppe, eine hohe holzverkleidete Bibliothek mit vielschichtigen Nutzungen, sowie ein Patio und Lufträume lassen Tageslicht ins Gebäudeinnere fallen und bilden mit ihrer kommunikativen Atmosphäre einen Kontrast zu den eher nüchtern reduzierten Arbeitsbereichen.
Der kompakte Baukörper stellt zunächst einen selbstbewussten Solitär in der weitläufigen Landschaft dar, die Gliederung und materielle Differenzierung der Fassade entwickelt dabei jedoch Plastizität in der Außenhaut. Der lebendige Eindruck wird unter Einhaltung einer strikt-formalen und konstruktiven Ordnung erzeugt, die in der mäandrierenden Struktur zum Ausdruck kommt. Sie bricht die Maßstäbe der Geschosse und entwickelt für sich eine skulpturelle Eigenständigkeit, unabhängig von unterschiedlichen Nutzungen und Ebenen.
Die Farbgebung der Fassaden zu drei Seiten wurde aus der örtlichen Situation heraus thematisiert. Die helle warme mineralische Putzfassade orientiert sich an den sandigen Böden der Havelauen.
Max-Planck-Institut für Physik Komplexe Systeme II, Dresden
Der wissenschaftliche Erfolg des Institutes machte einen Erweiterungsbau des ca. 10 Jahre bestehenden Gebäudes notwendig. Aus dieser Erfahrung mit den bestehenden Strukturen konnten aus den Gesprächen mit den Nutzern zahlreiche Erkenntnisse für die Gestaltung des neuen Gebäudeteils hinsichtlich der Raumanforderungen und benötigten Strukturen für das internationale wissenschaftliche Publikum gewonnen werden. Spannung und Entspannung, Kommunikation und Konzentration sind zentrale Begriffe der Arbeitweisen des Instituts.
Die Architektur fördert durch offene Raumstrukturen den Kommunikationsprozess und die Interaktion der Wissenschaftler. Am Übergang aus dem ‘Altbau‘ entsteht ein räumliches Gelenk, das sich über einen Luftraum zweigeschossig entwickelt. Neben den gezielten und geplanten Treffen ist es notwendig Raum und Atmosphäre für spontane, informelle Begegnungen zu ermöglichen. Im Zentrum werden offene, temporäre Arbeitsplätze geschaffen, die Option für non-territoriale Büros, Bereiche mit Lounge-Möblierung, offene Teeküchen und wandintegrierte EDV-Arbeitsplätze. Seminarräume, eine Leselounge und der Übergang in den Garten schließen sich nahtlos an das Zentrum an.
Die offene, zentrale Raumstruktur verdichtet sich zu den Enden des Gebäudes immer mehr über zonierte Büros und größere Arbeitsräume bis hin zu wenigen Einzelbüros, die vollständig abgeschlossen sind. So entsteht ein räumliches Spannungsfeld zwischen offenen kommunikationsfördernden Strukturen und konzentrierten Einzelarbeitsplätzen.
Die Materialität spiegelt das räumliche Konzept wider. Im Zentrum verbindet das helle Ahorn- und Birkenholz den Bodenbelag mit den Einbauten. Die materielle Verdichtung und räumliche Integration von Möbeln, Boden und Wänden trägt zum harmonischen Erscheinungsbild bei und stärkt die Identität des Zentrums.
DLR TechLab, Oberpfaffenhofen
Basierend auf den funktionalen Abläufen und Erfordernissen der beiden Institute haben wir einen Gebäudetyp entwickelt, der sich in drei Bereiche gliedert; zwei Institutsbaukörper mit Versuchshallen sowie Arbeits- und Büroräumen und einen zentralen Baukörper, der den Haupteingang mit Foyer und Ausstellungsfläche, die Vertikalerschließung sowie die gemeinsam genutzten Besprechungs- und Nebenräume aufnimmt.
