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Lageplan Sackpfeife

Das 34 ha große Gebiet "Über der großen Sackpfeife" liegt am attraktiven Südrand der Stadt, dem bevorzugten Wohngebiet der Weimarer, zwischen B85 und dem Merketal. Die Nähe zur Kernstadt einerseits und die günstige Erreichbarkeit von der Autobahn andererseits waren die wichtigsten Gründe für den im Oktober 1992 getroffenen Beschluß des Stadtrates, hier mit dem Instrumentarium einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme ein neues Wohn-, Sonder- und Gewerbegebiet zu erschließen.

Planerische Ziele sind zum einen die Erweiterung des bestehenden Wohngebietes um 440 Wohnungen. Ergänzend sieht die Planung ein Gebiet für Dienstleistung und Verwaltung entlang der B85 und ein Stadtteilzentrum vor, das sowohl der Nahversorgung der Bevölkerung dienen als auch den "Stadteingang" akzentuieren soll. Im südlichen Teil ist zum anderen der Standort für das neue Weimarer Krankenhaus. Wohnbebauung und das Krankenhaus in weiten Teilen bereits realisiert.

Im Süden des neuen Stadtteils dominiert der Neubau der Vereinten Kliniken von Carlos A. Ott. Er vertritt die Philosophie, daß trotz der notwendigen Multifunktionalität und des ökonomischen Denkens im Krankenhaus der Mensch im Vordergrund steht. Ausgehend von dieser Grundidee hat er ein Modell mit dem Ziel entworfen, für den Patienten eine positive Atmosphäre des Heilens zu schaffen. Die Krankenhausanlage ist auf einem 68000 qm großen Grundstück mit Hanglage und einem Höhenunterschied von bis zu 24 m geplant. Trotz der komplizierten Topographie ist es Ott gelungen, die natürliche Umgebung sensibel in die Planung zu integrieren. Dabei wurde von Anfang an eine Zentralbaulösung abgelehnt, um die Idee eines humanen Krankenhauses mit der angrenzenden Landschaft zu verbinden. Der vielgliedrige Gebäudekomplex wurde der Natur nach "maßgeschneidert". Dazu wählte Ott ein flächiges, raumgreifendes Modell. Er trennt in der zeitgenössischen Gestaltung den halbkreisförmigen Funktionsbereich von den Krankenzimmern. Während sich der Funktions- und OP-Trakt durch eine strenge Geometrie auszeichnet, prägen fließende Gestaltungsformen die Bettenhäuser, die für insgesamt 585 Patienten ausgelegt sind. Zusätzlich ist eine Tagesklinik mit 20 Betten geplant. Das Dach des OP- und Diagnosezentrums wird auch als Hubschrauberlandefläche genutzt. Als Verbindung der beiden Gebäudekomplexe erstreckt sich die Haupterschließungsader der Klinik zum Mittelpunkt der Kommunikation mit Cafeteria, Bibliothek und Andacht. Ott bemühte sich, den Bedürfnissen und Wünschen der beiden Krankenhausträger gerecht zu werden. Bei seiner Präsentation betonte der Architekt, daß die Zustimmung der Mitarbeiter für ihn sehr wichtig sei, damit das Projekt auch von den Menschen positiv angenommen wird, die sich täglich damit auseinandersetzen. Besonders in Weimar, der "Wiege des Bauhauses", sei es für ihn eine große Herausforderung, gestalterisch wirken zu können.

 

Carlos A. Ott & Associates, Montevideo

Architekt: Carlos A. Ott

Projektleitung: Alberto Bornes

Projektteam: Lutz Apenburg, Michaela Ehrig, Jens Neuhaus, Thomas Pilz, Monika Weber, Diana Weißenborn

Auftraggeber: Krankenhaus Neubau Weimar GmbH

Baubeginn 1994, Fertigstellung 1998

 

 

Lageplan

Modellfoto

 

 

 

Ideenskizze von Carlos Ott

 

 

 

Modellfoto

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Im nördlichen Bereich entsteht nach Plänen des Architekten Walter Stamm-Teske eine Experimentalsiedlung für flächensparenden, hochverdichteten Wohnungsbau mit 24 Wohneinheiten zwischen 38 und 152 Quadratmetern Wohnfläche. Die nord-süd-orientierten zweigeschossigen Zeilenbauten sollen eine dreifach höhere Dichte erreichen als ein dichtes Einfamilienhausgebiet. Der Gartenhof wird dabei zwischen 39 und 90 Quadratmeter klein sein. Die Erschließung der Zeilen erfolgt durch Fußwege.

An der Planung beteiligt waren von Anfang an die zukünftigen Bewohner, die sich in der Rechtsform einer Eigentümergenossenschaft organisiert haben. Der Architekt verfolgt das Ziel, durch Serienfertigung, sorgfältige Detaillierung und Beschränkung auf wenige, ökologisch verträgliche Materialien ein kostensparendes "Niedrigstandardhaus" zu realisieren. Neben den genannten technischen und siedlungsökologischen Aspekten soll mit diesem Projekt auch Kontakt und Austausch der Bewohner untereinander gefördert werden. Die Vielzahl dieser Ziele aber mit der Pluralität der individuellen Wünsche späterer Nutzer in einem Prozeß zu vereinbaren, an dem die zukünftigen Bewohner nicht nur als Käufer von Hausprodukten auftreten, sondern mitbestimmen, ist die eigentliche Qualität dieser Siedlung. Problematisch bleibt bei partizipatorischen Projekten wie diesem immer das Verhältnis zwischen "individueller" Gestaltung der Bauherren und Anspruch des Architekten nach Einheitlichkeit. Die Pluralität der Gesellschaft findet ihren Ausdruck gerade auch im Variantenspektrum der Neubaugebiete. Wie realistisch die reformerischen Ansprüche des Modellvorhabens sind, wird sich deshalb in seinem bunten Kontext zeigen.

 

Wohnbauexperiment

Entwurf: Walter Stamm-Teske, Weimar

Ausführungsplanung: Schettler & Wittenberg, Weimar

Mitarbeiter: Sebastian Kirsch

Auftraggeber: Wohngenossenschaft Weimar e.G.

1996-1997

Modellfoto

Lageplan

 

Nordfassade einer Wohneinheit

Innenraumaufnahmen

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