Wettbebwerb sozialer Wohnbau
Geschichte und Identität
BE Berlin konnte kürzlich in Konkurrenz mit den Büros SOA und INSPACE einen Wettbewerb im südostfranzösischen Valence für sich entscheiden. Mit dem neuen Quartier sollen wieder junge Menschen ins Zentrum der Stadt kommen. Der historische Kontext ist für die Planung von Sozialwohnungen eine besondere Herausforderung. Die Anlage fügt sich in die baulichen Vorgaben ein und nimmt die umschließende Mauer als Quartiersgrenze auf. Ebenso bleibt die Fassade einer Druckerei des 18. Jahrhunderts bewahrt. Gemeinsam bilden sie das Signet des transformierten Ensembles. Der neue Baukörper wird in geometrisierter S-Form den beiden unterschiedlichen Geländeniveaus angepasst. Vorteil dieser Form: Der höher gelegene, alte Hof existiert weiterhin, während ein neuer, niedrigerer Hof im Inneren des Quartiers entsteht. Geschichte und das Gesicht des Viertels bleiben trotz dieser neuen Nutzungen erhalten, womit ein hohes Maß an Identität mit den Möglichkeiten der Architektur geschaffen wird. Die Idee der Integration – der sozialen, wie der städtebaulichen – findet sich auch in der Materialsprache wieder. Bewusst wurde auf eine Ästhetik der Mittellosigkeit verzichtet – vielmehr soll die Architektur unter den konkreten Bedingungen künftigen Bewohnern ein hohes Maß an Komfort und Eigenbewusstsein bieten.
Bauaufgabe : Sozialer Wohnbau
Bauherr: Office Public de l’Habitat de Valence
Büro: BE Berlin Geschäftsleiter Gerd Jäger
Projektleitung: Andreas Trampe-Kieslich
Mitarbeiter: Michael Liebetrau, Prisca Hirstein, Franziska Stein
BGF: 5.600 m²
Platzierung:1. Preis
www.baumschlager-eberle.com
Villa K., Schweiz
Am Anfang war das orthogonale Volumen. Aus diesem wurde eine Form in der angemessenen städtebaulichen Dimension entnommen. Die Gebäudehülle wird durch gezielte Ausnehmungen, Auskragungen und Einschnitte – unter Berücksichtigung der Lage - definiert, um schließlich eine mäandrierende Ordnung zu finden, die auf das ruhende Volumen eine gewisse Dynamik überträgt. Am Entrée bereits entscheiden sich Bewohner und Benutzer, ob sie im Erdgeschoß verweilen oder eine Etage tiefer gehen wollen. Auf beiden Ebenen wird aus der Planung von „außen nach innen“ eine Sequenz von Räumen abgeleitet, die ineinander übergreifen.
Das Grundstück befindet sich in einer Hanglage, sodass die Qualität der Interventionen auch die Topografie optimiert: Ein gemeinsames Atrium verbindet die beiden Geschosse, welche das Terrain besetzen. Raffiniert fasst der Baukörper u-förmig diesen Raum. Bedingt durch eine Brücke in der Eingangsebene eröffnet das Atrium den Blick vom Vorplatz –das Haus gleichsam im Schnitt zeigend - hinaus ins tiefer liegende Gelände. Ein weiteres dreiseitig umschlossenes Atrium verstärkt die auskragende NW-Ecke, wo sich das Wohnzimmer befindet.
An der Nordfassade wird das architektonische Spiel von Geschlossenheit und Offenheit der Gebäudehülle als etwas Elementares im Bauen verständlich, ohne jedoch Selbstzweck zu werden. Dieser Teil des Hauses ist vorrangig dem Erlebnis unterschiedlichster Blickperspektiven auf den nahen See gewidmet, wobei ganz klar der unterschiedliche Öffentlichkeitscharakter der einzelnen Räume – vom Wohn- bis zum Schlafzimmer – erkennbar ist. An der südlichen Eingangsseite finden sich die privat nutzbaren Freiräume. Besonders spannend ist hier der Übergang zwischen der verkehrsruhigen Erschließungsstraße und dem Areal gelöst: Zwei Wandscheiben – eine ist die umfassende Grundstückmauer, die andere der etwas höhere Sichtschutz für den dahinterliegenden Pool – differenzieren die Annäherung an das eigentliche Gebäude. Und dieses „schaut“ teilweise über den Schichten hinaus, um ein bestimmtes Maß an Nachbarschaft möglich zu machen.