Die beiden Baukörper der Institute gliedern sich wiederum jeweils in einen großen Hallenteil und einen Büroraumkörper. Die Abmessung der Halle bietet dabei mit einer Spannweite von 24 Meter und einer lichten Raumhöhe von 11 Metern den notwendigen Raum für die geplanten Versuchsaufbauten.
Das Zentrum des Gebäudes bilden die gemeinschaftlich genutzten Bereiche, welche die Kommunikation zwischen den beiden Instituten begünstigen. Besprechungsräume, die sich zum Luftraum des Foyers orientieren, sind mit offenen Galerien versehen, um auch einen geschossübergreifenden Austausch zu ermöglichen.
Ebenso sind die beiden Obergeschosse als einbündige Raumstruktur mit zur Halle hin offenen Erschließungsfluren konzipiert. Hier befinden sich weitere Büro-, Mess- und Arbeitsräume.
Die Fügung und das Zusammenspiel der unterschiedlichen Funktionsbereiche und Volumina spiegelt sich in der formalen Gliederung der Fassade wider. Das Thema der Ein- und Ausblicke beeinflusst auch stark die Fügung der Baukörper untereinander. Die Eingangsfassade ist transparent und offen gestaltet um den Haupteingang zu markieren und durch die Zäsur die eigenständige Identität der beiden Institute zu verdeutlichen.
Der mehrgeschossige Bürobaukörper bildet als dunkler Monolith einen Gegensatz zu den hellen Metallfassaden der beiden Hallenbaukörper. Aus ihm entwickelt sich der Sockel, auf dem die Hallen ruhen.
Diese werden mit einer changierenden Metallfassade versehen, die weitestgehend ohne Öffnungen konzipiert ist. Die zurückhaltenden Changierung hilft, die großen Hallenvolumen in den menschlichen Maßstab und der Umgebung zu gliedern. Die entstehende Fuge zwischen den beiden Materialien wird als umlaufendes Glasband formuliert, welches ausschließlich in Augenhöhe Ein- und Ausblicke ermöglicht.
Zentrum für Optische Quantentechnologien (ZOQ), Hamburg
Durch ein Gastwissenschaftsprogramm bekommt die Forschungsarbeit neue Impulse, auch der wissenschaftliche Nachwuchs wird hier gefördert.
Der Neubau nimmt städtebaulich und räumlich Bezüge zum bestehenden Institut für Laserphysik auf und verbindet sich baulich mit diesem im ersten Obergeschoss. Im Erdgeschoss befinden sich neben allen sensiblen Lasermessräumen ein allgemeiner Mehrzweckraum in der Nähe des Haupteingangs und des Foyers. Dieses kann variabel genutzt werden und bietet Raum für Ausstellungen, Präsentationen und Seminare.
Eine offene Raumstruktur verbindet die verschiedenen Nutzungsbereiche des Zentrums über alle Geschosse und bietet geschossweise Flächen als Aufenthaltsbereiche an, die der informellen Kommunikation dienen.
Die theoretischen Arbeitsplätze sind in den Obergeschossen angeordnet und überwiegend als Kombibürozone formuliert, eine offene Arbeitsorganisation soll hier den Austausch zwischen den Forschern stimulieren und fördern.
Die Fassadengestaltung nimmt in Proportion und Materialität den Wunsch nach einem offenen, einladenden Gebäude auf. Bestimmendes Merkmal der äußeren Gestalt sind starke, auskragende Deckenscheiben, die an der Zugangsseite im Süden sowie zum Hof hin das Gebäude horizontal gliedern und dabei eine signifikante Fernwirkung erzeugen.
Die Bürofassaden der Obergeschosse zwischen den Deckenscheiben werden flächig zurückhaltend und mit einer senkrechten Struktur gestaltet. Die Lasermessräume im Laborbereich hingegen sind massiv und geschlossen ausgebildet.
Projektdaten
Bauherr: Freie und Hansestadt Hamburg, vertreten durch die Behörde für Wissenschaft und Forschung
Hauptnutzfläche HNF: 1.280 m²
Bruttogrundfläche BGF: 2.975 m²
Bruttorauminhalt BRI: 10.790 m³
Gesamtbaukosten brutto: 8,2 Mio €
Planungsbeginn: August 2007
Baubeginn: Juni 2009
Fertigstellung: August 2011
Projektadresse: Luruper Chaussee 149, 22761 Hamburg
Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns, Köln
Große, verdichtete Laborlandschaften im direkten räumlichen Kontakt mit kommunikativen Zonen war das erklärte Ziel der Wissenschaftler als Grundlage für ihre Arbeitsweise. Das räumliche Konzept wurde aus diesen besonderen funktionalen und organisatorischen Anforderungen der integrativen Labor/Bürocluster der einzelnen Abteilungen und deren Verknüpfung untereinander entwickelt. Das Atrium bildet dabei den räumlich nutzbaren, zentralen Ort innerhalb des kompakten, dichten Gebäudes, es ist die Schnittstelle der internen und externen Kommunikation. Es sind verbindende Wege über das räumliche Zentrum und der direkte Weg in die nächste Abteilung möglich. Ihre Orientierung zum Atrium hin generiert die gewünschte Blickbeziehung zwischen wissenschaftlicher Laborarbeit sowie Besuchern, Gästen und Mitarbeitern.
Center for Free-Electron Laser Science (CFEL), Hamburg
Es sind sowohl hoch installierte Labore und schwingungsentkoppelte physikalische Messräume als auch Büros und Konferenzräume gefordert. Die baudynamischen Anforderungen an die Räume für die Arbeiten mit Freien Elektronen Lasern sind sehr hoch, so dass es aus vielen Gründen sinnvoll ist, diese zusammenhängend im Erdgeschoss anzuordnen. Die experimentellen Arbeiten erfordern zudem abgeschirmte Bedingungen, so dass es vor allem wichtig erscheint, die Wissenschaftler mit ihren gemeinsamen Nutzungsbereichen zusammenbringen und theoretische und experimentelle Arbeiten in unmittelbarer räumliche Nähe zu haben.
Um ein hohes Maß an Synergien zwischen den unterschiedlichen Forschergruppen zu erzeugen, stehen offene Raumgefüge im Vordergrund, die die Kommunikationsprozesse der Wissenschaftler fördern.
Über dem eingeschossigen Baukörper für die experimentellen Arbeiten sind drei Büroetagen als Rotunde mit vielfältigen Raumbeziehungen angeordnet. Neben Zellenbüros gibt es hier über die Atriumflächen verteilte Kombizonen, Teeküchen und Besprechungsräume. Das zentrale Atrium dient der Kommunikation sowie dem Wissenstransfer und verbindet dabei über vier Geschosse die unterschiedlichen Funktionsbereiche miteinander. Im Erdgeschoss sind alle experimentellen Nutzungen, die Seminarräume und die Cafeteria um die lichte Eingangshalle und zwei zentrale Gartenhöfe angeordnet.
Das Erdgeschoss mit Labornutzung und die darüber liegenden Bürogeschosse werden formal und thematisch unterschiedlich behandelt. Die Formgebung und das äußere Erscheinungsbild folgen dabei den unterschiedlichen Funktionen Labor und Büro. Thematisch bildet das Sockelgeschoss eine massive und geschlossene Basis für den runden Bürokörper. Die Abgeschlossenheit und Solidität des Sockels werden durch die nahezu fensterlose Struktur und eine Außenwandbekleidung mit schmalformatigen Klinkersteinen unterstrichen. Diametral dazu erhalten die drei Bürogeschosse eine leichte und transparente Fassade mit linearen Fensterbändern, die die Charakteristik des runden Baukörpers unterstreicht.