Gert Walden
Projektdaten
Villa K., Schweiz
BAUMSCHLAGER EBERLE ZÜRICH
Projektleitung: Nadia Erschbaumer
Bauzeit: 2/2010-10/2011
BGF: 479 m²
NF: 333 m²
www.baumschlager-eberle.com
Hilti Trainingszentrum, Schaan, Fürstentum Liechtenstein Bürogebäude
FL, Schaan
Bauherr
Hilti AG
FL, Schaan
Planung
Baumschlager Eberle
Architekturbüro
FL, Vaduz
Planungsbeginn
2004
Baubeginn
2004
Fertigstellung
2006
Am Liechtensteiner Stammsitz der Firma Hilti AG in Schaan setzt der Neubau des Trainingszentrums einen weithin sichtbaren Akzent. Der kompakte Baukörper mit der außergewöhnlichen Natursteinfassade liegt am höchsten Punkt des Firmengeländes und bildet die Grenze zum bewaldeten Berghang. Die Gebäudeschale aus bruchrauen, 12cm starken Gneissteinen, die den tragenden Stahlbetonwänden vorgemauert wurde, nimmt Bezug auf regionale Bauweisen und bindet den Neubau in den Naturraum ein. Durch die nuancenreiche Oberfläche der auch handwerklich anspruchsvollen Fassade wirkt das großvolumige Haus massiv und elegant zugleich.
WHO/UNAIDS, Genf, Schweiz Verwaltungsgebäude
Avenue Appia
CH, Genf
Bauherr
WHO/UNAIDS
CH, Genf
Generalunternehmer
HRS
CH, Lausanne/Crissier
Planung
Baumschlager Eberle
Ziviltechniker GmbH
AT, Lochau
Planungsbeginn
2002
Baubeginn
2003
Fertigstellung
2007
UNAIDS ist ein Koordinierungsprogramm der Vereinten Nationen mit dem Ziel, Aids zu bekämpfen. Gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) residiert UNAIDS in einem Bürogebäude im ehemaligen Park des WHO-Stammhauses von Jean Tschumi aus den 1960er Jahren. Das neue Haus sucht die Qualitäten des Ortes zu verstärken: Es geht auf die Topografie ein und interpretiert das kraftvolle, wie ein Riegel parallel zum Hang stehende Hochhaus Tschumis um: Eine horizontale Scheibe mit zwei raumgreifenden Bürogeschossen scheint über dem ansteigenden Gelände zu schweben.
Betriebsgebäude Sirch, Böhen, Deutschland Gewerbebau
D, Böhen
Bauherr
Wolfgang Sirch
Planung
Baumschlager-Eberle
Ziviltechniker GmbH
A, Lochau
Planungsbeginn
1997
Baubeginn
1998
Fertigstellung
1998
Wie man die Betriebsstätte eines mittelständischen Unternehmens in zeitgemäßer Form erweitert, haben Baumschlager-Eberle bereits 1995 bei ihrem neuen Gebäude für das Holzverarbeitungswerk Altenried in der bayerischen Gemeinde Hergatz unter Beweis gestellt. Dieser in einen Hang geschmiegte, mit sibirischer Lärche verkleidete Holzbau, dessen gewölbte Fassaden eine architektonische Analogie zur hügeligen Landschaft darstellen, gilt mittlerweile als ein herausragendes Beispiel für zeitgenössischen Gewerbebau.
Lagertechnik Wolfurt, Österreich Gewerbebau
A, Wolfurt
Bauherr
LTW Lagertechnik
GmbH
A, Wolfurt
Planung
Baumschlager-Eberle
Ziviltechniker GmbH
A, Lochau
Planungsbeginn
2001
Baubeginn
2002
Fertigstellung
2003
Seine exponierte Lage im Winkel von Ortsstraße und Autobahnwar der Ausgangspunkt für den Entwurf des kubischen, 1994 fertig gestellten Betriebsgebäudes der »Lagertechnik Wolfurt« (LTW). Deshalb zeigte der konstruktiv als Stahlbetonskelett ausgebildete Bau vier verschiedene Ansichten: an der Straße eine mit transluzenten Gussglas-Elementen verkleidete Hochgarage (ein wichtiges Produkt des Unternehmens), zur Autobahn hin als Schallschutz eine massive Betonwand mit schmalen Lichtschlitzen, auf der Süd- und Westseite dagegen verglaste Fassaden mit Lamellen oder Holzschiebeläden.