Die Gestalt des Atriums wird maßgeblich von der Freiform seines Oberlichts geprägt. Die Überdachung besteht aus einer filigranen Stahlkonstruktion, die als Deckung mehrlagige Folienkissen aus lichtdurchlässigem ETFE (Ethylen-Tetraflurethylen) erhält und damit das Gebäude mit großer Leichtigkeit zum Abschluss bringt.
Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, Präzisionslabor, Stuttgart Büsnau
Der Baukörper gliedert sich in drei Bereiche: die Versuchshalle mit den elf Versuchsboxen der Experimente, ein zweigeschossiges Technikgebäude und ein zweigeschossiges Büro- und Laborgebäude, in dem die Supportflächen für die Versuchshalle untergebracht sind.
Die Halle ist bestimmt durch die Versuchsboxen, die als monolithische Blöcke im Hallenraum stehen. Jedes Experiment ruht auf einem eigenen massiven Fundamentblock, der zur Vermeidung von Kriech- und Wirbelströmen mit nicht leitenden und nicht magnetisierbaren GFK-Armierungen konstruiert wird. Jedes Fundament wiederum ruht auf Luftfedern zur Schwingungsentkopplung des Experiments von der Umwelt.
Den baukonstruktiven Ansprüchen an das Umfeld der Experimente galten, in engen Abstimmungen mit den jeweiligen Wissenschaftlern, unsere ersten planerischen Überlegungen. Für die Gestaltung der Hülle konnten wir nun auf das Verständnis für die Experimente und die Analyse des räumlichen Kontextes zurückgreifen.
Die Umgebung ist geprägt von Institutsbauten der 1970er Jahre, einem landschaftsgärtnerisch gestalteten Park und einem dichten Wald als Hintergrund. Die Waldkante wirkt aus der Ferne dicht und undurchdringlich. Erst aus der Nähe lösen sich die Strukturen bis hin zum feingliedrigen Blätterwerk auf. In den Experimenten nimmt die Erkenntnis durch hochpräzise Annäherung an die Oberflächen zu. Unsere Wahrnehmung und unser Bild ändern sich, ohne dass sich das Material ändert. Ein weiterer Orientierungspunkt für unsere Arbeit waren die auf dem Campus vorhandenen Bauten, die tendenziell horizontal, in ihren Sonderbereichen jedoch vertikal gegliedert sind.
Die Fassadengestaltung folgt der Gliederung der Baukörper. Technik und Halle werden zu einem großen monolithischen Körper zusammengefasst, der umgreifende Büro- und Laborbaukörper erhält eine Fassade, die sich an der horizontalen Gliederung der Bestandsgebäude orientiert.
Die Hallenfassade ist dagegen mit einer Haut aus vertikalen Aluminiumprofilen umhüllt. Diese sind in unterschiedlichen Abständen und auf zwei Ebenen angebracht. Dadurch ergeben sich Interferenzmuster, die sich je nach Betrachtungswinkel und -abstand ändern.
Hochschule für Musik Carl Maria von Weber, Dresden
Bei der Erweiterung der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden handelt es sich um die Ergänzung von Übe- und Einspielräumen, einem Bewegungsraum, einer Bibliothek, einem Studio für die Opernklasse und einem Konzertsaal für 450 Personen. Durch die Ergänzung des Neubaus ist ein Ensemble entstanden, das der Hochschule eine besondere Identität gibt und der Musik einen zeitgemäßen architektonischen Ausdruck verleiht. Die Hülle des Konzertsaales entwickelt sich antithetisch zum historischen Bestand und löst sich aus den baukonstruktiven Bedingungen. Durch diese räumliche Gegenüberstellung setzt sich die klassizistisch gefügte Altbaufassade formal mit der frei gefügten des Neubaus auseinander. Innen verdichten sich um das Auditorium herum dynamische Flächen zu einem zentralen Raum für Musik mit großer akustischer Klarheit.
Erlweinpreis 2012 - Architekturpreis der Landeshauptstadt Dresden - Besondere Anerkennung