ETH e-Science Lab, Zürich, Schweiz Universitätsgebäude
ETH Zürich
CH, Zürich
Bauherr
ETH Immobilien
Abteilung Bauten
CH, Zürich
Generalunternehmer
Implenia AG
CH, Dietlikon
Planung
Baumschlager-Eberle
Ziviltechniker GmbH
AT, Lochau
Projektleitung
Kunst
Adrian Schiess
CH, Zürich
FR, Mouans-Sartoux
Planungsbeginn
Juni 2005
Baubeginn
2006
Fertigstellung
2008
Baumschlager Eberle sucht am Hönggerberg die Übereinstimmung zwischen Präzisierung der Topografie und optimaler Flexibilität in der Baustruktur. Von Nutzerseite wird das e-Science Lab mit sehr viel Elektronik gefüllt werden und dennoch entsteht kein High-Tech-Building als Emblem für den Datenhighway. Die Architekten haben vielmehr einen schnörkellosen Quader entwickelt, der die vielfachen planerischen Aufgaben integriert: Seine Raumgeometrie setzt an der Hangkante des ETH-Areals ein klares Zeichen, das in seiner Zeitlosigkeit ganz selbstverständlich wirkt. Mehr noch unterstützt der Quader eine Architektur, die ihre Abhängigkeit von der Haustechnik freispielt. Der Körper bildet den Rahmen für das Beziehungsnetz im Lehr- und Forschungsbetrieb des e-Science Lab. Sechs Seminarräume schaffen im Inneren tatsächlich begreifbare Volumina. Die Außenräume dieser Bildungsboxen definieren die zentrale Halle mit dem MMU-Saal (=Multimedialer Unterricht) im Bewegungsfluss der ringförmigen Erschließung bis hin zu den Forschungsbüros. Die Veränderung des Nutzers in diesem Raum reflektiert die Kunst von Adrian Schiess: Die farbigen Bildungsboxen und der MMU-Saal können als orthogonale Flächen gesehen werden, die eine eigene, mehrdeutige Räumlichkeit entwickeln und festgefügte Sehweisen hinterfragen.
Nordwesthaus, Fußach, Österreich Veranstaltungsgebäude
AT, Fußach
Bauherr
Hafen Rohner
GmbH und CoKG
Baubetreuung
Baumschlager Eberle
Ziviltechniker GmbH
AT, Lochau
Planung
Baumschlager Eberle
Ziviltechniker GmbH
AT, Lochau
Planungsbeginn
2004
Baubeginn
2007
Fertigstellung
2008
Der Hafenbau als urbanistisches Unternehmen kommt in Fußach ohne malerische Attitüden aus. Klare Geometrien charakterisieren das Gebaute als Gegenüber der Natur. Seit dem Jahr 2000 »schwebt« das Hafengebäude auf dem Areal und verschafft der Eigentümerin Maria Rohner die notwendige Übersicht.
Als Antwort auf die Betonröhre der Marina-Chefin positioniert Baumschlager Eberle einen Kubus als neuen Treffpunkt am Hafen. Genau an der Kante von Anlegestellen und Liegeplätzen positioniert, entsteht aus der Wechselwirkung zwischen tragenden Betonelementen und ihrer Hülle aus Glastafeln das Durchscheinen der Gebäudegrenzen. Die unregelmäßige Struktur der Betonteile begegnet dem orthogonalen Regelwerk der Scheiben. Die Ornamentik des Glases - nach dem Zufallsprinzip entstanden – verhindert allerdings, dass Hülle und Kern in ihrer Systematik zu scharf kontrastieren.
Haus Flatz, Schaan, Fürstentum Liechtenstein Einfamilienhaus
FL, Schaan
Bauherr
Dr. Dietmar Flatz
Planung
Baumschlager Eberle
Architekturbüro
FL, Vaduz
Planungsbeginn
1998
Baubeginn
1999
Fertigstellung
2000
Das Wohnhaus für eine siebenköpfige Arztfamilie liegt in einem sanft abfallenden Westhang am Rande der Gemeinde Schaan im Fürstentum Liechtenstein. Inmitten einer diffusen Nachbarschaft, die teilweise im »Landhaus-Stil« errichtet wurde, erhebt sich die aus kubischen Baukörpern geschichtete Villa als kompromisslos moderner Solitär.
Besonders auf der völlig geschlossenen Nordseite wirkt das kompakte Haus wie eine minimalistische Skulptur. Durch seine Hanglage ist von außen nicht zu erkennen, dass sich die Wohnnutzung über insgesamt vier Ebenen erstreckt – das Untergeschoss enthält neben Keller und Garage ein Appartement mit eigenem Innenhof.
Moma, Peking, China Wohnbau
Solids IJburg, Amsterdam, Niederlande
Diese kombinieren eine sehr hohe Bebauungsdichte – die vorgegebene Geschossflächenzahl von 6,4 ist vergleichbar mit Hochhausvierteln in Asien – mit einem frei gestaltbaren Grundrisskonzept. In seinem Erscheinungsbild knüpft das Ensemble an den klassischen städtischen Geschäftshaustypus mit Kolonnaden, Lochfassade, Balkonen und repräsentativer Steinverkleidung an. Das Gebäudeinnere ist demgegenüber fast radikal minimalistisch und auf die größtmögliche Freiheit in Nutzung und Raumaufteilung optimiert: Stahlbeton-Skelettbauweise, in Kernen zusammengefasste Treppenhäuser, Raumhöhen von sechs bzw. vier Metern ermöglichen die flexible Einteilbarkeit der Flächen.
Alle Einbauten sind reversibel, tragende Zwischenwände statisch nicht nötig. Als Konstante ist das Tragwerk auf lange Lebensdauer ausgerichtet, während die technische Infrastruktur variabel und leicht an aktuelle Standards adaptierbar ist. Das Gebäude selbst gibt als funktionsneutrales »Gehäuse« nur den Rahmen vor, den jeder Mieter nach seinen Vorstellungen ausfüllt. Die loftartigen, bis zu 20 Meter tiefen Einheiten können als Büros ebenso genutzt werden wie als Hotel, für Praxen wie für soziale Einrichtungen, als Studios und Wohnungen.
Ermöglicht wird so gleichermaßen die individuelle Gestaltung und einfache Anpassbarkeit an veränderte Anforderungen wie eine urbane Vielfalt und die Nachhaltigkeit im Gebrauch. Das Gebäudekonzept definiert mit dem Begriff »solide« Dauerhaftigkeit auch im funktionalen Sinn. Dass dies auch eine hochwertige und qualitätvolle Architektur umfasst, zeigt sich in der repräsentativen Fassade und den eleganten Foyers ebenso wie in der sorgfältigen Materialwahl und Detaillierung.
Krankenhaus AZ Groeninge, Kortrijk, Belgien - 1. Bauteil
Städtebauliches Grundanliegen bei diesem Großprojekt ist seine Integration in eine parkähnliche Landschaft. Als geeignete Basis erweist sich die Anwendung einer traditionellen Typologie – der Hofstruktur. Mit einem System von fünf zusammenhängenden Baublöcken gelingt es, die 144.000 m² umfassende Grundstückfläche in erfassbare Einheiten zu überführen. Die Gebäudestruktur generiert sich aus Einzelmodulen, die als selbstständige Einheiten funktionieren. Damit wird der gebaute Komplex auch betrieblich organisierbar. Was im Inneren funktioniert, gilt für die gesamte Anlage der fünf Baublöcke. Bestimmt wird sie von den unterschiedlich gestalteten Innenhöfen, deren Aufgabe darin liegt, der Anonymisierung entgegenzuwirken und Identifikationsmomente zu schaffen.
Es geht also darum, ein möglichst hohes Maß an Normalität zu erzeugen. Wer zunächst die zweistöckige Empfangshalle betritt, trifft auf räumliche Klarheit und luftige Großzügigkeit. Wesentliches Merkmal beim Gang durch das Gebäude ist der ständige Bezug zum Außenraum. Die Organisation der imposanten Kubatur um die Höfe sorgt für spannungsreiche Raumabfolgen mit differenzierten Stimmungswechseln und für hohe Aufenthaltsqualität im Gesamtkomplex. Das homogene Fassadenbild mit seiner (arkadischen) Botschaft von Last und Stütze bringt metaphorisch betrachtet die Botschaft der Heilstätte auf den Punkt: Die Last der Krankheit wird durch den Komfort der Anlage abgestützt. Ganz praktisch gesehen trägt die tragende Fassade dazu bei, nutzungsneutrale Flächen zwischen dieser Struktur und den ebenfalls tragenden Erschließungskernen aufzuspannen.
Das von Grün umrahmte und durchdrungene Klinikum präsentiert sich insgesamt als vielgestaltiges urbanes Gefüge – eine kleine Stadt mit Häusern und Gärten – introvertiert, aber nicht hermetisch; offen, aber nicht exponiert.
Michelle Corrodi / Gert Walden
Adresse
President Kennedylaan 4
BE, Kortrijk
Bauherr
AZ Groeninge v.z.w.
BE, Kortrijk
Planung
Baumschlager Eberle Vaduz
FL, Vaduz
Osar architects n.v.
BE, Antwerpen
Projektleitung
Christian Tabernigg
Hilde Vermolen
Louis Lateur
Bert Van Boxelaere
Mitarbeiter
Christian Hallweger
Susanne Bertsch
Frank Verschuren
Daniela Concin
Joachim Ambrosig
Photographie
Werner Huthmacher
Eduard Hueber
Landschaftsarchitekt
CTRL-Z
BE, Gent
Haustechnik Konzept
Sorane SIA
CH, Lausanne
Lenum AG
FL, Vaduz
Ingenium n.v.
BE, Brugge
Statik
Jan Van Aelst
BE, Antwerpen
Grundstücksfläche
144.000 m²
Nutzfläche
115.190 m²
Bebaute Fläche
31.460 m²
Umbauter Raum
489.485 m³
Planungsbeginn
Juni 2000
Baubeginn
Bauteil 1: 2005
Fertigstellung
Bauteil 1: 2011
Fertigstellung
Bauteil 2: 2017






